Bürger sehen: Luxus gibt es in Asyl-Unterkunft nicht

Bei einem Tag der offenen Tür sahen sich die Gingener die neue Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber an. Bürgermeister Hick führte durchs Haus.

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Gingener Bürger schauen sich die neue Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber an. Immer zwei Bewohner werden sich ein Zimmer mit 15 Quadratmetern teilen.  Foto: 

Die neue Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Gingener Hindenburgstraße ist bezugsfertig. Interessierte Bürger hatten gestern bei einem Tag der offenen Tür die Möglichkeit, einen ersten Blick in das zweistöckige Gebäude zu werfen. Bis zu 54 Menschen sollen hier untergebracht werden – wann die ersten Bewohner einziehen, ist im Moment noch unklar. Sie werden der Gemeinde vom Landratsamt Göppingen je nach Bedarf zugewiesen.

Bürgermeister Hick führte die Besucher durchs Haus. Die Zimmer, die sich jeweils zwei Personen teilen müssen, sind 15 Quadratmeter groß. Die Einrichtung besteht aus zwei Betten,  Kühlschrank, Mülleimer, einem kleinen Tisch mit zwei Stühlen und zwei Spinden. „Es gibt hier keinen Luxus“, sagt Hick, „aber das Notwendige, was man braucht“. Auf  jedem Stock gibt es außerdem eine Küche, die mit mehreren Spülen und Herden ausgestattet ist, sowie einen Gemeinschaftsraum und einen Raum, in dem ein paar Waschmaschinen stehen. Die Sanitäranlagen sind in bis zu vier Nasszellen pro Stock untergebracht. Im Erdgeschoss gibt es zusätzlich eine „Waschküche“ mit sechs Waschmaschinen.  Beheizt wird die Unterkunft durch elektrische Deckenpaneele, in die auch die Beleuchtung integriert ist. Die Heizung kann vom Hausmeister per Handy-App gesteuert werden.

Weniger soziale Spannungen

Die Gemeinde bemühe sich darum, dass die Unterkunft mit einer Mischung von Familien und Alleinstehenden belegt wird, erläutert Hick. Eine Familie kann je nach Größe mehrere Zimmer belegen, einen besonders abgegrenzten Bereich mit Wohnungstür gibt es für sie allerdings nicht.  Auf die Nationalität der Bewohner werde bei der Belegung keine Rücksicht genommen, antwortet der Bürgermeister auf die Frage eines Besuchers. „Ich habe da eine ganz klare Linie: In Deutschland müssen Angehörige unterschiedlicher Nationalitäten lernen, sich zu verständigen.“ Erfahrungsgemäß gebe es in kleineren Unterkünften wie in Gingen weniger soziale Spannungen als in großen Einrichtungen.

Er wolle jedoch nicht ausblenden, dass es unter den Asylbewerbern auch Menschen gebe, die sich mit der Integration schwer täten, fügt Hick hinzu. „Die Asylbewerber sind ein Querschnitt der Gesellschaft“, betont er. Deshalb gebe es neben den Erfolgsgeschichten eben auch Enttäuschungen. Unterstützt werden die Bewohner von einem Sozialbetreuer des Landratsamts, für den eine 75-Prozent-Stelle eingeplant ist, und von Mitgliedern des Gingener Arbeitskreises Asyl.

Die Kosten der Betreuung und Unterbringung der Asylbewerber übernimmt der Landkreis. Auch die Kosten von etwa 1,1 Millionen Euro für den Bau der Unterkunft werden vom Landkreis finanziert. Die Gemeinde hat lediglich das Grundstück zur Verfügung gestellt: Der Pachtvertrag läuft zunächst fünf Jahre mit einer Verlängerungsoption um weitere fünf. Sollte die Kommune das Grundstück in dieser Zeit selbst zur Ortsentwicklung benötigen, kann die Gemeinschaftsunterkunft, die aus Holzmodulen besteht, abgebaut und an einer anderen Stelle wieder aufgebaut werden.

Im gemeindeeigenen Nachbargebäude sind derzeit bereits elf Asylbewerber untergebracht. Der 26 Jahre alte Holzplattenbau soll jedoch in absehbarer Zeit abgerissen werden. Eine grundlegende Sanierung des recht maroden Hauses rentiere sich auf lange Sicht nicht, sagt Hick.

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