Bad Ditzenbachs neuer Bürgermeister setzt auf die Vereine

Beim Neubau der Turn- und Festhalle in Gosbach ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, sagt Bad Ditzenbachs Bürgermeister Herbert Juhn im Gespräch mit unserer Zeitung. Er ist seit gut einem halben Jahr im Amt.

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Bürgermeister Herbert Juhn im Interview. Kommenden Mittwoch lädt er zu seiner ersten Bürgerversammlung ein.  Foto: 

Von seinem Vorgänger Gerhard Ueding hat Bürgermeister Herbert Juhn ein volles Aufgabenheft bekommen, als er vor gut einem halben Jahr sein Amt antrat. Das Gewerbegebiet Sänder Nord steht darin, die Bereinigung der angespannten Finanzlage und nicht zuletzt die Sanierung der alten und der Bau einer neuen Turn- und Festhalle im Teilort Gosbach. Dazu kommt, was Juhn sich persönlich vorgenommen hatte: Er will die Bürger stärker an der Gemeindepolitik beteiligen, zum Beispiel mit einer Ideenwerkstatt, und noch mehr mit den Vereinen zusammenarbeiten.

Haben Sie schon etwas von Ihren Vorhaben verwirklichen können?

HERBERT JUHN: Ja, ein kleines Projekt, aber das hat Vorbildcharakter. Beim Wochenmarkt am Mittwochnachmittag gibt es ein Marktcafé, da verkaufen Schüler oder Vereine Kaffee und Kuchen. Da haben Gemeinderäte und Schultes jetzt Hand angelegt und für eine Überdachung gesorgt. So wollen wir das auch bei anderen Projekten halten.

Im Wahlkampf haben Sie Bad Ditzenbach eine solide und sparsame Haushaltsführung versprochen.

Die Überdachung war schon ein Teil davon. Jetzt sanieren wir unsere Turnhalle, da hat der FTSV schon viel selbst gemacht. Wir schauen, wo wir Kosten sparen können, indem wir Eigenleistungen erbringen. Oder wir überlegen uns, ob wir etwas kaufen oder ob es zum Beispiel bei einer Maschine sinnvoller wäre, sie zu leasen. Ich setze stark auf die Vereine. Ich will sie fördern und unterstützen, aber auch fordern, indem ich sie wie jetzt den FTSV einbinde in eine Sanierung. Ein anderes Beispiel: Wir wollen jetzt das katholische Gemeindehaus kaufen, um ein Bürgerhaus mit Räumen für die Musikkapelle daraus zu machen. Dafür sollen die Musiker ebenfalls Eigenleistungen erbringen - es gibt einiges zu richten daran. Auch so sparen wir Kosten.

Ebenfalls im Wahlkampf haben Sie anklingen lassen, dass Sie mit dem Standort der neuen Halle in Gosbach noch nicht ganz glücklich sind.

Für mich ist noch keine abschließende Entscheidung gefallen, wo und wie die neue Halle gebaut werden soll. Da sind viele Fragen offen. Gibt es einen alternativen, besseren Standort? Er muss natürlich finanzierbar sein, davon hängt alles ab. Ein neuer Standort hätte vielleicht Vorteile, weniger Lärmbelästigung der Anwohner zum Beispiel. Er hätte vielleicht aber auch Nachteile. Er muss ja erst noch erschlossen werden, er braucht eine Zufahrt - all das kostet zusätzliches Geld.

Wie die neue Halle aussehen soll, hat doch schon der Architektenwettbewerb gezeigt, oder?

Auch über die Ausführung ist noch nicht entschieden. Der Architektenwettbewerb für die neue Halle sollte nur Ideen für eine mögliche Umsetzung, aber noch keine endgültige Entscheidung bringen. Auf diesen Vorschlägen können wir nun aufbauen. Vorerst werden wir aber die alte Halle sanieren. Das gibt uns Zeit, die Planung und das Finanzierungskonzept für die neue Halle sorgfältig auszuarbeiten. Die Sieger-Variante des Wettbewerbs würde drei Millionen Euro kosten. Das können wir in der gegenwärtigen Haushaltslage nicht finanzieren.

Sie wollen die Bürger mit Bürgerversammlungen und einer Ideenwerkstatt an der Gemeindepolitik beteiligen. Hat sich da schon was getan?

Die erste Bürgerversammlung findet am Mittwoch, 25. November, statt. Da wird der Neubau der Halle sicher auch noch einmal diskutiert. Die Ideenwerkstatt werde ich im ersten Quartal 2016 starten, darauf habe ich mich mit dem Gemeinderat verständigt. Ich brauche erst ein gewisses Grundwissen, um die Vorschläge der Bürger einschätzen und sagen zu können, was wir mit unseren finanziellen Möglichkeiten umsetzen können.

Wie darf man sich diese Ideenwerkstatt konkret vorstellen?

So ähnlich wie den Tourismusbeirat, den es früher in Bad Ditzenbach gegeben hat und den ich wieder ins Leben gerufen habe. Da erarbeiten wir jetzt mit Bürgern ein neues Tourismuskonzept. Die Vorgehensweise bei solchen Einrichtungen ist immer die gleiche: In einem Brainstorming sammeln wir Ideen. Wir ermitteln den Ist-Zustand und überlegen uns: Was sind unsere Stärken, was sind unsere Schwächen. Und dann setzen wir uns Ziele - was wollen wir wann angehen. Ganz wichtig ist ein nachhaltiges Ergebnis. Der Bürger muss sehen, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

Bei der Tourismusförderung stehen Ausgaben von 350.000 Euro Einnahmen von 138.000 Euro gegenüber. Da sagen viele, dass sich der Aufwand nicht lohnt.

In meinen Augen ist das zu kurz gefasst. Von den Ausgaben profitiert nicht nur der Tourismus, sondern auch die Gastronomie, das Thermalbad, der Einzelhandel, die Unternehmen. Den Erfolg kann man gar nicht so genau messen. Die Bürger wissen allerdings: Wir sind ein Kurort, wir sind ein Tourismusort und der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor. Es gilt, unser Potenzial weiterzuentwickeln. Beim Ausbau von Gewerbe und Industrie bremst uns ja der Verband Region Stuttgart, er begrenzt unseren Flächenverbrauch. In Stuttgart wird ein Einkaufstempel nach dem anderen erstellt. Bei uns aber verbietet der Verband einem Einkaufsmarkt, seine Fläche um 400 Quadratmeter zu vergrößern. Das ist für mich nicht nachvollziehbar.

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