Auch das Obst macht Rabatz

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Der Supermarkt auf Rädern ist noch im Entstehen: Die Mitglieder der Gosbacher Kolpingsfamilie – hier Reinhold Großmann, Britta Bosch, Joachim Luithardt, Ralf Buck und André Bosch (von links) – sind insgesamt etwa 60 Stunden mit Werkeln beschäftigt.  Foto: 

Es ist ein Supermarkt auf Rädern, mit dem die Mitglieder der Kolpingsfamilie beim Gosbacher Fasnetsumzug am Sonntag die Blicke auf sich ziehen wollen. Wie viele andere Gruppen und Vereine im Ort bereiten auch sie einen Wagen für das bunte Spektakel vor – und haben sich dafür ein lokalpolitisches Thema ausgesucht, das ganz schön Wellen schlägt in Gosbach und darüber hinaus.

Wie berichtet, möchte Edeka mit seinem Lebensmittelmarkt, der sich bisher Im Sänder 3 befindet, wegen Platzmangels umziehen und im neuen Gewerbegebiet an der Bundesstraße 466 ein neues und größeres Geschäft errichten. Dagegen allerdings regt sich Widerstand: Die Nachbargemeinden Mühlhausen und Wiesensteig befürchten Nachteile durch den geplanten Neubau und haben ihr Veto eingelegt. Während die Gemeinde Mühlhausen in ihrem Gewerbegebiet einen Netto-Markt ansiedeln will und dieses Vorhaben durch die Edeka-Pläne bedroht sieht, fürchtet Wiesensteig um seinen Status als Kleinzentrum.

Die Gosbacher sind nun gar nicht begeistert von der Gegenwehr, die aus den Nachbarkommunen herüberschwappt. „Das regt uns scho a weng auf“, gesteht Ralf Buck von der Kolpingsfamilie. Die anderen Mitglieder des Vereins pflichten ihm bei: „Der Edeka-Markt will doch einfach nur mehr Platz. Schon bisher kommen die Leute von Gruibingen bis Hohenstadt zu uns zum Einkaufen“, sagt Joachim Luithardt. Außerdem würden sich Norma und Edeka nicht gegenseitig die Kunden wegnehmen, betont Ralf Buck. „Das ergänzt sich doch, und jeder profitiert vom anderen.“

Angesichts dieser diskussionswürdigen Vorkommnisse war für die Mitglieder der Kolpingsfamilie heuer schnell klar, zu welchem Thema sie einen Wagen für den Umzug am Fasnetssonntag gestalten wollen. An einigen Vereinsabenden wurde besprochen und ausgetüftelt, wie genau der Wagen auszusehen hat, welche Sprüche angebracht werden und in welchen Kostümen die Vereinsmitglieder auf und neben dem Wagen stecken sollen.

Dosen gesammelt

Die Aufbauten für den rollenden Supermarkt, also die Regale und der Kassenbereich, erhielt die Gosbacher Kolpingsfamilie von einem Messebau-Unternehmen, bei dem ein Mitglied des Vereins beschäftigt ist. „Die hätten die Sachen sonst zerschreddert“, erzählt Ralf Buck von dem Glücksfall für die fasnetsbegeisterten Gosbacher. Seit Wochen sammeln sie Dosen und andere Verpackungen, die später in den Regalen „ihres“ Edeka-Markts stehen sollen – festgetackert und festgeklebt, damit diese dem närrischen Treiben auch Stand halten.

Unterstützt wird die Kolpingsfamilie von den Verantwortlichen des örtlichen Edeka-Markts: Sie finden die Idee mit dem Fasnetswagen super und stellen den Narren Bonbons und Schokolade zur Verfügung, die an die Kinder am Straßenrand verteilt werden. Außerdem erhielt die Kolpingsfamilie zahlreiche Original-Preisschilder zum Beispiel für Waschmittel, Katzenfutter und Gummibärchen, die zu den passenden Verpackungen an den Regalen angebracht werden. „Wir achten auf jedes Detail“, sagt Ralf Buck schmunzelnd. Am Kassenbereich ist der Edeka-Werbeslogan „Wir lieben Lebensmittel“ angebracht; außerdem sollen hinter dem Tresen ein Bildschirm und eine Tastatur aufgestellt werden. Auch an eine Musikanlage hat die Kolpingsfamilie gedacht: Das Lied aus der Edeka-Werbung soll durch Gosbach schallen, während die Vereinsmitglieder als Erdbeeren und Bananen verkleidet die Obstabteilung des Supermarkts darstellen.

„Das Obst macht Rabatz, es hat zu wenig Platz“: Dieser Spruch ziert den Wagen auf beiden Seiten. Außerdem ist auf einem weiteren Plakat zu lesen: „Brauchen keinen Kuckuck und keinen Elefant – Edeka ist in unserer Hand“ – eine Anspielung auf die Wappentiere der Gemeinden Mühlhausen und Wiesensteig.

Insgesamt sind die Vereinsmitglieder etwa 60 Stunden mit Streichen, Hämmern, Bohren und Kleben beschäftigt. Rund 1000 Euro kostet sie der Spaß – doch aufs Geld wird an der Fasnet nicht geschaut: „Für uns ist es wichtig, diese Tradition zu bewahren“, betont Ralf Buck. Und Joachim Luithardt ergänzt verschmitzt: „Außerdem macht die Schafferei ja auch Spaß“.

Der Umzug Der Fasnetssonntag in Gosbach beginnt um 10 Uhr mit einem Krämermarkt in der Wiesensteiger Straße. Um 14.01 Uhr setzt sich dann der 47. Gosbacher Fasnetsumzug in Gang. Mit dabei sind 50 Gruppen und knapp 1000 Teilnehmer, die zum Beispiel aus dem Täle, aus Geislingen, Nellingen, Westerheim, Hohenstadt und Aichelberg kommen, aber auch aus Stuttgart, Wernau, Lenningen, Wangen, Esslingen, Laupheim und Weilheim anreisen. Der Sulzbacher Karnevalverein ist gleich mit vier Gruppen vertreten. Es gibt vier Musikgruppen, die für Stimmung sorgen; außerdem sind die zahlreichen Wagen mit Musikanlagen bestückt.Der Veranstalter, die Fasnetsgesellschaft Gosbach (FGG), baut in der Ortsmitte eine Schirmbar auf, die zum Einkehren einlädt – und zwar auch schon am Samstagabend.

Kein Konfetti Beim Umzug am Fasnetssonntag gilt in Gosbach seit 2010 ein Konfettiverbot, um Ärgernisse mit den Anwohnern zu vermeiden, informiert Julian Bosch von der FGG. „Das ist mittlerweile gängig und stößt auf Verständnis bei den Narren“, sagt er. Bosch verspricht den erwartenden 2500 Zuschauern einen abwechslungsreichen Umzug mit vielen Überraschungen, an dem sich auch zahlreiche private Laufgruppen aus dem Ort mit lokalen sowie landes- und bundesweiten Themen beteiligen. hei

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