Annette Müller ist Hausmeisterin mit Herz

Weit mehr als nur ein Job ist für Annette Müller die Hausmeisterstelle im Heininger Haus in der Breite. Seit 17 Jahren schaut die gelernte Elektriker nach dem Rechten.

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Hat als Handwerkerin in einer sozialen Einrichtung das Richtige für sich gefunden: Annette Müller, Hausmeisterin im Heininger Haus in der Breite.  Foto: 

Handwerkliches Geschick, Organisationstalent, Empathie, Hilfsbereitschaft – „Hausmeister“ ist eigentlich ein Synonym für „eierlegende Wollmilchsau“. Dass das Hausmeisterdasein im „Haus in der Breite“ nicht unbedingt ein Zuckerschlecken ist, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass sich dort in den ersten acht Jahren fünf Hausmeister oder Hausmeisterpaare die Klinke in die Hand gaben.

Im Jahr 2000 gelang der Gemeinde Heiningen mit Annette Müller ein Griff in die Glückstüte. Die aus Leipzig stammende gelernte Elektrikerin zog mit ihrem Töchterchen ins Haus in der Breite ein und entpuppte sich als Multifunktionstalent mit dem Herz auf dem rechten Fleck.

„Eine Frau mit Männerberuf, aus dem Osten und alleinerziehend – es dauerte eine Weile bis ich von den Hausbewohnern akzeptiert wurde“, erinnert sich Annette Müller. Heute ist das alles kein Thema mehr. Die älteren Herrschaften wissen, was sie an ihrer Frau Müller haben. Haustechnischer Dienst, Wartung, Reinigung und Pflege von Haus, Hof und Tiefgarage, Reparaturarbeiten in Haus und Wohnungen – in handwerklicher Hinsicht macht ihr so leicht keiner was vor. Auch den Cafébetrieb und die Organisation zahlreicher anderer Dinge, rund um die Veranstaltungen im Haus, hat sie voll im Griff. In Notsituationen ist auf die Hausmeisterin ebenfalls Verlass.

Ihr Engagement geht allerdings oft weit über die Betreuung der Bewohner in Notsituationen hinaus. Annette Müller baut schon auch mal Möbel zusammen, packt vor Krankenhausaufenthalten das Köfferchen, putzt nach diversen „Unfällen“ ein Badezimmer oder spielt an Weihnachten den Nikolaus. Kranken- und Klinikbesuche außerhalb der Arbeitszeit sind für sie genauso selbstverständlich wie Besuche im nebenan befindlichen Pflegeheim, wenn einer ihrer Bewohner dorthin wechseln musste. „„Ich kann nicht anders“, gesteht sie und erklärt: „Meine Bewohner liegen mir sehr am Herzen. Sonst könnte ich diesen Job gar nicht machen. Im Prinzip sind das meine Kinder und für manche bin ich eine Art Ersatztochter.“

Also organisiert die gute Seele des Hauses „für ihre Kinder“ Spielenachmittage, Faschings- und Weihnachtsfeiern und so manches mehr. Kümmern, trösten oder Streit schlichten steht ebenfalls nicht im Arbeitsvertrag, aber nichts desto trotz  häufig auf dem Programm. „Es ist oft schwierig, sich abzugrenzen und zu sagen: Das geht mich nichts an“, erklärt Annette Müller. „Bei Streitigkeiten geht es meistens um Kleinigkeiten, Missverständnisse und Lärm. Ich setze mich dann mit den Streithähnen zusammen, höre mir die verschiedenen Versionen an und mache Lösungsvorschläge. Es muss ja nicht sein, dass jemand nicht schlafen kann, weil ein anderer meint, er müsse morgens um halb sechs schon staubsaugen.“

Annette Müller hat im Haus in der Breite ihre Passion gefunden. „Einen Beruf mit viel Abwechslung, wie Langeweile geschrieben wird, weiß ich gar nicht“, meint sie augenzwinkernd. „Leider gibt es auch häufig traurige Situationen. Schon mehr als einmal habe ich jemanden tot aufgefunden. Die Bewohner wachsen einem manchmal schon sehr ans Herz, und es ist dann schon traurig, wenn ich die Wohnung für den nächsten räumen und sauber machen muss.“ Annette Müller behält alle in lieber Erinnerung. Sie sammelt in Alben Bilder, Briefe, Gedichte und Dankesschreiben.

Der von den Bewohnern hoch geschätzte gute Geist des Hauses wird stundenweise von Putzkräften, sowie Wolfgang Strohmaier und Gerlinde Schneck unterstützt, die für die Mittagessenausgabe, die Deko im Cafeteriabereich und für Einkäufe der Bewohner zuständig ist. „Ohne die beiden wäre ich oft ganz schön aufgeschmissen“, lobt Annette Müller ihre Mitarbeiter. „Sie sind, wenn sie gebraucht werden, immer zur Stelle. Wolfgang ist außerdem meine Anlaufstelle bei Problemen mit dem Computer oder anderen elektronischen Geräten. Oft bringt er auch außerhalb der Arbeitszeit etwas wieder zum Laufen, weil er auch schlecht ‚nein’ sagen kann.“

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