Anwohner machen ihrem Unmut Luft

Sie fühlen sich hintergangen und für nicht ernst genommen: Einige Anwohner des Dachswegs in Ebersbach haben am Mittwoch auf einer Infoveranstaltung ihre Vorbehalte gegen eine geplantes Doppelhaus für Flüchtlinge und Geringverdiener geäußert.

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Bürgermeister Eberhard Keller erklärt Besuchern der Informationsveranstaltung im Dachsweg, wo das geplante Doppelhaus mit vier Wohnungen errichtet werden soll.  Foto: 

Anwohner eines geplanten Doppelhauses für anerkannte Flüchtlinge und einheimische Geringverdiener haben den Bürgermeister von Ebersbach am Mittwoch bei einer Informationsveranstaltung in die Zange genommen. Sie warfen Eberhard Keller und der Verwaltung vor, sie über die Bebauung des Grundstücks im Dachsweg lange im Dunkeln gelassen zu haben und Stimmen aus der Bevölkerung gegen das Vorhaben zu überhören. „Ich sehe momentan nicht, dass Sie die Bedenken der Menschen ernst nehmen“, sagte eine Frau.

Einer der Vorbehalte lautete, dass die künftigen Bewohner des Hauses nicht in das Viertel gehören. „Warum diese Planung von Wohnungen für Minderbemittelte, die überhaupt nicht hier in die Gegend passen“, fragte ein Anwohner. Das Wohngebiet in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dachsweg zähle zu den besten in Ebersbach. Menschen, die sich solche Filetstücke leisten könnten, seien die überwiegenden Bewohner des Viertels.

Schon zuvor hatte ein Anwohner davor gewarnt, dass durch das Vorhaben das Wohngebiet Schaden nehmen könne. „Uns treibt die Sorge um, das hier ein Ghetto entsteht“, sagte er. Eine solche Entwicklung wäre ihm und anderen im Viertel „nicht genehm“ – nicht zuletzt, weil dadurch ihre Grundstücke an Wert verlören.

„Wir wollen hier keinen sozialen Brennpunkt schaffen“, versuchte der Bürgermeister die Bedenkenträger zu beschwichtigen. Eine Ghettobildung solle zum einen verhindert werden, indem die Wohnungen nicht nur an Flüchtlingsfamilien, sondern auch an solche mit einem anderen Hintergrund vergeben werden. Zum anderen sehe der geänderte Bebauungsplan drei Abschnitte vor, sodass nach jedem mit dem Weiterbauen aufgehört werden könne.

Diese Erklärung wollte ein anderer Anwohner Eberhard Keller nicht durchgehen lassen. „Den sozialen Brennpunkt haben Sie geplant“, sagte er. Die künftigen Bewohner des Doppelhauses wohnten an einem Ort, wo kaum Licht hinkomme und der neben einer stark befahrenen Straße liege.

Die Planung verteidigten Bauamtsleiter Markus Ludwig und sein Stellvertreter Roland Albig. Im Vergleich zu anderen Gebieten handele es sich um ein recht kleines Areal. Zudem sei eine Änderung der Richtlinien für die Bebauung bis hinauf zum Standort des Heims der Kleintierzüchter sinnvoll, um nicht nur kurzfristig eine verlässliche Grundlage zu haben, sondern auf 40 bis 50 Jahre hinaus.

Obwohl ein geänderter Bebauungsplan das Grundstück der Kleintierzüchter mit einschließt, müssen diese laut Eberhard Keller nicht um ihre Existenz fürchten. „Es gibt keine strategische Planung, den Verein auszutrocknen oder zu vertreiben“, versicherte Eberhard Keller. Voraussetzung für den Fortbestand am jetzigen Ort sei allerdings die Einhaltung des Pachtvertrags mit der Stadt Ebersbach.

Der Bürgermeister und die Anwohner gingen nach rund drei Stunden Diskussion auseinander. Mit im Gepäck hatte die Verwaltung eine Handvoll von Aufgaben, die sie den Besuchern  zugesichert hatte zu erledigen – etwa aus welchen Mitgliedern sich der Wohnungsausschuss zusammensetzt und nach welchen Kriterien er die Wohnungen in dem geplanten Doppelhaus vergibt.

Ein KOMMENTAR von Tobias Flegel: Eine Frage des Vertrauens

Gesundes Misstrauen gegenüber mancherlei politischen Aussagen ist durchaus angebracht. Zu dieser Erkenntnis dürfte so mancher nach einigen Jahren seines Erwachsenenlebens gekommen sein.

Aus diesem Grund ist es grundsätzlich nicht verwerflich, dass einige Anwohner des Dachswegs in Ebersbach ein Vorhaben der Stadt hinterfragen: Sie bezweifeln, dass die Kommune es bei einem neuen Doppelhaus belässt, sondern auf dem Gebiet in den kommenden Jahren weitere solcher Häuser baut. Diese sind vorgesehen für die Familien von anerkannten Flüchtlingen sowie Einheimische mit einem geringen Einkommen – und genau solche Menschen wollen einige aus dem nahen Wohngebiet nicht als Nachbarn haben.

Der Ton, mit dem manche ihre Bedenken gegen das Vorhaben bei einer Informationsveranstaltung vortrugen, erreichte mitunter eine ziemlich schrille Tonlage. Von Minderbemittelten war da die Rede, die nicht ins Viertel passen. Durch deren Ansiedlung sei die Entstehung eines sozialen Brennpunkts vorprogrammiert, befürchtet der eine oder andere.

Diese Entwicklung ist möglich, aber unwahrscheinlich. Zunächst sollen vier Familien in das Gebiet ziehen. Vorausgesetzt die Verwaltung hält ihr Versprechen ein, dürfte dieser Zuzug kaum die Lebensqualität in dem Viertel beeinträchtigen.

Interesse Rund 100 Besucher kamen am Mittwochabend zu einer Informationsveranstaltung in den Dachsweg in Ebersbach. Nach einer Besichtigung des Bauplatzes für das geplante Doppelhaus, beantwortete der Bürgermeister im Vereinsheim der Kleintierzüchter Fragen von Anwohnern und Interessierten zu dem umstrittenen Vorhaben. Der Austausch an dem Abend dauerte etwa drei Stunden.

Baubeginn Nimmt der geplante Bau des Doppelhauses alle noch verbleibenden formellen Hürden, steht das Gebäude frühestens im Frühjahr 2019, sagte der Leiter des Bauamts, Markus Ludwig.

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