Backhaushock in Gammelshausen

Zum 30. Mal verwöhnten die Gammelshäuser Landfrauen Gäste aus Nah und Fern mit Spezialitäten beim Backhaushock. Zwei Tage rauchte der Ofen.

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Hand in Hand, ein eingespieltes Team: Die Gammelshäuser Landfrauen halten den beliebten Backhaushock seit 30 Jahren am Laufen.  Foto: 

Holzofenbrot in rauen Mengen haben sie gebacken. 260 bis 280, nachgezählt hat’s keine der fleißígen Landfrauen, die sich jedes Jahr beim Backhaushock in Arbeit stürzen. Die Brote gehen weg wie die warmen Semmeln. Während immer neue Ladungen „eingeschossen“ werden und nach einer Stunde knusperfrisch aus der Röhre kommen, läuft der Verkauf. Und wie immer müssen sich die Kunden ranhalten, wenn sie ein Brot ergattern wollen. „Wir könnten auch hundert Brote mehr backen“, sagt die Landfrauen-Vorsitzende Henrike Seckinger. „Aber mehr schaffen wir nicht.“

Nicht alles kommt in den Verkauf. Brot brauchen die Landfrauen für diverse Spezialitäten. Für den Leberkäs, den Schweinehals und den Obatzta, dessen Rezept geheim bleibt – wie alles, was die Landfrauen auf der Pfanne haben. Der wird schon am Freitag angemacht, damit er durchziehen kann.

Alles ist durchgetaktet. Am Freitag wird den lieben langen Tag geschafft, von halb sechs bis nachts um zehn. In Schichten, versteht sich. Am Samstag um halb zehn stehen Henrike Seckinger und Anita Riehle schon wieder in der Backstube, um die Öfen vorzuheizen. Ruhig ist es um diese Stunde, in den Öfen knistern die brennenden Scheite, die letzte Morgenkühle hängt noch in der Luft, die Fenster dürfen noch offen stehen. Ein Kunde taucht in der Tür auf, Rolf Böhringer vom Bauhof braucht eine Auskunft, Frieda Rieker kommt hinzu und kümmert sich um die Bleche. So wie sie hat jede der 20 Frauen, die später hier wie am Fließband arbeiten, ihren Part. „Alle wissen, wo sie hinlangen müssen“, schildert es die Vorsitzende. Draußen ist allerdings schon reger Betrieb: Viele Helfer bauen alles Nötige auf dem kleinen Festplatz auf. Der Kegelverein wird Kaffee und Kuchen bieten, der Musikverein musikalische Leckerbissen.

Der Leberkäs und der „Hals“ kommen um halb zwölf in die Röhre, um 13 Uhr kommt die erste Schicht, dann geht’s so langsam in die  Vollen: 60 bis 80 Bleche mit den berühmten Rahm-, Schicht- und Krautkuchen werden im Halbstundentakt aus den Öfen gezogen. „Rauf, zack, schneiden, raus“ – so schildert die Vorsitzende den Weg vom Ofen zum Käufer. Laufend wird Teig gerührt, Belag  angemacht, die Öfen nachgeheizt.

So geht das schon 30 Jahre beim Backhaushock. Seit dem Ortsjubiläum von Gammelshausen. Seit die Landfrauen ihre Backkünste zur 700-Jahr-Feier einbrachten, aufgefordert vom damaligen Bürgermeister Willi Moll in seiner unnahmlichen Art: „Mädla, wie sieht’s mit euch aus?“   Das Backhausfest wurde so ein Schlager, dass Moll gleich nachfasste: „Das könnten wir eigentlich jedes Jahr machen.“

 Die Landfrauen stemmen das heute wie damals, sie sind ein vitaler Verein  von 43 Mitgliedern. „Darauf sind wir ganz stolz“, sagt die Vorsitzende. Sie haben auch Neuzugänge, die jüngste ist jetzt 35. Und die Älteste, Else Hummel, hat vor zwei Jahren mit 85 noch beim Backhaushock mitgeschafft. Die Vorsitzende ist selbst ein  Beispiel für die Erneuerung. Vor 16 Jahren ist sie nach Gammelshausen gezogen, wollte Leute kennenlernen, und Musik kam für sie nicht in Frage. Also ging sie zu den Landfrauen.  Wert legt sie darauf, „dass wir offen sind für alle, für Ideen junger Frauen. Wir sind nicht stehengeblieben.“

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