Birenbacher kämpft für Rentenbeitragszahler und Rentner

Die Plünderung der Sozialkassen bringt den Rentner Dieter Kutzer auf die Palme. Der Birenbacher und seine Mitstreiter wollen eine starke Lobby für Beitragszahler.

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Der Birenbacher Dieter Kutzer gibt Rentenbeitragszahlern und Rentnern eine Stimme.  Foto: 

„Wenn der Beamtenbund mit dem Finger schnipst, dann gehen 5000 Beamte auf die Straße. Die machen es vor, wie es geht.“ Bei dieser Feststellung schwingt fast ein wenig Neid mit. Dieter Kutzer macht keinen Hehl daraus, dass er sich eine ähnlich starke Lobby auch für die 38 Millionen Rentenbeitragszahler und 20 Millionen Rentner wünscht. Aber der 71-Jährige arbeitet daran. Der Birenbacher will ihnen als Sprecher des Bündnisses für Rentenbeitragszahler und Rentner (BRR) im Kreis eine Stimme geben.

Dieter Kutzer war 51 Jahre lang Beitragszahler, zuletzt Einkaufsleiter bei Schuler-Cartec bis er 2010 selbst Rentner wurde. Mit dem Thema Rente habe er sich im aktiven Arbeitsleben wie viele andere nicht wirklich intensiv befasst. Aber dass im Gesundheitssystem ständig Leistungen zurückgefahren wurden, habe ihn schon immer aufgeregt. Nach 34 Jahren hat er seine Mitgliedschaft bei der IG-Metall hingeschmissen, „weil die in dieser Richtung nichts gemacht haben“.

Beim "Missbrauch" nicht länger zusehen

Dann kam der Ruhestand und der Rentenbescheid und weil Kutzer einer ist, der den Dingen  auf den Grund geht, begann er in die Materie einzutauchen. Wenn ihn etwas ärgert, nimmt er kein Blatt vor den Mund. Er ist ein unermüdlicher Leserbriefschreiber. Kein Thema im Zusammenhang mit dem Altersruhegeld, zu dem Dieter Kutzer keinen Beitrag leistet. Durch einen Leserbrief wurde auch das BRR auf den Birenbacher aufmerksam. Das war der Anstoß für die Gründung einer Kreisgruppe des bundesweit agierenden Bündnisses, das dem „Missbrauch der solidarischen Sozialsysteme“ nicht länger tatenlos zusehen will.

Seitdem kniet sich der Birenbacher tief in das Rentenrecht rein. Sichtet nicht nur die jährlichen Berichte der Rentenversicherung und Sozialkassen oder stapelweise Expertenberichte und hinterfragt einschlägige Veröffentlichungen. Die häufig zitierte Demografie zum Beispiel, die als Grund für ein künftig niedrigeres Rentenniveau herangezogen werde, sei ein Witz. „Von 2001 bis 2013 hatten wir fast eine halbe Million mehr Beitragszahler.“

Die Altersversorgung in Deutschland sei ein Zwei-Klassen-Recht, sagt der 71-Jährige. Besonders ärgert Kutzer und seine Mitstreiter die Finanzierung sogenannter versicherungsfremder Leistungen aus den Sozialkassen. Das sind unter anderem Kriegsfolgelasten oder Renten führender Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes der DDR. Rund 20 Milliarden dieser versicherungsfremder Leistungen seien nicht annähernd durch den Steuerzuschuss des Bundes gedeckt, habe erst jüngst der rentenpolitische Sprecher der SPD bei einer Veranstaltung in Heiningen bestätigt.

Dicke Bretter müssen gebohrt werden

Besonders fuchst den Birenbacher, dass beim Thema Rente die Generationen gegeneinander ausgespielt würden. „Nicht die Alten sind schuld“, wie sogenannte Experten und Politiker weismachen wollten. Eine Rente mit 69, wie es die Bundesbank jüngst gefordert habe, sei nicht notwendig. Würden die versicherungsfremden Leistungen auf alle Steuerzahler verteilt, wäre das Rentenproblem für viele Generationen gelöst. Der Verband plädiert daher für eine Bürgerversicherung, die die Lasten auf alle Schultern verteilt, auch die der Beamten und Politiker.

Kutzer ist klar, dass dicke Bretter gebohrt werden müssen. „Dass die Jungen so desinteressiert sind“, findet der Großvater von zwei Enkelkindern erschreckend. Ebenso wie die Resignation vieler Wähler, die sich dann in den Fängen rechtspopulistischer Parteien wiederfinden. Er selbst sei hin und wieder auch nahe dran zu resigneren. „Aber wenn dann ein Anruf auf einen  Leserbriefe kommt, baut das wieder auf.“

Info Die nächste Treffen des BRR ist am Montag, 26. September, ab 19 Uhr im Schützenhaus in Bartenbach. Dabei geht es um die künftige Strategie des Bündnisses.

Angehäuftes Defizit

Definition  Versicherungsfremde Leistungen sind alle Leistungen, die nicht auf Beitragszahlungen beruhen. Das sind notwendige Ausgaben wie Rentenzahlungen an Soldaten, Verfolgte der Nazi-Diktatur, DDR-Rentner und andere mehr. Nach Ansicht des Bündnisses für Rentenbeitragszahler (BRR) sollten diese Ausgaben, die nicht auf Beitragszahlungen beruhen, von allen Steuerzahlern getragen und nicht den Beitragszahlern der gesetzlichen Sozialkassen aufgebürdet werden.

Defizit Für versicherungsfremde Leistungen zahlt der Bund einen Zuschuss aus Steuermitteln, der die Ausgaben nicht deckt. Von 1957 bis 2010 entstand so in der Rentenversicherung ein Defizit von 700 Milliarden Euro. Auch die Mütterrente wird aus der Rentenkasse finanziert, Kosten bis 2019 sechs Milliarden, Bundeszuschuss zwei Milliarden Euro.

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Kommentare

27.08.2016 06:16 Uhr

Lobby der Generationen

Das die Politik sich aus der Rentenversicherung bedient, muss aufhören.
Ein Kapitalstock, kann so nicht entstehen.

Mehr Leisten um mehr zu Bekommen, ist so erst gar nicht möglich.

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