Aus "Stiftung Bucher" wird Bürgerstiftung

Einstimmig hat Deggingens Gemeinderat den Grundsatzbeschluss gefasst, eine Bürgerstiftung zu gründen. Vertreter der Kreissparkasse Göppingen und der Deutschen Stiftungstreuhand informierten die Räte.

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Rechtlich gesehen ist die "Stiftung Bucher" in Deggingen gar keine Stiftung, sondern ein Vermächtnis. Zinsen wirft ihr Kapital trotzdem ab - 2013 waren es genau 2581,80 Euro. So beschäftigt der Gedanke, das Kapital dieser "Stiftung Bucher" in eine förmliche Bürgerstiftung zu überführen, Deggingens Gemeinderat schon seit etlichen Jahren. In einer Sondersitzung am Donnerstagabend hat das Gremium diesen Schritt nun grundsätzlich beschlossen. Dies insbesondere deshalb, um den Erhalt dauerhaft zu sichern und um die Möglichkeit für steuerlich anerkannte "Zustiftungen" zu schaffen.

Die "Stiftung Bucher" hat der in Deggingen geborene Wilhelm Bucher in den 1930er Jahren mittels Testament für wohltätige Zwecke ins Leben gerufen. Nach dem Tod der Eheleute Bucher - Wilhelm Bucher starb 1950, seine Frau Creszentia 1958 - und den sich daraus ergebenden Auseinandersetzungen um den Nachlass erhielt die Gemeinde Deggingen 1964 einen Betrag von 80.000 Mark. Entsprechend dem Willen der Eheleute, das Vermögen für wohltätige und kirchliche Zwecke zu verwenden, teilten die katholische Kirche und die bürgerliche Gemeinde diesen Betrag zu gleichen Hälften untereinander auf. Der gemeindliche Teil des "Stiftungskapitals" wurde als Sparguthaben angelegt und mit den jährlichen Zinserträgen wurden seit über 30 Jahren soziale Einrichtungen wie Seniorentreff, Bücherei, Kindergärten, Martinusheim und in Not geratene Bürger unterstützt.

Der Generationenberater der Kreissparkasse Göppingen (KSK), Martin Veil, hatte schon in der Januar-Sitzung des Gemeinderats über die neu gegründete Stiftergemeinschaft der KSK informiert und dem Gremium gezeigt, wie eine "nicht rechtsfähige" Bürgerstiftung relativ unbürokratisch gegründet werden kann. In diese Form soll nun auch die "Stiftung Bucher" übergehen. Dieter Wiesner von der Deutschen Stiftungstreuhand erklärte den Gemeinderäten eingehend die Stiftungstypen: die "rechtsfähige Stiftung" mit einer eigenständigen juristischen Person und die "nicht rechtsfähige Stiftung", deren Stiftungsträger natürliche oder juristische Personen sind. Eine "rechtsfähige Stiftung" könne nicht aufgelöst werden, sondern müsse bestehen bleiben; bei der "nicht rechtsfähigen Stiftung" oder Treuhandstiftung sehe das anders aus. Die Treuhandstiftung, so Wiesner, könne durchaus aufgelöst werden, wenn über Jahre hinweg "gar nichts läuft", also keine Zustiftungen oder Vermächtnisse eingegangen sind.

Habe die Gemeinde Deggingen Interesse an einer Treuhandstiftung, könnte sie sich zum Beispiel als "Stiftung unser Deggingen" an die Stiftergemeinschaft der Kreissparkasse andocken, erklärte Wiesner. In dieser Stiftungsgemeinschaft sind mehrere Treuhandverhältnisse unter einem Dach versammelt. Gemeinsam bilden sie die "Stiftergemeinschaft der Sparkasse".

Als Vorteile einer Bürgerstiftung im Konzept der Stiftergemeinschaft der Kreissparkasse Göppingen nannte Wiesner unter anderem: Bei der Errichtung der Bürgerstiftung entstehe der Gemeinde kein eigener zeitlicher oder personeller Aufwand.

Die Kreissparkasse zahle pro Einwohner einen Zuschuss von zwei Euro.

Die Kreissparkasse sei ein "starker Marketingpartner".

Der Gemeinde entstehe kein eigener Aufwand für die Verwaltung der Stiftung.

Die Kreissparkasse biete ein "kompetentes Back-office für Problemfälle".

Eine Stiftung in der empfohlenen Form kann bereits ab 25.000 Euro errichtet werden.

Generationenberater Martin Veil legte dem Gremium ans Herz: "Sehen Sie die Chancen, die in der Stiftergemeinschaft liegen".

In der anschließenden Debatte ging es überwiegend darum, ob es vielleicht andere, womöglich kostengünstigere Möglichkeiten gibt als die Stiftergemeinschaft der Kreissparkasse Göppingen. Auf Vorschlag von Gemeinderat Michael Bittlinger fasste das Gremium schließlich den Grundsatzbeschluss zur Errichtung einer "nicht rechtsfähigen Stiftung". Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats will dem Gesamtgemeinderat dann einen Vorschlag unterbreiten.

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