Auf der Flucht über die A 7

Zwischen Allgäu und Donau sind immer mehr Schleuser aktiv. Die Polizei verstärkt deshalb ihre Kontrollen, um illegal eingereiste Flüchtlinge aufzugreifen.

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Immer häufiger ermöglichen Schleuser Flüchtlingen die Einreise nach Süddeutschland. Die Polizei hat deshalb ihre Kontrollen auf der A 7 zwischen Füssen und Ulm verstärkt. Foto: dpa

Im Blick haben die Fahnder vor allem die A 7. In ihrer Heimat sind Tod, Gewalt, Verderben an der Tagesordnung. Es herrscht Bürgerkrieg. Immer mehr Syrer sind auf der Flucht. In Europa erhoffen sich die Menschen Sicherheit und ein neues Leben. Viele führt die Flucht nach Süddeutschland. Nach Neu-Ulm zum Beispiel. Kürzlich hat die Polizei dort eine achtköpfige Familie aufgegriffen. Es waren ebenfalls Bürgerkriegsflüchtige aus Syrien. Drei Erwachsene - und fünf Kinder im Alter von einem bis zwölf Jahren. Schleuser hatten den Menschen zur Einreise verholfen. Wenige Tage zuvor nahmen die Fahnder auf der A 7 in der Nähe von Füssen zwei in Deutschland lebende Studenten fest, einen Jordanier und einen Palästinenser. Sie hatten elf Syrer eingeschleust.

Zwei Beispiele, die laut Polizei einen Trend bestätigen. Demnach hat die Zahl eingeschleuster Flüchtlinge in Süddeutschland in den vergangenen Monaten stark zugenommen. Vor allem zwischen Allgäu und Donau seien immer mehr Schleuser aktiv, auch und vor allem entlang der A 7. "Wir registrieren dort einen massiven Anstieg", sagt Christian Owsinski, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten, dessen Zuständigkeitsbereich von Allgäu und Bodensee bis nach Neu-Ulm reicht. Die Flüchtlinge stammen laut Owsinski nicht nur aus dem Bürgerkriegsland Syrien, etliche auch aus Eritrea und Afghanistan. In den ersten gut fünf Monaten diesen Jahres hat die Polizei bereits 72 eingeschleuste Flüchtlinge registriert. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es gerade einmal sechs.

Auf der A 7 haben die Ermittler deshalb die Schleierfahndung ausgeweitet, die sogenannten "verdachtsunabhängigen Personenkontrollen". Neben der Bundespolizei sind Beamte der Polizeidienststellen in Pfronten, Lindau und Neu-Ulm an den Aktionen beteiligt. Sie kontrollieren nicht nur auf der A 7, sondern auch in Zügen und auf dem Flughafen in Memmingen.

Nach Angaben der Polizei ist Deutschland für viele Flüchtlinge jedoch nur Zwischenstation. Das Ziel vieler sei Schweden, wo das Ausländerrecht liberaler als das der Bundesrepublik sei. In Schweden, so hofften die Flüchtlinge, sei die Chance, dauerhaft bleiben zu dürfen größer, sagt der Polizeisprecher.

Die Flucht übers Mittelmeer von Afrika nach Europa ist für die Menschen nicht nur äußerst gefährlich, sondern auch teuer. Tausende begeben sich in die Hand von Schleuserorganisationen. Wer es bis nach Deutschland schaffen will, zahlt umgerechnet rund 20 000 Euro.

Die Fluchtroute aus dem Bürgerkriegsland Syrien führt zumeist nach Libyen, dann übers Mittelmeer bis an die italienische Küste. Schleuser bringen die Flüchtlinge anschließend nach Mailand. Von dort aus geht es in Kleintransportern oder Autos weiter über Brenner und Fernpass nach Deutschland. "Hin und wieder werden die Geschleusten kurz nach dem Grenztunnel bei Füssen rausgeworfen", berichtet Polizeisprecher Owsinski: "Den Leuten wird dann gesagt: Seht zu, wie ihr weiter kommt."

Die meisten Flüchtlinge führen keine Papiere mit sich. Auch die jüngst in Neu-Ulm aufgegriffene syrische Familie konnte sich nicht ausweisen. Ihre Schleuser waren bereits über alle Berge. Die Syrer wurden erkennungsdienstlich behandelt und in den Zug nach München gesetzt. Dort befindet sich die zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber. "Dorthin müssen sich alle in Bayern aufgegriffenen illegalen Flüchtlinge begeben", heißt es bei der Polizei. Ihre Zahl, davon ist sie überzeugt, wird weiter steigen.

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