Bedarf an Kinderbetreuung ist immens gestiegen

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Sanieren oder abreißen? Die Zukunft der Alten Schule in Zell ist ungewiss.  Foto: 

Die Zeller Gemeindeverwaltung hat die Elternschaft des Kindergartens befragt – und eine klare Botschaft erfahren. Mehr Betreuungszeiten werden gewünscht, ein flexibleres Angebot und Mittagessen auch außerhalb der Ganztagesgruppe. Dies berichtete Hauptamtsleiterin Heike Wied­mann im Gemeinderat. Auf ihren Vorschlag wird das Angebot ausgeweitet. Die beiden Gruppen mit verlängerten Öffnungszeiten bekommen noch eine Stunde dazu, von 13 auf 14 Uhr, und zwar mit Wahlmöglichkeit. Bleibt ein Kind bis 14 Uhr, bekommt es Mittagessen. Zeitliche Abholkorridore werden festgelegt. Die nicht mehr so gefragte Regelgruppe wird zu einer dritten Gruppe mit den gleichen verlängerten Öffnungszeiten umgewandelt.

Was dahinter steht: „Die Berufstätigkeit der Mütter ist in den vergangenen Jahren immens gestiegen“, berichtete Wiedmann. Die  Umfrage zeigte: von 72 Befragten sind 45 Mütter berufstätig, weitere 23 planen den Wiedereinstieg in den Beruf. Bürgermeister Werner Link verwies auch auf die Rücklaufquote der Umfrage, die mit 60 Prozent hoch gewesen sei. Es geht noch um mehr: Langfristig solle eine zweite Ganztagesgruppe eingerichtet werden, spätestens mit Umbau und Sanierung der alten Schule – oder einem Neubau. Diesen Weg schlug die Verwaltung vor. Der Gemeinderat widersprach nicht.

Allerdings gab es schon auch Bedenken, was das kostet. Horst Bäuerle (CDU) betonte: Man sei bei einer Million Euro im Jahr für die Kinderbetreuung, das seien zehn Prozent des Haushaltsvolumens. Vor fünf Jahren seien es noch 600 000 Euro gewesen. Tobias Schmid (Fortschrittliche Wählergemeinschaft) erinnerte daran, das die Gemeinde für den Krippenausbau mächtig Geld in die Hand genommen habe. Der Sprung bei den Betriebskosten betrage 66 Prozent. Er könne jetzt noch leichten Herzens Ja sagen zu 20 000 bis 40 000 Euro für Verbesserungen. „Aber das geht nicht so weiter.“

Hans-Ulrich Lay (Bürgerforum)  wandte ein, dass es auch Einnahmen für die Kinderbetreuung gebe. Vom Land kämen 377 000 Euro. Zell müsse gute Kinderbetreuung bieten, die Wirtschaft brauche das, um ihre Stellen zu besetzen. „Wir müssen uns langfristig gut aufstellen.“ Auch Michael Dreher (Freie Wähler) sagte: „Ein gut funktionierender Kindergarten ist wichtig für den Gewerbestandort.“

Bange Frage: Bekomme man das zusätzliche Personal? Der Arbeitsmarkt sei leergefegt, in Stuttgart seien hunderte Stellen nicht besetzt, weiß die Hauptamtsleiterin. Marco Papatheo (Freie Wähler) wunderte sich. „Wir haben doch bis heute kein Problem mit dem Personal.“ Bürgermeister  Link kann das nur auf sich zukommen lassen („wir werden das relativ schnell merken“) und erinnerte daran, dass Zell bei der Bezahlung  weniger biete als andere. Nämlich 41 Stunden Arbeit für 39 Stunden Tariflohn. So will es der Gemeinderat seit 2005 und darf das, weil Zell nicht dem kommunalen Arbeitgeberverband angehört. Link wünscht sich das anders. Er plädiert für die 39 Stunden.

Was das mehr kosten würde? Vielleicht 40 000 Euro im Jahr, wurde geschätzt. Lay hakte nach: Das Geld hätte man locker, wenn man die Gewerbesteuer anhebe, wie dies seine Fraktion bei den Haushaltsberatungen wollte. Das hätte 85 000 Euro gebracht. Für knapp die Hälfte könne man attraktive Erzieherinnen-Stellen schaffen. Was dann über die Kinderbetreuung wieder der Wirtschaft zugute komme. Michael Dreher sah diesen Zusammenhang nicht. Bei einer höheren Gewerbesteuer gingen vielleicht auch wieder Betriebe verloren.

Alternativen Für den Zeller Bürgermeister Werner Link ist die Sanierung des Altbaus „vielleicht nicht ganz so der Weg“. Er denkt eher an einen Abriss und Neubau. „Vielleicht auch an anderer Stelle.“ Seine Vorstellung: in vier bis fünf Jahren ein Ergebnis zu haben. „Das ist ein stolzes Ziel.“

Möglichkeiten Wichtig ist die Entscheidung für eine zweite Ganztagesgruppe. Aus Gesprächen mit Fachleuten weiß Gemeinderätin Annemarie Haußer-Ulbricht (Bürgerforum), dass im Untergeschoss der alten Schule eine Mensa „sehr gut möglich“ sei. Es gebe auch genügend Schlafplätze für eine zweite Ganztagesgruppe.

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