Beim Hafer gab’s nichts zu ernten

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Im April in der Blüte eiskalt erwischt, im Mai und Juni in der Hitze geröstet und schließlich von tagelangem Stark­regen und Gewittern ersäuft – die diesjährigen Wetterkapriolen machten Obst, Getreide und Wiesen schwer zu schaffen. Am heftigsten traf es, wie schon berichtet die Obstbauern. „Viel Aufwand, wenig Ertrag“ lautet das Resümee beim Erntegespräch des Kreisbauernverbandes. Im Kreisgebiet fallen die Erlöse um rund 80 Prozent niedriger als im Durchschnitt aus. Eine Tatsache, die der Verbraucher im Geldbeutel spüren wird, da die Obsternte nicht nur im Kreis Göppingen, sondern in ganz Europa spärlich ausfällt.

Den Ackerbau hat es nicht ganz so schlimm erwischt, aber gut schreibt sich ebenfalls anders. Man sei mit einem blauen Auge davon gekommen hieß es. Lediglich beim Hafer, kam es sowohl im Filstal als auch auf der Alb zu einem Totalausfall. Er litt am stärksten unter dem starken Regen und Gewittern mit Hageln, knickte ab und entwickelte Schwärzepilze.

Früchte fielen aus den Schoten

Bei Hülsenfrüchten wie Erbsen und Ackerbohnen kam es zu einem Ertragsausfall von 30 bis 50 Prozent. Der nasse Boden machte die Ernte unmöglich, so dass viele reife Früchte aus den Schoten fielen oder von Spätverunkrautung überwuchert wurden. „Verschiedentlich war bis zu 80 Prozent Unkraut in der Ernte“, berichtet der stellvertretende Vorsitzende des Kreisbauernverbands Wolfgang Daiber. Beim Raps brachte die Frostschädigung ein Ertragsminus von etwa 20 Prozent.

Der Starkregen mit 80 Litern pro Quadratmeter machte den Landwirten vor allem bei der Weizenernte schwer zu schaffen. Er kam kurz vor der Ernte und als man hätte dreschen können, war das Korn feucht und die Böden waren unwegsam. „Auf der Alb gab es zwar keine Spitzenerträge, aber immerhin noch eine verhältnismäßig hohe Qualität, da viel getrocknet wurde“, sagt Daiber. „Im unteren Filstal gingen die Fallzahlen so stark zurück, so dass nur etwa 80 Prozent der Ernte als Mahlweizen verwendbar war. Der Rest hatte nur noch Futterqualität.“

Da die Weizenernte in anderen europäischen Ländern verhältnismäßig gut ausgefallen ist, erwarten die Landwirte zudem 20 Euro pro Tonne weniger an Gewinn. Der Mais steht noch und verspricht dem vielen Regen geschuldet einen guten Massenertrag bei Futter- und Biogasmais. Wie sich der Körnermais bis zur Ernte im Oktober entwickelt, bleibt abzuwarten.

Jakobskreuzkraut macht Sorge

Bei den Wiesen war der erste Schnitt trotz leichter Frostschäden annehmbar, den zweiten konnte man wegen Trockenheit vergessen, der dritte gab mengenmäßig einen guten bis sehr guten Ertrag. Sorge macht den Bauern allerdings, dass die Straßenränder häufig zu spät gemäht werden. Durch das Mähen während der Samenreife vermehre sich das hochgiftige Jakobs-Kreuz-Kraut massiv und breite sich auf die Wiesen aus. Vor allem für Milchvieh- und Pferdehalter ist das ein Problem. Angesprochen wurde zudem, dass vor allem im Schurwald immer öfter Felder und Wiesen so extrem von Wildschweinen verwüstet würden, dass sie nicht mehr bewirtschaftet werden könnten. Für dieses Problem müsse dringend nach Lösungen gesucht werden.

Info Das Jakobskreuzkraut ist hochgiftig und eine ernste Gefahr für die Landwirtschaft. Eine stark mit Jakobskreuzkraut durchsetzte Wiese, kann nicht mehr zur Weide oder für die Futtergewinnung genutzt werden.

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