Bundesverdienstkreuz für Rothraut Holzinger

Sie war Gemeinderätin und stellvertretende Bürgermeisterin, bis heute ist sie vielfach ehrenamtlich engagiert. Dafür erhält Rothraut Holzinger aus Eschenbach das Bundesverdienstkreuz.

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Rothraut Holzinger am Klavier: Musikalisch wie sozial engagiert sich die frühere Gemeinderätin bis heute.  Foto: 

Am Mittwoch war ihr freier Tag. Zwei Tage gehören den Enkeln, die anderen mehr oder weniger dem Ehrenamt. "Ich könnte nicht viel mehr zusätzlich übernehmen", sagt die Ruheständlerin, die mittlerweile 75 ist. Aber kürzer treten will sie auch nicht.

Im Asylkreis von Eschenbach ist sie eine Säule. Rothraut Holzinger war schon beim ersten Arbeitskreis in den 90er-Jahren dabei. Damals hat sie sich um Familien aus Polen, Pakistan und Nahost gekümmert, jetzt gibt sie syrischen und irakischen Frauen Deutschunterricht. Einmal in der Woche, zusammen mit Annegret Schwab. Sie fuhr auch zur evangelischen Landessynode in Stuttgart, als die im vorigen Herbst die Situation der Flüchtlinge betrachtete. Holzinger bezog Stellung: es gebe zu wenig Deutschkurse.

Die Eschenbacherin tut das aus christlichem Selbstverständnis - und weil sie weit herumgekommen ist in der Welt. In Länder, "wo man die Not sieht". Sie hilft auch Kindern aus Migranten- und Flüchtlingsfamilien, die in der Schule Probleme haben. Die schickt der Rektor einfach zu ihr. Sie macht mit ihnen Hausaufgaben und Deutsch. Zehn, zwölf Kinder mögen es schon gewesen sein, die sie über längere Zeit betreut. Derzeit sind es drei.

Schon fast zehn Jahre geht Rothraut Holzinger in die Kindergärten, um einmal in der Woche vorzulesen oder mit den Kindern zu singen. Das hatte man ihr seinerzeit angetragen. Vor Jahren kamen die Senioren dazu. Da waren die Drähte kurz: Mit ihrem Mann und Pfarrerin Lindner organisiert Rothraut Holzinger die monatlichen ökumenischen Seniorentreffen, bei denen immer ein Referent geboten sein will. Dr. Otto Holzinger war schon in der katholischen Seniorenarbeit aktiv und ist auch Vorsitzender des Eschenbacher Seniorenrats.

Organistin in der evangelischen Kirche ist die 75-Jährige schon seit 30 Jahren. Jahrelang konnte das jeder Sonntag sein, mittlerweile jeden dritten. "Ich war dadurch in Eschenbach bekannt, vor allem im alten Teil", erzählt sie. Das half ihr bei der Kandidatur für den Gemeinderat, auf die man sie ansprach und die ihr zusagte, weil sie etwas bewegen wollte. Auf Anhieb wurde sie 1989 Stimmenkönigin, in der zweiten Amtszeit schon stellvertretende Bürgermeisterin. Nach 15 Jahren hörte sie auf - was sie bis heute richtig findet. Für die Gemeinde hat sie sich später noch beim Sagenweg engagiert.

Den evangelischen Kirchenchor in Dürnau hat Rothraut Holzinger zehn Jahre geleitet, dem Chorkreis Göppingen ist sie seit Jahrzehnten verbunden. Dort sitzt sie beim Einstudieren großer Projekte am Klavier und singt bei den Aufführungen mit. Zuletzt beim Messias.

Die Nachricht vom Bundesverdienstkreuz hat sie "völlig überrascht", sagt die vielfach Engagierte. "Viele haben genauso viel getan." Deshalb wolle sie es annehmen für alle Stillen im Lande.

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