Landratsamt: Anbau wird bald abgerissen

Im Dezember findet die letzte Sitzung im Hohenstaufensaal des Landratsamts statt. Die Arbeiten am Millionenprojekt Neubau beginnen noch dieses Jahr.

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Der bestehende Anbau des Landratsamts beherbergt unter anderem den Hohenstaufensaal. Noch zwei Mal wird der Kreistag dort über den Haushalt beraten, dann muss das Gebäude einem dreistöckigen Neubau weichen.  Foto: 

Noch zwei Mal tagt der Kreistag im Hohenstaufensaal des Landrats­amts. Dann ist der Sitzungssaal Geschichte: Im Januar rücken die Bagger an und reißen den Anbau ab, an dessen Stelle entsteht ein dreistöckiger Neubau mit Saal. Das Projekt kostet knapp 23 Millionen Euro.

Am 3. Februar dieses Jahres hat der Kreistag einstimmig beschlossen, das im Jahr 1968 eingeweihte Landratsamt einer Frischzellenkur zu unterziehen. Das bestehende Hauptgebäude wird komplett saniert, zuvor kommt der Anbau weg. Stattdessen entsteht ein dreigeschossiger Neubau, der neben dem neuen Sitzungssaal auch 180 Büroarbeitsplätze und Räume für die Fraktionsarbeit beherbergen wird. Auch Ämter, die derzeit in Außenstellen untergebracht sind, sollen künftig Platz an der Lorcher Straße finden. Ein neues Parkhaus entsteht an der Schulerburgstraße, das von einem privaten Investor gebaut werden soll.

Reibungslos ging das Projekt „Landratsamt 2015+“ nicht über die Bühne. Nach einer ersten Machbarkeitsstudie, die Ende 2013 vorgestellt wurde, sollte der reine Erweiterungsbau 10,5 Millionen Euro kosten. Bis Mitte 2015 hatten sich diese Kosten verdoppelt, was für harsche Kritik aus Reihen des Kreistags sorgte. Der Uhinger Bürgermeister und Kreisrat Matthias Wittlinger (CDU) sprach von einem „High-Tech-Prachtbau“. Das missfiel Landrat Edgar Wolff: „Bitte nicht von Pracht und Prunk sprechen.“ Doch auch der Göppinger OB und Fraktionskollege von Wittlinger, Guido Till, sprach sich gegen die Pläne aus und forderte gar, ganz auf den neuen Sitzungssaal zu verzichten. Eine Idee, die so einfach nicht umzusetzen war – wird doch der Neubau an der Stelle des alten Saals gebaut.

Die Planungen wurden vorübergehend auf Eis gelegt, im Februar 2016 präsentierten das Stuttgarter Beratungsbüro Drees und Sommer sowie das Stuttgarter Architekturbüro BFK dem Verwaltungsausschuss überarbeitete Pläne: Der zweistöckige Anbau soll kürzer und schmaler, die Büronutzfläche pro Arbeitsplatz von 16 auf 13 Quadratmeter reduziert werden. Das verspreche Einsparungen von etwa drei Millionen Euro, bekräftigten die Planer. Der Ausschuss beauftragte die Büros im Gegenzug, zu berechnen, was ein drittes Stockwerk kosten würde.

Die abschließenden Pläne wurden dem Ausschuss im Januar 2017 vorgestellt, wie später auch der Kreistag billigte das Gremium sie einstimmig. Mit drei Stockwerken wurde der Preis nun mit 22,7 Millionen Euro beziffert.

Am 18. Dezember werden die Rückbauarbeiten im Inneren des bestehenden Anbaus beginnen, sagte am Dienstag die Pressesprecherin des Landratsamts, Julia Schmalenberger. Das bedeutet, dass die vorgesehene Verabschiedung des Haushalts 2018 am 8. Dezember im Rahmen der letzten Kreistagssitzung im Hohenstaufensaal stattfinden wird. Anfang 2018 rücken dann die Bagger an und reißen den Anbau ab. Noch im Frühjahr soll der Baubeginn für den neuen Anbau sein.

Ein Jahr später soll das neue Parkhaus errichtet werden, für beide Projekte ist die Fertigstellung Ende 2019 vorgesehen. Im Anschluss ist die Sanierung des Hochhauses vorgesehen, sie wird laut Schmalenberger voraussichtlich Anfang 2020 beginnen, bis 2022 soll das Gesamtprojekt „Landratsamt 2015+“ dann abgeschlossen sein. Was die Sanierung des Altbaus genau kosten wird, ist noch nicht bekannt. Eine erste Schätzung vom Leiter des Hochbauamts, Rainer Mittner, ging Anfang 2016 von etwa zwölf Millionen Euro aus.

Schmalenberger weist darauf hin, dass es sich bei den Angaben um geplante Termine handelt: „Alle Terminangaben stehen unter dem Vorbehalt, dass der Kreistag die Maßnahmen – Parkhaus, Bestandssanierung –  zur Ausführung wie beantragt freigibt und entsprechende Ausschreibungsergebnisse eingehen.“

Ein KOMMENTAR von Dirk Hülser: Eine Frage der Weitsicht

Nun geht es also los, noch zwei Mal tagen die Kreisräte im Hohenstaufensaal des Landratsamts, dann wird der Anbau aus den 60er-Jahren abgerissen. Dabei ist der Saal noch pfenniggut, wie der Schwabe sagt. Er hat auch einen besonderen Charme – doch leider ist die Fläche rund ums Landratsamt begrenzt. Optionen auf anderen Grundstücken wurden geprüft und verworfen. Also bleibt nur die Möglichkeit, dem alten Hochhaus an dieser Stelle einen neuen Anbau zu verpassen.

Knapp 23 Millionen Euro dafür sind eine Menge Geld, zumal mindestens zwölf weitere Millionen für die Sanierung des Haupthauses oben drauf kommen. Und nochmal 110 Millionen für den Landkreis-Anteil am Klinikneubau. Das bedeutet: Auf die Kreiskasse kommen harte Zeiten zu, die Kreisumlage wird in den kommenden Jahren vermutlich kräftig steigen, das werden die Kommunen als Zahlmeister deutlich spüren.

Der Entwurf des Haushaltsplans 2018 sieht eine gleichbleibende Umlage vor, das freut die Bürgermeister. Noch haben die Kreisräte diesem Plan nicht zugestimmt und es fragt sich, ob es weitsichtig ist, bei den immensen Kosten, die der Kreis stemmen muss, auf Zusatzeinnahmen zu verzichten. Schulden muss der Landkreis ohnehin machen – wenn sie etwas niedriger ausfielen, wäre das sicher nicht verkehrt. 

Februar 1962: Der Kreistag beschließt einstimmig den Bau des Landratsamts für knapp neun Millionen D-Mark.

Oktober 1962: Das Preisgericht vergibt den ersten Preis an den Stuttgarter Bauingenieur Hans Egon Hahn.

August 1965: Die Bauarbeiten beginnen.

Mai 1968: Der Neubau an der Lorcher Straße wird bezogen. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Verwaltung im Göppinger Schloss und diversen Außenstellen untergebracht.

September 1968: Offizielle  Einweihung.

Februar 2017: Der Kreistag beschließt einstimmig einen neuen dreigeschossigen Anbau.

Frühjahr 2018: Vorgesehener Baubeginn.

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