Bub ertrinkt in der Hülbe

Ein Bub fällt in eine Hülbe in Steinenkirch und ertrinkt in dem Wasserloch. Nicht das einzige Unglück, über das der "Alb- und Filsthalbote" in seinen Ausgaben im Juli vor 150 Jahren berichtet hat.

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Unglücksfälle und mehrere Diebstähle im Raum Geislingen, dazu in Ulm ein Mordprozess, das sind Themen, über die der "Alb- und Filsthalbote", das "Amts- und Intelligenzblatt" (Anzeigenblatt) für das Oberamt im Juli 1862 seine Leser unterrichtet. Im Anzeigenteil dominieren viele Annoncen, in denen Pächter für Schafweiden gesucht werden. Im redaktionellen Teil mit seinem knappen Raum druckt der "Bote" in vielen Fortsetzungsfolgen einen Versammlungsbericht des landwirtschaftlichen Vereins ab.

Auch ungewöhnlich ausführlich fallen die Berichte aus dem Ulmer Schwurgericht aus, das gegen einen Schäfer verhandelt, der bei Kirchheim ein Ehepaar ermordet haben soll. Der Angeklagte gibt vor, am Tag des Mordes gar nicht in dieser Gegend gewesen zu sein, seine Angaben stellen sich aber offenbar als unwahr heraus. Der Mann wird wegen Raubmordes zum Tode verurteilt.

Von vielen Unglücksfällen berichtet der "Bote": In Eybach fällt ein Mann von der Leiter und bricht sich das Rückgrat. Einem 23-Jährigen wird bei einem Arbeitsunfall in einer Kunstmühle in Gingen der linke Arm abgetrennt. Ein Bierfuhrwerk, von drei Pferden gezogen, kippt in den Geislinger Stadtbach.

Gleich von drei Vorfällen, bei denen kleine Kinder in eine Hülbe gestürzt sind, die auf der wasserarmen Alb damals üblichen künstlichen Regenwasserteiche, berichtet der "Bote" im Juli vor 150 Jahren. In zwei Fällen - in Böhmenkirch und in Treffelhausen - ging es noch gut aus, nicht jedoch in Steinenkirch. "Das Hütlein des vermissten Kindes, welches in der Hülbe herumschwamm, veranlasste die Eltern desselben im Wasser nachzusehen", schreibt der "Bote". Man fand den fünf Jahre alten Bub schnell - doch er war bereits tot.

Über vier Diebstähle berichtet der "Bote" im Juli 1862: In Nenningen erbeutete ein nächtlicher Einbrecher aus einem Privathaus Geld und eine Taschenuhr - im "Bote" wird die Uhr dann genau beschrieben. In Hofstett-Emerbuch beherbergte ein Einwohner einen vermeintlichen Feldwebel über Nacht - anderntags fehlten Geld und eine Taschenuhr. Ein Händler aus Gingen meldet einen Ladendiebstahl - etliche Ellen Tuch fehlen. Ein Wundarzt, ebenfalls in Gingen, nimmt über Nacht einen unbekannten Gast auf - der lässt Stiefel und Kleidungsstücke mitgehen. Zum mutmaßlichen Täter liefert der "Bote" "Sigmalements", also einen Steckbrief, bzw. eine Personenbeschreibung.

Über welche Neuigkeiten berichtet der "Bote" sonst noch im Juli vor 150 Jahren? Über blutige, verlustreiche Gemetzel aus Amerika, wo der Bürgerkrieg zwischen Süd- und Nordstaaten tobt.

In Ulm verkündet ein Mann auf öffentlichen Plätzen das baldige Ende der Welt; überaus ironisch formuliert ist diese Meldung im "Bote". Ein Ordnungshüter schritt ein und packte den Mann "mitten in der Offenbarung St. Johannis beim Kragen." Und: "Wir wollen ihm wünschen, dass er auf der Wache der Welt Untergang nicht zu erwarten braucht."

In Geislingen steht Ende Juli das mehrtägige Kinderfest bevor, dazu wird in der "Sonne" ein abendlicher Ball veranstaltet. Genaueres über das Fest erfährt man im "Bote" nicht - nur, dass der Festplatz heuer nicht für "Belustigungen" dienen kann, weil ihn eine grasende Schafherde ruiniert habe.

Ein Fotograf kommt für einige Tage nach Geislingen und bietet seine Dienste an: "Für Aehnlichkeit, Reinheit und Schärfe (der Bilder) wird garantirt." Die gefährliche "Staige" nach Waldhausen soll neu gebaut werden.

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