Bank-Chefs: Negativzinsen für Sparer nicht undenkbar

Verkehrte Welt bei den Geldinstituten im Kreis? Einige wollen gar keine hohen Spareinlagen mehr von Neukunden. Der Grund: die EZB-Negativzinsen.

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Die kleine bayrische Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee hatte kürzlich mit einer Ankündigung deutschlandweit für Aufsehen erregt. Sie will ab September für Beträge von mehr als 100.000 Euro auf dem Giro- oder dem Tagesgeld-Konto von Privatkunden ein „Verwahr-Entgelt“ von 0,4 Prozent erheben. Ist diese Bank eine Ausnahme oder können sich auch Geldinstitute im Kreis Göppingen vorstellen, Negativzinsen für Geldeinlagen von ihren Kunden zu verlangen?

„Wir werden in absehbarer Zeit keine Negativzinsen von unseren Privatkunden verlangen“, erklärt der stellvertretende Pressesprecher der Kreissparkasse Göppingen, Knut Deeg. Er bestätigt aber auch, dass die derzeitige Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) einen hohen Druck auf die Geldinstitute ausübe. „Negativzinsen für Gewerbekunden gib es momentan auch nicht. Aber bei sehr hohen neuen Geldanlagen von Gewerbekunden werden wir das künftig im Einzelfall entscheiden müssen“, sagt Deeg. Die Kontoführungsgebühren habe die Kreissparkasse noch nicht erhöht. „Aber wir werden da nicht umhinkommen. Es gibt derzeit Überlegungen, die kompletten Kontomodelle zu verändern und dabei auf noch mehr Transparenz zu setzen“, meint Deeg.

Keine Verwahrgebühren für Privatkunden

Auch die Volksbank Göppingen beabsichtigt derzeit nicht, sogenannte Verwahrgebühren  für Privatkunden einzuführen, bestätigt ihr Vorstand Dr. Lukas Kuhn. „Die zunehmende Regulatorik, die erforderlichen Investitionen in die Digitalisierung sowie die fragwürdige Geldpolitik der EZB belasten die Ergebnisentwicklung der Volksbank Göppingen immer stärker“, kritisiert der Volksbank-Chef. „Um dieser Entwicklung soweit wie möglich entgegenzuwirken und die Zukunftsfähigkeit der Volksbank Göppingen zu sichern, haben wir bereits umfangreiche Maßnahmen eingeleitet und die Öffentlichkeit hierüber im März mittels Pressegespräch informiert.“ Vor diesem Hintergrund beabsichtige die Volksbank, sich „in absehbarer Zeit mit den bestehenden Kontomodellen zu beschäftigen“.

Auch Heinz Buchmann, Bankvorstand der Raiffeisenbank Ottenbach, kann nicht ausschließen, dass die Kontoführungsgebühren im Zuge der aktuellen Zinspolitik erhöht werden müssen. Und die Ottenbacher Genossenschaftsbank habe auch noch keine Negativzinsen für Sparer eingeführt. „Aber wenn es so weitergeht, prognostiziere ich, dass in einem Jahr alle Kreditinstitute im Kreis Göppingen Negativzinsen von ihren Kunden verlangen werden“, nimmt der Banker kein Blatt vor den Mund. Denn dies sei von der EZB politisch so gewollt. „Auch wenn ich wenig Sinn darin sehe, weil diese Zinspolitik alles umdreht, was ich einmal gelernt habe.“ Denn Hauptgeschäft der Sparkassen und Genossenschaftsbanken sei nun einmal das Kreditgeschäft. „Die derzeitige Situation ist sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig“, meint Buchmann. „So nehmen wir momentan höhere Geldbeträge nur noch von unseren Mitgliedern und Stammkunden als neue Spareinlagen an.“

"Ist das nicht schrecklich?"

An größeren neuen Spareinlagen von Nichtstammkunden ist derzeit auch das Bankhaus Gebrüder Martin aus Göppingen nicht mehr interessiert. Der Grund: Die Bank müsste einen Teil des Geldes dann bei der Bundesbank zum Aufbewahren „parken“. Doch dort kommt der Negativzins von 0,4 Prozent ins Spiel. Den verlangt die EZB nämlich in diesem Fall von Kreditinstituten. „Früher konnte eine Bank nicht genug Einlagen von Sparern bekommen. Jetzt müssen wir Geld von Sparern ablehnen. Ist das nicht schrecklich?“, fragt Andreas Hees von der Geschäftsleitung des Göppinger Traditionsbankhauses. „Das ist systemwidrig. Das billige Geld ist Gift. Denn es verhindert in vielen Ländern Europas, dass dringend notwendige Strukturreformen angegangen werden“, sagt Hees.

Negativzinsen für Spareinlagen von Privatkunden seien derzeit auch beim Bankhaus Martin und den Raiffeisenbanken Maitis und Gruibingen kein Thema, sind auch nicht angedacht. Dennoch: Komplett ausschließen, dass sie irgendwann eingeführt werden müssen, können dies auch die Chefs der Raiffeisenbanken Maitis, Harald Reuter, und Gruibingen, Hans Omrein, nicht.

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