Anwohner klagen über illegalen Lkw-Schleichverkehr

Ein holpriger Straßenbelag bereitet den Anwohnern der Schorndorfer Straße in Uhingen Verdruss. Dort werde zu schnell gefahren und es gebe illegalen Lkw-Schleichverkehr, klagen sie. Mit einem Kommentar von Ingrid Zeeb.

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  • Komplizierte Regelungen, um die Lärmbelastung der Anwohner zu reduzieren: Der Straßenbelag in der Schorndorfer Straße ist holprig. Deshalb gibt es ein Durchfahrverbot für überregionalen Schwerverkehr und ein nächtliches Tempolimit für Lkw. Wirksam sei das nicht, klagen die Anlieger. 1/3
    Komplizierte Regelungen, um die Lärmbelastung der Anwohner zu reduzieren: Der Straßenbelag in der Schorndorfer Straße ist holprig. Deshalb gibt es ein Durchfahrverbot für überregionalen Schwerverkehr und ein nächtliches Tempolimit für Lkw. Wirksam sei das nicht, klagen die Anlieger. Foto: 
  • Weil der Der Straßenbelag in der Schorndorfer Straße holprig ist, gibt es ein Durchfahrverbot für überregionalen Schwerverkehr. 2/3
    Weil der Der Straßenbelag in der Schorndorfer Straße holprig ist, gibt es ein Durchfahrverbot für überregionalen Schwerverkehr. Foto: 
  • ... und ein nächtliches Tempolimit für Lkw 3/3
    ... und ein nächtliches Tempolimit für Lkw Foto: 
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Wenn ein Kleintransporter mit Anhänger am Haus von Richard Thoma vorbeifährt, spürt man den Boden in seinem Wohnzimmer vibrieren. "Nachts, wenn die Durchschleicher mit ihren großen Lkw hier vorbeifahren, ist es noch schlimmer", fügt der Senior hinzu. "Wenn das morgens um halb vier passiert, da schlafen Sie nicht mehr ein. Das geht auf Dauer zu Lasten der Gesundheit."

Richard Thoma und seine Nachbarn Willy Häfner und Hans Gilium aus der Schorndorfer Straße kämpfen seit Jahren darum, dass es bei ihnen ruhiger zugeht. Das Problem: Auf einer Länge von drei- bis vierhundert Metern sieht die Schorndorfer Straße aus wie ein Flickenteppich. Viele Male wurde in den vergangenen Jahren die Fahrbahn aufgegraben, um Leitungen zu verlegen oder auszubessern. Jede aufgegrabene Stelle senkte sich wieder, die Fahrbahn ist eine Holperpiste. Da es sich um eine Landesstraße handelt, ist das Land Baden-Württemberg für die Sanierung zuständig.

Gewisse Teilerfolge haben die Anwohner zwar erzielt, aber das reicht nicht, klagt Willy Häfner. Ein Schild weist darauf hin, dass Lkw mit über zwölf Tonnen Gewicht nicht durchfahren dürfen, mit Ausnahme von Lieferverkehr. Und Laster ab 7,5 Tonnen Gesamtgewicht müssen sich nachts an Tempo 30 halten. "Das wird aber nicht kontrolliert", werfen die Anwohner den Behörden vor. "Nachts fährt hier Lkw-Schleichverkehr durch. Zwischen halb zehn und ein Uhr nachts müsste unbedingt stichprobenartig kontrolliert werden", fordert Häfner. "Aber da passiert einfach nichts."

Die Polizei will das so nicht stehen lassen: "Wir sind mehrmals im Monat vor Ort und kontrollieren dort Lkw, auch nachts", versichert Polizeisprecher Wolfgang Jürgens vom Polizeipräsidium Ulm. "Die Anwohner merken das nicht, denn die Polizei winkt die Lkw weiter oben Richtung Holzhausen auf den Parkplatz heraus." Dabei werde anhand der Fahrzeugpapiere geprüft, ob es sich tatsächlich um Zulieferverkehr handelt.

Die Einhaltung von Tempo 50 in der Ortsdurchfahrt sei Sache des Landratsamtes, so der Uhinger Ordnungsamtsleiter Michael Eberhard. Allerdings steht beim Freibad 100 Meter weiter nördlich bereits ein stationärer Blitzer.

Richtig knifflig wird es bei der Frage, wie man kontrolliert, ob Lkw sich nachts an Tempo 30 halten. Denn der stationäre Blitzer ist auf 50 Stundenkilometer eingestellt und unterscheidet nicht, ob es ein Pkw oder ein Lkw ist, der nachts durchfährt. Nicht durchsetzen konnten sich die Anwohner mit ihrer Forderung nach Tempo 30 und einem Durchfahrtsverbot für Lkw ab 7,5 Tonnen Gewicht. Die Verkehrsschau des Landkreises hatte 2012 lediglich die genannten Durchfahrtsbeschränkungen beschlossen. Als das Stuttgarter Verkehrsministerium 2011 entschieden hatte, die Schurwaldquerungen für Lkw zu sperren, war dies der Versuch, die Belastungen an den Ausweichstrecken etwas einzudämmen.

Für die Anwohner ist nicht nur der Lärm, sondern auch die Sicherheit ein großes Thema: "Hier wird viel zu schnell gefahren. Ältere Leute oder die Kinder aus der Haldenberg-Realschule kommen kaum über die Straße", beobachtet Willy Häfner. Deshalb fordern er und seine Mitstreiter auch einen Fußgängerüberweg an der Einmündung der Schurwaldstraße. Längerfristig Ruhe können sich die Anwohner erst von einer Sanierung der L1225 erhoffen. Die ist jedoch nicht in Sicht. Der Landtagsabgeordnete Peter Hofelich teilte ihnen kürzlich auf ihre Anfrage mit, eine "großflächige und umfängliche Sanierung" dieses Straßenabschnittes sei zurzeit "nicht als prioritär anzusehen."

Ein Kommentar von Ingrid Zeeb: Kompliziert statt konsequent

Die Fahrbahn ist ein wahrer Flickenteppich: Es poltert und rumpelt, vor allem, wenn Fahrzeuge mit leerem Anhänger darüberbrettern. Und das passiert nach Aussage der Anwohner auch nachts - trotz Durchfahrtsbeschränkungen für Lkw. Die Situation für die Anlieger der Schorndorfer Straße in Uhingen ist damit sehr unbefriedigend.

Unebene Fahrbahnbeläge sind leider ein weit verbreitetes Phänomen, gerade in Wohngebieten, wo es immer mal etwas aufzugraben gibt. Ein neuer Straßenbelag, der erst einmal für Ruhe sorgen würde, ist in der Schorndorfer Straße derzeit nicht in Sicht. Zu viele noch dringendere Sanierungsmaßnahmen sind laut Regierungspräsidium momentan in der Warteschleife. Umso unverständlicher ist es, dass man hier nicht auf ein konsequentes Tempolimit setzt. Eine komplizierte und kaum zu kontrollierende Regelung lädt offenbar förmlich dazu ein, sie zu umgehen: Wie soll ernsthaft kontrolliert werden, ob sich Lkw nachts von 22 bis 6 Uhr an das Tempolimit von 30 Stundenkilometern halten? Für Pkw gilt das Tempolimit nämlich nicht.

Besser und wirkungsvoller wäre es, Tempo 30 für alle vorzuschreiben, solange die Fahrbahn so holprig ist. Der Verkehrsbehörde des Landkreises sollte man hier mehr Mut wünschen. In die richtige Richtung weisen hingegen Projekte wie der Lärmaktionsplan im Mittleren Filstal: In Eislingen soll sogar auf Durchgangsstraßen wie der Stuttgarter und der Ulmer Straße bald Tempo 30 gelten.

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