Bestattungen in Deggingen werden nicht teurer

Die neue Aussegnungshalle auf dem Degginger Friedhof ist fast fertig: Ende Juli soll die Einweihung stattfinden. Nun hat der Gemeinderat die Nutzungsgebühren festgelegt.

|

Ein Gebäude, zwei Ansichten: Dem Dürrentalweg wendet die neue Aussegnungshalle auf dem Degginger Friedhof eine massive, mit Muschelkalk verkleidete Front zu; satinierte Fenster schützen die Trauernden vor neugierigen Blicken.   In Richtung Friedhof dagegen schottet sich das  Gebäude, das auf einer leichten Erhöhung steht, nicht ab: eine Glasfront eröffnet den Blick auf den Gottesacker. Die Zeiten, in denen Trauergemeinde und Grabredner vor der alten Leichenhalle unter freiem Himmel nicht nur mit Wind und Wetter, sondern auch mit dem Lärm von der B 466 zu kämpfen hatten, sind damit endgültig vorbei.

Bereits 2014 hat sich der Gemeinderat für den knapp eine Million Euro teuren Neubau nach einem Entwurf des Degginger Architekten Karl Heinz Harder entschieden. Alternative Entwürfe am bisherigen Standort der Leichenhalle wurden verworfen. Im Vorfeld  hatte der Gemeinderat erwogen, die Lärmbelastung durch eine Erhöhung der Friedhofsmauer zu reduzieren, was aber am Denkmalschutz scheiterte.

2015 hatte der Antrag der Gemeinde auf Fördergelder beim kommunalen Ausgleichsstock des Landes im zweiten Anlauf Erfolg:  Die Kommune erhielt für das Projekt 490 000 Euro Zuschuss. Baubeginn war im September vergangenen Jahres, jetzt befindet sich das Projekt auf der Zielgeraden.

Herzstück des 380 Quadratmeter großen Gebäudes ist der  Saal für die Trauerandachten. Die dicke Wand in Richtung Dürrentalweg sorgt dort für die angemessene Stille. Der spitz zulaufende Raum mit dreieckigem Grundriss bietet Platz für 100 Sitz- und 50 zusätzliche Stehplätze. Durch Lautsprecher kann die Trauerfeier zusätzlich auf den Friedhof übertragen werden. Der Sarg könne während der Trauerfeier relativ weit in der „Spitze“ platziert werden, erläutert Architekt Karl Heinz Harder.

„Die Gestaltung des Raums wollten wir so neutral wie möglich halten“, erläutert Bürgermeister Karl Weber. Das einzige religiöse Element: In  die Wand an der Rückseite, die zur Verbesserung der Akustik teilweise mit Holz verkleidet ist, ist eine dezente Beleuchtung in Form eines schmalen Kreuzes integriert.

Am Ende der Trauerfeier kann der Sarg zur Erdbestattung direkt durch eine Glastür auf den Friedhof gebracht werden. Wird der Leichnam kremiert, wird der Sarg durch den Saal nach hinten getragen und verschwindet schließlich durch die Tür, die sozusagen hinter die Kulissen führt. „Wenn sich die Tür schließt, ist die Trauerfeier vorbei“, sagt Harder.

Im hinteren Bereich der Aussegnungshalle befinden sich die beiden „Räume des Abschieds.“ Angehörige haben dort die Möglichkeit den Verstorbenen ein letztes Mal zu sehen, Bestatter  können letzte Vorbereitungen treffen. „Uns war es wichtig, hier eine warme Atmosphäre zu schaffen“, betont Architekt Harder. Indirekte Beleuchtung, dezenter Wandschmuck aus Goldblatt  und Pflanzen sollen dazu beitragen. Beide Räume sind mit einer Kühlung versehen – für den Fall, dass ein Leichnam mehrere Tage in der Aussegnungshalle untergebracht werden muss. In dem Trakt in Richtung Silcherstraße sind außerdem der Vorbereitungsraum für den Seelsorger, der gleichzeitig auch als Erste-Hilfe-Station dient, und die neuen barrierefreien Toiletten, die auch für Friedhofsbesucher offen stehen, angesiedelt.

Die Zufahrt der Aussegnungshalle für die Bestatter befindet sich am Dürrentalweg. Eine Wendemöglichkeit gibt es nicht: Der Leichenwagen fährt nach dem Entladen am überdachten Hinterausgang vorwärts auf die Silcherstraße aus. Damit die Zufahrt nicht zum „Schleichweg“ für Autofahrer wird, ist sie an beiden Seiten mit aufschließbaren Wegeschranken versperrt, merkt Karl Heinz Harder an. Auch Radfahrer zwingen die Schranken zum Absteigen. „Aber der offizielle Radweg führt über die Silcherstraße“, betont der Architekt.

Info Die Aussegnungshalle soll  am Dienstag, 25. Juli eingeweiht werden; am  Sonntag, 30. Juli gibt es einen Tag der offenen Tür.

Kosten Für die Nutzung der Aussegnungshalle inklusive der „Räume des Abschieds“  fallen für den Bürger Benutzungsgebühren in Höhe von 400 Euro an. Dies hat der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung beschlossen. Der gleiche Gebührensatz galt auch schon für die Nutzung der ehemaligen Leichenhalle. Damals kamen allerdings für die Aufbewahrung eines Leichnams für höchstens 24 Stunden in der Leichenhalle weitere 100 Euro hinzu. Diese Gebühr fällt nun weg. Für die Aufbewahrung und Kühlung des Leichnams in den „Räumen des Abschieds“ fallen keine weiteren Kosten an.

Diskussion Der Entscheidung ging eine längere Diskussion im Gremium voraus, denn der anfängliche Vorschlag der Verwaltung stieß bei den Räten auf wenig Gegenliebe: Für die Nutzung der „Räume des Abschieds“ sollten wie bei der alten Leichenhalle 400 Euro anfallen, für die Nutzung des Saals in der Aussegnungshalle weitere 300 Euro. „700 Euro sind absolut zu hoch“, sagte Nicole Kimmel. „Damit wäre das Sterben in Deggingen teuer.“ Man müsse den Bürgern entgegenkommen und auf einen „annehmbaren“ Betrag kommen. Der Vorschlag der Gemeinde sei lediglich eine Diskussionsgrundlage, meinte Bürgermeister Karl Weber. „Irgendeine Zahl mussten wir ja vorlegen.“ Dabei habe man sich an Gemeinden in der Region orientiert und einen „Mittelbetrag“ gewählt, erklärte Petra Beer vom Technischen Amt.
Auch Klaus Schweizer sprach sich gegen eine Kostenerhöhung gegenüber der alten Leichenhalle aus: „Sonst kann sich kaum jemand eine Beerdigung leisten“, befürchtete er. Die Kosten könne man durch die Gebühren sowieso nicht wieder hereinholen. „Und das sollten wir auch nicht – die Aussegnungshalle ist eine Dienstleistung.“ Dafür gab es Zustimmung von den Ratskollegen. Man solle die Gebühren für die nächsten zwei Jahre bei 400 Euro belassen, meinte etwa Stefan Heilig. Danach könne man sich anschauen, wie sich die Beerdigungszahlen auf dem Friedhof entwickeln. Für Aufbewahrung und Kühlung eines Leichnams sollten keine weiteren Kosten anfallen, fügte Matthias Bittlinger hinzu. „Sonst nutzen manche nur die Möglichkeit zur Aufbahrung, aber nicht die Halle.“  Schließlich stimmte der Rat dem Antrag von Nicole Kimmel zu: einem Pauschalpreis von 400 Euro.  sts

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Schuler Turm zieht Besucher magnetisch an

Im Stundentakt führten Schuler-Mitarbeiter am Wochenende Besucher durch den neu eröffneten Innovation Tower in Göppingen. weiter lesen