Bürger beschweren sich über aufgerissene Biobeutel

Aufgerissene Biobeutel mit verstreutem Inhalt, liegengebliebene, die in der Sonne schmoren: Einiges an Beschwerden ist in den ersten Tagen der neuen Biomüllabfuhr beim Abfallwirtschaftsbetrieb aufgelaufen.

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Seit dem 1. Juli wird der Biomüll im Landkreis in blauen Säcken eingesammelt.  Foto: 

Ein alter Zeller hat gleich die Gemeinderatssitzung genutzt, um seinen Ärger mit der ersten Biobeutel-Abfuhr zu schildern. Abends den Beutel rausgelegt, nachts hätten ihn Vierbeiner aufgerissen. Er habe es ja schon vorher gesagt, weil er so etwas von Schwäbisch Gmünd höre. "In Ortsrandnähe ist das nichts." Dem Zeller reicht dieses Erlebnis. Die Abfälle habe man wieder zusammenklauben müssen. "Die kommen bei mir künftig in den Hausmüll", erklärte er. Sein Vorschlag: Praktisch wäre ein 60-Liter-Eimer, er habe da noch einen alten, den könnten sich zwei Häuser teilen.

"Rausgeschmissenes Geld", wettert ein Aichelberger, der bei der ersten Abfuhr gesehen habe: Ein Lastwagen fahre den ganzen Flecken wegen 5-Liter-Beutel ab, nur an jedem dritten Haus liege etwas. "Was das Geld kostet." Jeder schimpfe, sagt der Mann, er habe noch keinen gehört, der was anderes sage. Sie selber bräuchten den Biobeutel praktische gar nicht, ihre Bioabfälle wanderten als Dünger in den Garten und die verschimmelte Scheibe Brot in den Müllheimer. "Dafür brauche ich keinen ganzen Beutel."

Den Bioabfall auf den Kompost im Garten, Essensreste in die Mülltonne: Dabei will auch eine Heiningerin bleiben. Der Biobeutel sei lächerlich, findet sie, es gehe nicht viel rein, und bei dieser Hitze könne das Ungeziefer anlocken. Ein gefundenes Fressen für Ratten, Marder, Waschbären.

"Wir haben keine Essensreste, sagt eine betagte Dürnauerin, "was bei uns übrig bleibt, kommt in den Kühlschrank für den nächsten Tag." Beim eigenen Komposthaufen bleibt auch eine Süßenerin - und sieht sich durch die erste Abfuhr in ihrer Ablehnung bestätigt. In ihrer Straße, einer Sackgasse, seien die Biobeutel liegengeblieben. Einer sei prompt von Tieren aufgerissen worden. Kommt die Abfuhr? Eine Bartenbacherin war irritiert, weil sie am Freitag in der Göppinger Nordstadt Biobeutel gesehen habe, die "in der Sonne kochten". Und dann in ihrer Straße einen Beutel, der nicht abgeholt wurde. Sie hat vorsichtshalber nichts rausgelegt. Nächsten Freitag will sie's mal probieren.

"Viele stellen gar nichts raus", sagt eine ältere Eschenbacherin bekümmert. Sie selber aber schon. Sie hat sich mit ihrer Nachbarin zusammengetan, damit der Biobeutel voll wird. Mitmachen will auch eine Bad Bollerin, die diesmal noch wenig Abfälle hatte. Ihr Eindruck: "Es stand schon einiges am Straßenrand."

Biobeutelabfuhr bei dieser Hitze - "das geht gar nicht", kritisiert eine Gammelshäuserin. Und wo die Abfälle die Woche über lagern? Sie hat den Balkon genommen, Eimer hingestellt und abgedeckt. Aber gut findet sie das nicht. Aus dem Kreis Böblingen kennt sie etwas besseres: Container in den Wohngebieten.

Allein 15 bis 20 Mails mit Beschwerden und Anfragen pro Tag bekomme der Abfallwirtschaftsbetrieb, berichtet Sieglinde Gebhardt. "Aber das ist nur ein Bruchteil der Haushalte." Was liegengeblieben sei, werde geklärt. Ein gewisser Schutz vor tierischen Übergriffen sei ein Behälter. Den empfiehlt auch der Ostalbkreis, wo es aufgerissene Beutel in bestimmten Regionen und relativ selten gebe, berichtet der dortige Pressesprecher Jürgen Schneider. "Das sind dann hauptsächlich Elstern oder Krähenvögel. Die sind schlau und merken sich das, wenn Abfuhrtag ist." Wenn der Beutel in einem größeren Eimer stehe, sei der Schaden begrenzt.

Lesetipp Auch in Geislingen sind viele Bürger verärgert.

Im Ostalbkreis ging die Kurve nach oben

Kompost Viele Kreisbewohner haben offenbar keinen Biobeutel-Bedarf. Von zehn Leuten aus zehn Orten, die die NWZ nach dem Zufallsprinzip anrief, erklärten vier, sie hätten für Bioabfälle ihren Kompost. Weitere zwei sagten, bei ihnen fielen keine Essensreste an.

Erfahrungen Im Ostalbkreis ist das Biobeutel-Aufkommen in 20 Jahren von 3400 auf 9400 Tonnen gestiegen. Anfangs sei es relativ langsam gewachsen, und die Leute seien sehr skeptisch gewesen, berichtet Jürgen Schneider von der dortigen GOA.

Kritik Beim Göppinger Abfallwirtschaftsbetrieb wisse man noch keine Mengen aus den ersten Tagen, sagt Sieglinde Gebhardt. Die Telefone liefen schon seit vier, fünf Wochen heiß, und dabei ließen sich Kritiker teils überzeugen, teils aber auch nicht.

SWP

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Kommentare

07.07.2015 11:58 Uhr

Bürger beschweren sich über aufgerissene Biobeutel

Schon der penetrante Gestank in der Küche ist unerträglich. Der oder den "Schwachsinnigen" denen solch ein Schildbürgerstreich eingefallen ist gehören auf dem Marktplatz von Göppingen, je 10 Stockhiebe auf den nackten Arsch und ein Schild um den Hals gehängt mit der Aufschrift. "Ich tue es nie wieder !!! "

Diese "Blödmannsgehilfen" haben den ganzen Tag scheinbar keine andere Aufgabe als sich solch bescheuerten Ideen einfallen zu lassen. Denen gehört der finanzielle Aufwand in Rechnung gestellt, dann hören solche "Schnellschüsse" von ganz alleine auf.

Das sind doch lauter schwer bewaffnete Schwaben = "Granatenseckel" !!!

Mittlerweile in allen Bereichen nur noch Steuergeldverschwendung, warum wird dies eigentlich nicht strafrechtlich verfolgt bzw. abgestraft ?

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