Anmeldezahlen: Stadträte fordern Konzept von Ebersbacher Realschule ein

Der Einbruch der Anmeldezahlen verstärkt den Druck auf die Raichberg-Realschule. Die Ebersbacher Stadträte bangen um den Schulstandort und fordern von der Schule das vor zwei Jahren zugesagte Konzept ein.

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In Albershausen haben sich 63 Kinder für die fünfte Klasse der Gemeinschaftsschule angemeldet. In Ebersbach hingegen verstärkt der Einbruch der Anmeldezahlen den Druck auf die Raichberg-Realschule.  Foto: 

Die Anmeldezahlen der Raichberg-Realschule lassen in Ebersbach die Alarmglocken schrillen. Nur 35 Kinder haben sich für das kommende fünfte Schuljahr angemeldet, im vergangenen Jahr waren es noch 58. Nicht nur die Stadtverwaltung hatte jüngst ihre Enttäuschung darüber öffentlich gemacht, auch in den Ebersbacher Ratsfraktionen wird Missmut laut. Ursachenforschung ist angesagt, noch vor der Sommerpause soll die Schulleitung dem Gemeinderat Rede und Antwort stehen – in nichtöffentlicher Sitzung.

Die Bürgervertreter machen kein Hehl aus ihrer Unzufriedenheit. „Für mich ist das mehr als unbefriedigend“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Armin Bühler, der mit Blick auf den Schulstandort Ebersbach betont: „So kann’s und darf’s nicht bleiben.“ Die Auswertung der Übergangszahlen in die weiterführenden Schulen geben Verwaltung und Stadträten zu denken. So haben sich 18 Ebersbacher Viertklässler in Albershausen an die Gemeinschaftsschule angemeldet – eine Schulart, die in Ebersbach vor zwei Jahren zur Debatte stand und nach einer turbulenten Schulentwicklungsplanung ad acta gelegt wurde.

Die Schulentwicklung soll künftig am Raichberg-Schulzentrum mit Realschule und Gymnasium stattfinden, so der Beschluss des Gemeinderats, der insbesondere der Realschule Hausaufgaben aufgegeben hatte. Die Schule solle ein Konzept für ihre künftige Entwicklung erarbeiten. „Darauf warten wir seit zwei Jahren“, kritisiert die SPD-Fraktionsvorsitzende Ingrid Scherr, deren Fraktion dies auch als Haushaltsantrag formuliert hat. Scherr sieht Ebersbach als „Verlierer auf der ganzen Strecke“. Die Hardtschule gibt die Sekundarstufe auf, in den Nachbarkommunen wurden Gemeinschaftsschulen eröffnet und überall werde Ganztagesbetreuung angeboten. „Da muss jetzt auch bei uns etwas passieren“, fordert Scherr.

„Wir erwarten jetzt Ergebnisse“, sagt auch die CDU-Fraktionsvorsitzende Brigitte Kreisinger unmissverständlich. Auch Kreisinger vermisst klare Aussagen, wie sich die Realschule weiterentwickeln will und sieht darin auch einen Grund für den massiven Rückgang der Anmeldungen. „Die Realschule muss sich jetzt bewegen“, erklärt Kreisinger.

Während die Raichberg-Realschule für das kommende Schuljahr keinen einzigen Schüler von auswärts anzieht, erweisen sich die Gemeinschaftsschule in Albershausen und die Uhinger Haldenberg-Realschule geradezu als Magneten. Das Zugpferd in Uhingen ist der bilinguale Zug. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, auf das wir sehr stolz sind“, sagt Schulleiter Walter Albrecht. 50 Kinder haben sich dafür angemeldet, mit insgesamt 93 Fünftklässlern startet die Haldenberg-Realschule im kommenden Schuljahr mit vier Klassen. Ein ganz wichtiger Standortfaktor sei auch die Ganztagesbetreuung.

Bestätigt in puncto Schulentwicklung sieht sich auch die Gemeinde Albershausen, wo sich 63 Kinder für die fünfte Klasse der Gemeinschaftsschule angemeldet haben – eine „echte Gemeinschaftsschule“, betont Rektor Manfred Mettang, der sich darüber freut, dass sich 13 Schüler mit Gymnasiumempfehlung angemeldet haben. „Damit können wir auf allen drei Niveaustufen unterrichten.“ Die „super Arbeit“ an der Schule ist für Bürgermeister Jochen Bidlingmaier ein Grund für den starken Zulauf. Aber die Gemeinde habe auch kräftig in die Schule investiert. Binnen zwei Jahren sollen weitere zehn Klassenzimmer für 440.000 Euro modernisiert werden.

18 Kinder wollen an die Gemeinschaftsschule

Übergangszahlen: 55 der 117 Viertklässler in Ebersbach und seinen Stadtteilen haben sich am örtlichen Raichberg-Gymnasium angemeldet (47 Prozent). Die örtliche Realschule wollen 35 Kinder besuchen (30 Prozent), fünf Kinder wählten die Haldenberg-Realschule in Uhingen. An der Gemeinschaftsschule in Albershausen gibt es 18 Anmeldungen aus Ebersbach. Drei Schüler wollen auswärtige Gymnasien besuchen.

Auffällig: Aus dem dem Raichberg nächstgelegenen Stadtteil Bünzwangen wechseln nur drei Kinder an die örtliche Realschule. Sechs haben sich in Albershausen angemeldet. Die größte Zahl der Anmeldungen hat die Albershäuser Gemeinschaftschule von Viertklässlern der Hardtschule (sieben Kinder). Die größte Zahl der Anmeldungen für die Raichberg-Realschule kommen aus der Marktschule (zwölf Kinder).

Ein Kommentar von Karin Tutas: Im Abseits gelandet

Kein Wunder, dass jetzt die Alarmglocken schrillen. Nur 35 Kinder wollen im kommenden Schuljahr auf die Ebersbacher Realschule wechseln, im Jahr zuvor waren es noch 58. Der erdrutschartige Einbruch der Anmeldezahlen an der Raichberg-Realschule muss der Stadtverwaltung und den Stadträten zu denken geben. Denn die Stadt ist auf dem besten Weg, als Schulstandort im Abseits zu landen.

Das Problem ist hausgemacht – auch wenn das manche Stadträte nicht wahrhaben wollen. Vor zwei Jahren gab es die Chance, die örtliche Werkrealschule und die Realschule auf einen gemeinsamen und zukunftsweisenden Weg zu bringen. Jedoch die angestrebte Kooperation der beiden Schulen scheiterte, weil nicht einmal ansatzweise Gespräche über ein gemeinsames Schulmodell zustande kamen. Nicht zuletzt war es die Realschule, die mehr Zeit einforderte, um über ihre Entwicklung nachzudenken.

Das rächt sich nun. Ebersbach ist von der rasanten Entwicklung im Schulsektor überholt worden. Die Werkrealschule schließt und die Nachbarkommunen laufen der Stadt den Rang ab. Die Anmeldezahlen in Albershausen zeigen, dass die Gemeinschaftsschule für Ebersbacher Kinder durchaus attraktiv ist. Und die Uhinger Realschule punktet mit bilingualem Zug und Ganztagesbetreuung. Zurecht fordern die Stadträte das versprochene Konzept von der Realschule, sonst wird es zappenduster für den Schulstandort Ebersbach.

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