Ärger über Bahn: Warten auf Züge, Warten auf Erklärungen

Trotz der Zusage seitens des Ministeriums und der Bahn wartet ein Pendler seit Wochen auf Informationen. Auch die Abgeordneten wissen nichts.

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Bahnpendler Jürgen Oßwald aus Wangen wartet ausnahmsweise einmal nicht auf einen verspäteten Zug, sondern auf Antworten. Und auch die kommen reichlich spät – falls sie denn noch gegeben werden.

Am 10. Juli fand im Landrats­amt eine Veranstaltung zur Zukunft der Filstalbahn statt. Auf dem Podium saßen zwei Abgeordnete, ein Vertreter der Bahn und der Amtsleiter des Verkehrsministeriums. Im Publikum waren etwa 80 Zuhörer und Fragensteller – darunter auch Oßwald.

Acht Fragen richtete der Berufspendler an die Verantwortlichen, alle sollten vom Verkehrsministerium in Stuttgart beantwortet werden, einige zudem auch von der Bahn. Die Abgeordneten sagten zu, die Antworten baldmöglichst auf ihren Internetseiten zu veröffentlichen. Doch geschehen ist bis heute, mehr als sechs Wochen später, nichts.

Nun hat Oßwald sich an Alexander Maier (Grüne) und Nicole Razavi (CDU) gewendet. „Außer dass die Verspätungen und Zugausfälle nach wie vor stattfinden, hat sich seither nichts getan. Fahren die Verantwortlichen beim Verkehrsministerium und bei der DB-Regio wieder ihren ,Wir-lassen-das-mal-im-Sand-verlaufen’-Kurs?“, fragt Oßwald.

Der Wangener mahnt an: „Bitte stehen Sie zu Ihrem Wort bezüglich Beantwortung und Veröffentlichung der Fragen, denn die Fragen und deren Antworten sind für uns Pendler wirklich wichtig.“

Razavi ließ ihren Büroleiter ­Jochen Huber umgehend antworten: „Wir sind mit dem Verlauf der Dinge ebenso wenig zufrieden wie Sie“, schreibt er. „Gerne“ würden er und Razavi beim Verkehrsministerium und DB Regio nachfassen. Denn: „Uns liegt sehr daran, dass die am Abend der Veranstaltung gegebene Zusage, die Fragen aus dem Kreise der Pendler zu beantworten, auch eingehalten wird.“

„Der Antwort aus dem Büro Razavi können wir uns nur anschließen“, schreibt daraufhin Maiers persönliche Referentin, Victoria Kruse. Sie bedauere, dass es noch keine Antworten gebe. „Bitte verstehen Sie aber auch, dass wir nur veröffentlichen können, was uns vorliegt und Ihnen daher leider keine genaue Zusage für den Zeitpunkt der Veröffentlichung machen können.“

Oßwald will unter anderem wissen, wann er die zugesagte Entschädigung von der Bahn bekommt, er fordert das Äquivalent von drei Monatskarten, rund 333 Euro. Die Bahn hatte nach der Veranstaltung versprochen, den Preis einer Monatskarte zu erstatten. Oßwald fordert zudem „eine Reduzierung um 25 Prozent pro Monat, solange die Normalität nicht eintritt“.

Der Pendler will auch  Antwort auf die Frage, wie viele „2. Klasse-Sitzplätze es heute fahrplanmäßig in den Zügen zur Pendler-Hauptreisezeit  von 5 bis 8 Uhr sowie von 15.30 bis 18.30 Uhr gibt?“ Zum Vergleich interessieren ihn  die Zahlen des neuen Anbieters Go Ahead, der die Filstalstrecke im Dezember 2019 übernimmt. Er will auch wissen, ob dann neue Fahrkarten gekauft werden müssen und ob diese auch für DB-Strecken und die S-Bahn gelten. Schließlich fragt Jürgen Oßwald: „Wem ist die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) unterstellt und wie wird diese finanziert? Hintergrund: Mehrere meiner Anfragen an die NVBW wurden trotz mehrfachem Nachfassen nicht beantwortet. Diverse Mitpendler erlebten Ähnliches.“

Selbst ein Nachhaken per Einschreiben beim Geschäftsführer habe nichts gebracht. „Bis heute keine Reaktion“, schreibt Oßwald und fragt: „Welche Konsequenzen werden aus der mangelhaften Qualität der NVBW gezogen?“

Die Pressestelle des Verkehrsministeriums konnte gestern nicht herausfinden, ob und gegebenenfalls bis wann die Fragen des Pendlers beantwortet werden.

Wochen ist es her, dass Verkehrsministerium und Bahn zugesagt hatten, Fragen des Bahnpendlers Jürgen Oßwald schriftlich zu beantworten. Passiert ist bis heute nichts.

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