Arslan gibt sich letzte Chance

Boxprofi Firat Arslan gibt nicht auf. Der Ex-Weltmeister peilt nach seinen beiden Niederlagen gegen Champion Marco Huck noch einmal einen WM-Kampf an. Davor aber muss er sich "hoch arbeiten".

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Ende Januar verlor Firat Arslan (r.) ein zweites Mal gegen den Cruisergewichts-Champion Marco Huck - seinen Traum vom erneuten WM-Titel will der 43-jährige Donzdorfer in den nächsten Monaten dennoch weiter verfolgen.  Foto: 

Firat Arslan hat es sich gründlich überlegt - und sich für die Fortsetzung seiner Boxprofi-Karriere entschieden. "Ich werde weiter kämpfen, einen Anlauf auf die Weltmeisterkrone gebe ich mir noch", erklärte der Donzdorfer am Dienstag gegenüber der NWZ. "Ich mache meine Ziele nicht von einem Treffer oder einem Kampf abhängig." Der 43-jährige Cruisergewichtler (bis 90,7 Kilogramm) war Ende Januar in der Stuttgarter Schleyerhalle vor großer Kulisse gegen Champion Marco Huck in der sechsten Runde k.o. gegangen, 15 Monate davor hatte Arslan äußerst umstritten das erste Duell mit Huck nach Punkten verloren.

Mittlerweile hat der Donzdorfer in seinem eigenen Gym wieder das Training aufgenommen, aktuell lieferten zwei von einem Sportwissenschaftler gesteuerte Leistungstests sehr gute Werte, die den Deutschtürken in seiner Auffassung bestätigen, dass das Ende seiner Box-Karriere noch warten kann. "Meine Leistung hat auch gegen Huck gestimmt, natürlich ist es da für mich nicht rund gelaufen", weiß Arslan. "Ich habe eben Volltreffer kassiert, das ist der Sport. Aber verlieren kann man mit 20 Jahren wie mit 43."

In seinem Ehrgeiz lässt sich der Modellathlet, der im zweiten Vergleich mit Marco Huck erstmals in seiner Karriere in den Ringstaub musste, deshalb nicht bremsen. "Ich bin jetzt 25 Jahre im Geschäft und habe nach wie vor das Zeug dazu", so Arslan zu seinen Ambitionen, "mich interessiert allein die Weltmeisterschaft". Der Routinier weiß aber auch, dass er sich dafür über einen oder zwei Kämpfe "hoch arbeiten" muss. "Mein Anwalt hat mit meinem Boxstall Sauerland gesprochen, meine Vorbereitungen laufen", verrät der Donzdorfer mit Blick auf die Zeitschiene. "Ich werde hoffentlich noch vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien im Sommer kämpfen."

Aktuell laufen die Planungen mit Blick auf den 7. Juni. An diesem Abend will Halbschwergewichts-Weltmeister Jürgen Brähmer seinen Titel in der Schweriner Kongresshalle verteidigen, Arslan könnte dort ebenfalls in den Ring steigen. "Das wäre kein Hauptkampf und kein Titelkampf", ordnet der Rechtsausleger mit 42 Profi- und 92 Amateurkämpfen in seiner Vita den angedachten Auftritt ein, "wichtig ist dabei für mich, dass ich wieder ins Geschehen zurückkehre. Im Moment ist die Sache aber noch nicht sicher".

Schließlich weiß Arslan, wie sich der Besitz des Weltmeister-Gürtels anfühlt. Im November 2007 hatte er in Dresden Titelinhaber Virgil Hill in einem Zwölf-Runden-Fight entthront, die Krone des Verbandes WBA (World Boxing Association) im Mai 2008 in Stuttgart gegen Darnell Wilson (ebenfalls aus USA) über zwölf Runden verteidigt und schließlich im September 2008 in Hamburg gegen Guillermo Jones aus Panama in der zehnten Runde durch technischen K.o. verloren.

Dass die ARD am Montag ankündigte, den Vertrag mit dem Berliner Boxstall Sauerland, der neben Arslan unter anderem die Weltmeister Arthur Abraham, Jürgen Brähmer und Marco Huck beschäftigt, nicht mehr zu verlängern, trägt der Donzdorfer zunächst einmal mit Fassung. "Das ist nicht meine Sorge, aber natürlich ist es gut, wenn das öffentlich-rechtliche Fernsehen unsere Kämpfe zeigt. Auch meine beiden Kämpfe mit Marco Huck hatten große Anziehungskraft für das Publikum. Sauerland bietet somit großen Sport", weiß Firat Arslan um den Wert des Produkts Profiboxen. Allein schon der verbale Schlagabtausch, auch von Trainer Dieter Wittmann und Huck-Coach Ulli Wegner im Vorfeld der beiden von Millionen verfolgten Ringschlachten, hatte die Fans elektrisiert.

Ob mit oder ohne Titel - Firat Arslan wird in diesem Jahr auf jeden Fall noch feiern, wenn auch im kleineren Kreis. "Ich habe 25 Jahre aktiven Boxsport voll", freut sich der 43-Jährige über sein Jubiläum.

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