Auf den Spuren des Wassers

Heute fließt Trinkwasser wie selbstverständlich aus dem Hahn. Eine Exkursion im Rahmen des Sommers der Ver-Führungen zeigte, wie kostbar sauberes Wasser früher vor allem auf der Alb war.

|
O’zapft is beim Sommer der Ver-Führungen: Böhmenkirchs Bürgermeister Matthias Nägele füllt im Pumpwerk Eybach Trinkwasser ab und verteilt es an die Gäste.  Foto: 

Böhmenkirchs Bürgermeister Matthias Nägele ist offensichtlich ein beliebter Gästeführer und weiß, was die Menschen interessiert. Denn anstelle der ausgeschriebenen Anzahl von maximal 25 Teilnehmern bestiegen knapp 50 Männer und Frauen am Dorfhaus in Steinenkirch den bereit gestellten Bus der Firma Merkle. Sie alle interessierten sich für das Thema „Trinkwasser auf der Alb“, eine Veranstaltung, zu der die Gemeinde Böhmenkirch im Rahmen des Programms „Sommer der VerFührungen“ eingeladen hatte.

Und Schultes Nägele führte die wissbegierige Truppe an, unterstützt durch die Fachkompetenz der beiden Mitarbeiter des Zweckverbands Wasserversorgung Ostalb, Geschäftsführer Uwe Geiße und Wassermeister Martin Pulvermüller. Ziel der kurzen Busreise von Steinenkirch hinunter ins Tal war das gleich am Ortsausgang von Geislingen gelegene Wasserwerk Eybach, das zum Zweckverband gehört und stellvertretend für die Trinkwasserversorgung auf der Alb ist.

Bis zum Jahr 1880 war Wasser auf der Schwäbischen Alb Mangelware. Ein Teil wurde über die strohgedeckten Dächer der Bauernhäuser in mit Lehm abgedichteten Dachbrunnen gesammelt. Es war eine gelbe bis kaffeebraune Brühe, mit der der Durst gestillt wurde. Das Wasser vom Kirchendach war klarer, denn die Gotteshäuser waren schon mit Ziegeln eingedeckt. Ganz schlimm war die Qualität in den Hülen, die sich nur wenig von Jauche unterschied. Lediglich das mit Pferdefuhrwerken aus dem Tal angelieferte Nass war einigermaßen genießbar. Doch dafür mussten die Älbler tief in die Tasche greifen. Für 20 Liter war der Tageslohn eines Knechts oder einer Magd fällig. Entsprechend den Verhältnissen waren die hygienischen Verhältnisse katastrophal, Kleiderwäsche oder Körperpflege ein Fremdwort, Krankheiten wie Typhus und Ruhr sowie eine hohe Kindersterblichkeit an der Tagesordnung. Nur ganz wenige Gemeinden verfügten über sauberes Grund- oder Quellwasser.

1880 floss das Wasser auf der Alb

Dr. Karl von Ehmann ist es zu verdanken, dass sich die Verhältnisse besserten. Der Ingenieur entwickelte ein Gesamtkonzept, um Wasser auf die Alb zu bringen. Für einen Preis von 20 000 bis
25 000 Gulden pro Gemeinde schlossen sich im Jahr 1879 als Erste von insgesamt neun Wasserversorgungsgruppen Böhmenkirch, Schnittlingen, Steinenkirch, Stötten, Kuchalb, Waldhausen, Weiler, Hofstett, Gussenstadt, Gerstetten, Heuchstetten und Heldenfingen zusammen, um gemeinsam Quellfassungen, Wasserleitungen, Pumpstationen und Hochbehälter zu bauen. Gastarbeiter aus Italien kamen und im Herbst 1880 ging die Wasserversorgung in Betrieb.

Nach und nach kamen weitere Gemeinden zum Zweckverband Wasserversorgung Ostalb, der heute aus 17 Mitgliedern aus den Landkreisen Göppingen, Heidenheim und dem Alb-Donau-Kreis besteht. Das Versorgungsgebiet hat mit 500 Quadratkilometern etwa die Größe des Bodensees. Über ein 250 Kilometer langes Leitungsnetz werden 46 000 Einwohner mit 2,2 Millionen Kubikmeter Trinkwasser im Jahr versorgt. Das Wasser des Zweckverbandes kommt neben dem Wasserwerk Eybach noch aus Pumpwerken in Bad Überkingen und Bolheim. Von Eybach aus wird es mit einem Druck von 30 Bar in die Hochbehälter in Böhmenkirch, Weiler und Stötten gepumpt und dort an die Gemeinden übergeben, die für die Verteilung und den Betrieb der Ortsnetze zuständig sind. Das Wasser stammt aus der im Eybtal gelegenen Felsental-, Helene- und Magertalquelle sowie aus der Grundwassersickergalerie.

Sand und Ozon als Filter

Doch bevor das Quellwasser den hohen qualitativen Anforderungen entspricht, durchläuft es zunächst einen mit 40 Tonnen Quarzsand gefüllten Filterkessel, in dem die Schwebstoffe herausgeholt werden. Weitere Verunreinigungen wie Kolibakterien und Keime werden in der Gaskammer mit geruchsneutralem Ozon abgetötet. Erst dann verlässt das Trinkwasser das Wasserwerk Eybach in Richtung Albhochfläche.

Die Teilnehmer verließen nach so viel Information rund ums Trinkwasser das Wasserwerk, um auf Schusters Rappen die Quellfassungen in Augenschein zu nehmen. Doch damit nicht genug: Der schweißtreibende Weg auf den Spuren des Trinkwassers führte vom Wasserwerk durch Eybach, ein kurzes Stück an der L 1221 entlang, bis endlich der Abzeig ins Magental kam. Von da an ging es noch gut 200 Höhenmeter auf schmalem Pfad steil bergauf, bis endlich das Gasthaus Rössle in Steinenkirch die ausgetrockneten Kehlen und knurrenden Mägen erfreute.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Sommer der Verführungen

Das Projekt „Sommer der Verführungen“ unter der Regie der Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf und der Touristikgemeinschaft Stauferland findet vom 17. Juli bis zum 24. September 2017 statt.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Eislinger Bluttat: Täter stach morgens zu

Das Verbrechen in der Eislinger Tiefgarage geschah am vergangenen Donnerstag gegen 7 Uhr. Der vermutete Tathergang hat sich bestätigt. weiter lesen