Ausdruck geht zu Herzen

Preisträger des Wettbewerbs "Jugend musiziert" präsentierten sich vor vollem Haus im königlichen Festsaal des Kurhauses Bad Boll. Der Nachwuchs entzückte durch natürliches Spiel und enormen Ausdruck.

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Ausgezeichnete Nachwuchstalente erhalten bei dem jährlich stattfindenden Konzert im Kurhaus die Gelegenheit, das Erreichte nochmal mit risikofreudiger Lockerheit zu präsentieren. An diesem Abend war immer wieder zu bewundern, zu was für Leistungen die jungen Musiker fähig waren; daneben entzückten sie mitunter durch natürliches Spiel und zu Herzen gehendem Ausdruck.

Das Klavierquintett aus Sarah Höfer und Jule Heil (Violinen), Elena Ruccius (Viola), Michael Hierlemann (Cello) und Dorian Ostermann (Klavier) eröffnete mit einem Grave von Grazyna Bacewicz, das mit seinem grüblerischen Duktus eher unglücklich gewählt war. Dennoch stellten sie gewichtige und zarte Passagen überzeugend nebeneinander, wobei sich das Klavier gut einfügte. Herzhaft hinlangen und die Dramatik genießen konnten die Spieler dann im eindrucksvollen Finale des Quintetts g-moll von Max Bruch. Sein klangschönes Cello vermochte Yannick Groll vor allem in den lyrischen Teilen des Eröffnungssatzes des Konzerts a-moll opus 13 von Saint-Saëns zum Blühen zu bringen, ansonsten forderte ihn das sehr mächtig aufspielende Klavier (Ann-Kathrin Groll) sehr. Robuste, rassige Musik im zweiten Satz der Sonate d-moll von Schostakowitsch bereitete blankes Vergnügen, nirgends musste man wegen der beachtlichen technischen Schwierigkeiten bangen. Emily Rinderknecht (Kontrabass) zeichnete bei den beiden langsamen Sätzen einer Sonate von Marcello die Melodielinien fein nach und nahm dann das vom Klavier treffend angeschlagene Tempo im Presto auf. Kräftig begleitete das Klavier das feine Chanson triste von Serge Koussevitzky. Im abschließenden virtuos schwingenden 1. Satz einer Sonatine Paul Breuers ging die Bassistin dann an die Grenzen des technisch und physisch Möglichen.

Auch selten zu hören und ein Erlebnis der besonderen Art war der Auftritt von Dana und Juliane Hagmann (Tuba bzw. Klavier). Sie brachten mit sonoren Klängen aus einer Ballade von David Uber den Saal zum Vibrieren. Und ein technisches Kabinettstückchen eigener Art war ein Andante von Antonio Capuzzi: Man war ein übers andere Mal verblüfft, was auf der Tuba möglich ist! Um den langsamen Satz erweitert spielte dann Albrecht Ebert, sehr einfühlsam und dezent begleitet von seiner Mutter, das schon gehörte Cellokonzert von Saint-Saëns: Er konnte deshalb befreit aufspielen, und endlich einmal - nach so vielen beeindruckenden Virtuositäten - erklang entspannte und in sich ruhende Musik im zweiten Satz. Dies konnte das Gesangsduo Deborah Neumeier (Sopran) und Johanna Bohnstengel (Mezzosopran) aufs Schönste fortsetzen. Unverkrampft und gut aufeinander abgestimmt sangen sie Lieder von Dvorák, Zumsteeg und Purcell, was mit starkem Beifall belohnt wurde. Über die größte Palette an Ausdrucksmöglichkeiten verfügte das Abschlussduo der Geschwister Ead und Ada Rückschloß (Cello bzw. Klavier), die raumfüllend das Publikum mit dem ersten Satz aus dem Konzert h-moll von Dvorák begeisterten. Sie streben musikalische Perfektion an und dominieren seit Jahren den Wettbewerb; es ist nun wohl für sie an der Zeit, sich auf anderer Ebene weiter zu entwickeln.

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