Carl Naughton beim "Treffpunkt Pädagogik"

Über 450 Lehrer füllten auch noch den letzten Platz im Uhinger Uditorium, als dort bei "Treffpunkt Pädagogik" am Freitagabend Carl Naughton über den "Autopiloten im Kopf" unterhaltsam referierte.

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"Lieber die Freude mühelosen Denkens, als die Mühe freudlosen Nachdenkens", sagte Carl Naughton beim "Treffpunkt Pädagogik".  Foto: 

"Unser Gehirn ist seit 30.000 Jahren unverändert. Keine Updates, keine Facelifts. Es folgt dem Motto: Lieber die Freude mühelosen Denkens, als die Mühe freudlosen Nachdenkens", sagt Dr. Carl Naughton. Er verklickert auf professionelle und erfrischende Art und Weise Informationen, fixiert seine Gedanken in den Köpfen der ihm begeistert zuhörenden Menschen. So belege die Hirnforschung, jeder treffe täglich bis zu 20.000 Entscheidungen. Mal seien sie richtig, mal falsch, die meisten davon blitzschnell, freilich die wenigsten mit Verstand und überlegt, rentabel, lukrativ. Doch während wir denken, dass wir denken, denkt unser Gehirn, was es will. Greift auf gängige Muster, steuert mit garantierter Zuverlässigkeit in Paradigmen.

"Nur wenn wir wissen, wie unser Autopilot im Kopf funktioniert und Denkfallen erkennen, können wir in vielen Bereichen besser denken", riss der promovierte Linguist und pädagogische Psychologe mehr als 450 Besucher mit seinem spannenden und mit überraschenden Wendungen gespickten Vortrag zum Thema "Der Autopilot im Kopf" mit. Kurzweilig und mit humorvollen Beispielen machte der 44-jährige Referent mit Schauspielausbildung im Uhinger Uditorium klar, dass kluge Entscheidungen nie mit leerem Magen getroffen werden sollen, weil der Blutzuckerspiegel die Leistung des Gehirns beeinflusse. Zudem helfe "Gehirnjogging", aber nur, wenn der Denkapparat dabei verschiedene Informationen miteinander verknüpfen muss. "Wer nur Sudokus trainiert, wird beim Sudoku besser, aber mehr auch nicht. Aus einem Jogger wird ja auch kein guter Radfahrer", betont der Sach- und Fachbuchautor und empfiehlt außerdem, "den Kopf zu leeren vor wichtigen Entscheidungen".

Weitere Fehlerquellen seien Erfahrungen. So hielt Gerhard Schröder Mitte Juni 1989 die Deutsche Einheit noch für unrealistisch, fünf Monate später fiel die Mauer. Auch dachte vor 20 Jahren ausgerechnet Microsoft-Gründer Bill Gates, das Internet sei bloß ein vorübergehender Hype, ein aufgebauschtes Spektakel. "Die Erfahrungen von gestern blockieren unser Denken für die Zukunft", unterstrich Naughton.

Fast wie zur Bestätigung, dass Entscheidungen immer relativ sind, erzählte er noch von einer ganz speziellen Weckfunktion aus den USA. "Beim Betätigen der Schlummerfunktion wird automatisch jede Minute ein Geldbetrag an einen unbeliebten Wohltätigkeitsverein überwiesen. Die Motivation, jetzt möglichst schnell aufzustehen, um den entfernt stehenden Wecker auszuschalten, ist somit gegeben."

Viele Aha-Erlebnisse gab es auch beim zweiten Teil, "neugierig zu sein". Wer es schaffe, seinen Schülern das Gefühl eines autonomen, sinnstiftenden Tuns innerhalb einer anerkennenden Gemeinschaft zu vermitteln, der habe eine solide Basis für die individuelle Entfaltung der Neugierigen geschaffen. Naughton: "Neugierige sind immer auf der Suche nach Inspiration und neuem Wissen."

Zuvor freuten sich Rainer Kollmer und der Veranstaltungsorganisator Wolfgang Schäffer vom Staatlichen Schulamt Göppingen über das ungebrochene Interesse am "Treffpunkt Pädagogik". Eingeladen zum Vortrag hatten das Schulamt und die BBBank Göppingen.

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