Ausstellung: Kriegerisches Weihnachtsfest vor 100 Jahren

Wie Kriegspropaganda und Kriegsbegeisterung das Weihnachtsfest vor 100 Jahren prägten, zeigt vom morgigen Samstag bis zum 6. Januar eine Ausstellung im Foyer des Gingener Rathauses.

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    Roland Schramm vor seinem Weihnachtszimmer. Foto: 
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    Christbaumspitzen neben Pickelhaube.
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Es ist nicht die erste Weihnachtsausstellung, die der Gingener Sammler Roland Schramm (58) zusammengestellt hat. Schon vor etlichen Jahren zeigte er im Gingener Rathaus Christbaumschmuck, Spielzeug und Grußpostkarten aus einer längst vergangenen Zeit. Dann war die festliche Dekoration - zum Teil noch in der Originalverpackung - in Süßen und in Ebersbach zu sehen. In Kuchen hatte er seine ersten beiden längeren Ausstellungen, hier präsentierte er neben Glaskugeln und Christbaumspitzen, Holzspielzeug und Eisenbahnen auch Puppenstuben und Plüschbären. Für Gingen ist ihm nun wieder etwas Besonderes eingefallen. Vom morgigen Samstag bis zum 6. Januar führt er den Besuchern des Rathauses vor Augen, wie die Deutschen die Kriegsweihnacht 1914 feierten.

Der Erste Weltkrieg hatte gerade erst begonnen, viele Männer - Väter, Söhne - verbrachten das Weihnachtsfest bereits fern der Heimat "im Felde". In Gedanken waren ihre Angehörigen aber bei ihnen. Sie schmückten den Weihnachtsbaum patriotisch mit schwarz-weiß-roten Fahnen (das waren die Farben des Deutschen Reiches), mit Glaskugeln, die das Konterfei des Kaisers trugen oder die Form von Luftschiffen und Bomben angenommen hatten, sie schickten mit der Feldpost einen "Friedensgruss zum Neuen Jahre" und ließen die Jungen mit modernen Zinnfiguren Gefechte nachstellen. "Das ganze Fest stand unter dem Zeichen des nationalen Stolzes", erklärt Roland Schramm auf einer Schautafel. Die Politik habe bereits 1870/71 erkannt, dass man auch mit Propaganda Krieg führen kann. Und von der Siegesfeier hätten die deutschen Soldaten schließlich zumindest die Anregung heimgebracht, Weihnachten nun auch mit einem geschmückten Baum zu feiern.

Christbaumspitze ahmt Helmspitze nach

1914 habe sich die Feldpost das noch junge Medium der Bildpostkarte dienstbar gemacht. Schramm zeigt ein paar Beispiele: Da ist der schmucke Soldat schon wieder zu seiner jungen Frau heimgekehrt. Da liegen die Soldaten im Schützengraben, und über ihnen schweben Engel: "Frieden auf Erden im Neuen Jahre!" Da ist ein Kind zu sehen, ein Junge, der ganz ernsthaft in seiner kleinen Uniform angetreten ist. Auf einer weiteren Karte ist ein 42-Zentimeter-Geschoss abgebildet: "Herzlichen Weihnachtsgruß!"

Unverdächtig erscheinen in diesem Licht nicht einmal mehr die traditionellen Christbaumspitzen: Der Gingener hat sie in einer Vitrine neben eine historische "Pickelhaube" gestellt. Tatsächlich ahmt ihre Form die Helmspitze perfekt nach.

Um das Ganze noch anschaulicher zu machen, hat Schramm im Foyer des Rathauses ein kleines Weihnachtszimmer aufgebaut. Im Mittelpunkt steht der geschmückte Baum, darunter liegen die Geschenke: ein Segelschiff, eine Eisenbahn, ein Metallbaukasten von Märklin, eine rot-weiße Trommel. Der Tisch ist festlich eingedeckt, in einer Schale liegen traditionelle Pfeffernüsse das Geschirr trägt als Emblem den Reichsadler. Auf der Kommode steht eine Büste, an der Wand hängt ein Bild des Kaisers. Letzteres hat Schramms Sohn Michael gemalt, er studiert Kunst. Der Warenhauskatalog in einer Vitrine gibt Auskunft, was wie viel gekostet hat: Das große Sortiment Christbaumschmuck "mit 25 farbenprächtigen Schmuckgegenständen" 4 Mark, das kleine Schiff 1,40 Mark, ein Karton Zinnsoldaten 90 Pfennig und die "Artillerieabteilung mit 2 Kanonen und 5 Reitern" 1,20 Mark.

Schramm ist genauso wie seine Frau seit vielen Jahren ein leidenschaftlicher Sammler. Dabei kann man viel über Geschichte lernen, sagt er. Mitte April eröffnet er seine nächste Ausstellung. In Gingen steht die 1100-Jahrfeier an und Schramm will dann die Geschichte seiner Heimatgemeinde aus postalischer Sicht beleuchten. Mit den Vorbereitungen hat er schon im Sommer begonnen (wir berichteten).

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