Metropolexpress: Alle suchen den Schuldigen

Fehlende Planung und Verzögerung beim Metropolexpress: Beteiligte und Politiker schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu.

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Noch ist der Metropolexpress nicht in Sicht.  Foto: 

Seit bekannt geworden ist, dass der Metropolexpress bis Geislingen im Jahr 2019 voraussichtlich doch nicht kommt, sondern frühestens ein Jahr später oder gar erst nach Fertigstellung von Stuttgart 21, schlagen die Wogen hoch. Die Beteiligten weisen sich gegenseitig die Schuld an der Misere zu, deren Ursache im dichten Verkehr auf der Filstalbahn liegt. Deshalb wäre eigentlich ein neues Gleis im Geislinger Bahnhof nötig, genau dieses war aber 2015 abgebaut worden. Ob es tatsächlich gebraucht wird, kann die Bahn aber im Moment nicht sagen. Zuerst will sie nun herausfinden, wie der Fernverkehr mit Stuttgart 21 abgewickelt werden soll.

Warum nun alle Planungen wieder hinfällig sind, wusste Kreisverkehrsplaner Jörg-Michael Wienecke am Anfang dieser Woche auch nicht: „Das müssen Sie die DB Fernverkehr fragen, warum die Pläne, die sie damals für den Stresstest eingereicht hat, jetzt Makulatur sind.“ Die Bahn wiederum sagt, sie – beziehungsweise ihre andere Tochterfirma DB Netz AG – wisse gar nichts von Verzögerungen beim dritten Gleis. Das schreibt zumindest Sprecher Werner Graf: „Dass sich nun die Planungen verzögern, haben wir als DB Netz AG ebenfalls aus der Presse entnommen.“ Schuld am Planungschaos sei aber der Landkreis, dem ein Angebot für das zusätzliche Gleis in Geislingen unterbreitet worden sei: „Leider hat der Landkreis Göppingen bis heute nicht auf das Angebot reagiert.“ Ein neues Fahrplankonzept „zur Inbetriebnahme des Projekts Stuttgart-Ulm“ werde aber bis zur ersten Jahreshälfte 2018 erarbeitet.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi hat einen anderen Schuldigen ausgemacht: Verkehrsminister Winfried Hermann von den Grünen. „Tatsache ist, dass Verkehrsminister Hermann in grün-roter Regierungszeit den Metropolexpress nur bis Süßen ausgeschrieben und bestellt hat.“ Das Land hatte dies seinerzeit mit zu geringen Fahrgastzahlen bis Geislingen begründet. Razavi findet: „Der Metropolexpress hätte vor Jahren von vornherein bis Geislingen bestellt und der Abbau des dritten Gleises verhindert werden müssen.“ Was sie nicht sagt: Die Bahn hat das Gelände samt weiteren Gleisen bereits vor weit mehr als zehn Jahren – als die CDU regierte – an eine Tochterfirma verkauft, später dann die gesamte Firma weiterverkauft.

Razavis Kritik bringt wiederum den Linken-Kreisrat Christian Stähle auf die Palme. Sie verteile „unkluge Ratschläge der politischen Verantwortlichkeit zu Metropol-Express, Bahn sowie Politik mit inkompetenten Inhalten“. Er kritisiert seinerseits, dass die verkehrspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Landtag, die auch Kreisrätin ist, am vergangenen Freitag bei der Kreistagsklausur zum Thema Verkehr gefehlt habe – als der Metropolexpress behandelt wurde.

Das Verkehrsministerium weist Razavis Kritik ebenfalls zurück: „Gerade die verbindlichen Standards haben dazu beigetragen, dass das Angebot im Schienenpersonennahverkehr im gesamten Land deutlich verbessert wird. Transparente und einheitliche Maßstäbe sind die Grundlage für das Verkehrsangebot ... und nicht die Frage, welche Zugangebote sich einzelne Abgeordnete jeweils für ihren Wahlkreis wünschen“, erklärt Sprecher Edgar Neumann. Auch habe der Abbau des alten Gleises mit dem Thema nichts zu tun: „Denn das bisherige Gleis hätte in der bestehenden Form als Abstellgleis gar nicht genutzt werden können.“

„Höchste Eisenbahn“

Der Grünen-Abgeordnete Alexander Maier sieht die Bahn in der Pflicht: „Damit der Metropol­express realisiert werden kann, muss die Deutsche Bahn so schnell wie möglich einen Fernverkehrsplan vorlegen. Es ist höchste Eisenbahn, denn wir brauchen Planungssicherheit.“ Sascha Binder (SPD) bedauert: „Es wird leider immer schwieriger, sich auf Aussagen der Bahn zu verlassen.“  Im Umwelt- und Verkehrs­­ ausschuss des Kreises war die Misere in dieser Woche auch Thema: „Wie kann man den Metropolexpress nur bis Süßen planen?“, fragte CDU-Fraktionschef Wolfgang Rapp und forderte einen geordneten Taktverkehr für das gesamte Filstal. Verkehrs­planer Wienecke, der sich „für die Zustände auf der Filstalbahn schämt“ und sie „eines Industrie­landes unwürdig“ findet, hoffte auch auf den neuen Zug, dämpfte die Hoffnung aber sofort wieder, denn „der Metropolexpress fährt nur, wenn bis dahin die neuen Fahrzeuge auch fertig sind“.

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