Christine Metzger gibt Handwerksbetrieb ein modernes Image

Frauen auf dem Bau sind noch immer die Ausnahme. Christine Metzger fühlt sich als Parkettlegemeisterin ausgesprochen wohl, ist in den Betrieb des Vaters eingestiegen und gibt ihm weibliche Komponenten.

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Christine Metzger ist Parkettlegemeisterin und hat mit 33 Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Die junge Handwerksmeisterin hat ihren Traumberuf gefunden.  Foto: 

Strohblonde Haare, ein pinkfarbenes T-Shirt - Christine Metzger ist eine moderne junge Frau, die Spaß an Mode und Styling hat. Das spielt freilich unter der Woche keine so große Rolle. Denn die 33-Jährige ist Parkettlegemeisterin, hat Anfang des Jahres den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und ist in das Familienunternehmen eingestiegen, das ihr Großvater Ernst vor über 80 Jahren gegründet hat und das ihr Vater Karl seit 1970 führt. "Mein Vater wird sich in den kommenden Jahren mehr und mehr zurückziehen." Deshalb ist die junge Meisterin auch auf der Suche nach einem qualifizierten Mitarbeiter, da sie ab nächstem Jahr auch ausbilden will. In ihrem Beruf hat sie ihren Traumberuf gefunden. "Das hatte ich gar nicht erwartet", berichtet sie.

Heute schätzt sie es, mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammen zu kommen und in einem vielseitigen, handwerklich anspruchsvollen und kreativen Beruf arbeiten zu können. Schon während der Schulferien hatte sie bei ihrem Vater mitgearbeitet. Dennoch sei nicht von vornherein festgestanden, dass sie in seine Fußstapfen trete. Nach dem Abitur wollte sie aber nicht studieren, war zunächst planlos und jobbte deshalb ein Jahr lang bei ihrem Vater. "Das macht dir doch Spaß", sagte er eines Tages zu ihr, und so entschloss sie sich zu einer Schreinerlehre, kam damit in eine Männerdomäne, in der Frauen noch immer die Ausnahme sind. "Auf der Baustelle sind wir Frauen von Kollegen akzeptiert", erlebt Christine Metzger immer wieder.

"Gleichwohl muss ich mich regelmäßig durchsetzen." Noch skeptischer ist manchmal die Kundschaft, gerade die ältere. "Können Sie das überhaupt?" war sie einmal gefragt worden. Bei aller Akzeptanz: "Als Frau muss man noch immer ein bisschen besser sein." Sie allerdings will Frau bleiben, nicht "meinen Mann stehen" und geniert sich auch nicht, einmal bei schwerer körperlicher Arbeit um Hilfe zu bitten. Was die Männer allerdings denken, wenn sie die pinkfarbene Schleifmaschine transportieren, das steht auf einem anderen Blatt. Das Arbeitsgerät hatte sie in ihrer Lieblingsfarbe spritzen lassen und damit sogar einen Fotowettbewerb eines Lackherstellers gewonnen.

"Der Sprung in die Selbstständigkeit ist natürlich mit Risiken verbunden", räumt die Handwerksmeisterin ein. "Doch die gibt es im Angestelltenverhältnis heute vielleicht noch viel mehr." Gerade in ihrem Bereich sei der Konkurrenzdruck enorm groß, nehme der Preiskampf immer mehr zu.

Da gilt es mit Qualität und Zuverlässigkeit zu punkten. "Unsere Auftragslage ist gut", freut sich dann auch die Kuchenerin. Sie ist überzeugt, dass sie als Handwerksmeisterin auch in Zukunft ihr Auskommen haben wird und will junge Menschen ermuntern, ihre berufliche Zukunft nicht nur in einem Studium, sondern eben auch in einer praktischen und kreativen Tätigkeit zu finden. Nicht nur die Farbe der Schleifmaschine hat gewechselt. Auch sonst will Christine Metzger dem Handwerksbetrieb ein moderneres Image geben. Das führt manchmal zu Diskussionen mit ihrem Vater. "Wir streiten aber nie und arbeiten gut zusammen", freut sie sich über den harmonischen Betriebsübergang. Wie auch Karl Metzger begeistert sie sich für das Material Holz, das lebendig, organisch, das warm ist und sich gut anfühlt, mit dem sie kreativ sein kann und Räume eine komplett neue Atmosphäre geben kann. Da ist es also auch kein Wunder, dass sie sich einen bunten und fröhlichen Holzwurm auf den Oberarm hat tätowieren lassen.

Zurzeit hat sie viel zu tun, eilt mit ihrem Vater von einer Baustelle zur anderen. Trotzdem bleibt ihr genügend Zeit für ihre Partnerschaft und für die Lektüre von spannenden Thrillern. Als Ausgleich zu ihrer körperlich anstrengenden Arbeit geht sie ins Fitness-Studio. "Ich muss etwas für meinen Rücken tun", weiß sie und kann so einseitigen Belastungen entgegenwirken. In der komplett renovierten Wohnung, in der neue Parkettböden verlegt wurden, sind die Arbeiten weitgehend abgeschlossen und Tochter und Vater machen sich auf zur nächsten Baustelle.


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Gründer Unsere Zeitung stellt in loser Reihe Existenzgründer im Kreis vor. Unternehmer erzählen, warum sie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben, was sie daran schätzen, "ihr eigener Chef" zu sein, und wie die Finanzierung klappt.

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