Alice Weidel sorgt in Uhingen für volles Haus

Weniger Zuwanderung, raus aus der Energiewende und Watschen für die CSU. AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel war im Uditorium zu Gast.

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Für Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild plädierte die Spitzenkandidatin der AfD, Alice Weidel (Bildmitte, mit Brille), im Uhinger Uditorium. Ihre Schelte gegen die CSU wurde vom Publikum dankbar angenommen.  Foto: 

Seit Tagen ist sie in Göppingen und Umgebung präsent und schaut von Wahlplakaten. Am Montagabend ist sie persönlich da: Alice Weidel,  Spitzenkandidatin der „Alternative für Deutschland“ (AfD) bei der Bundestagswahl, spricht in Uhingen. Das Uditorium ist rappelvoll, alle Stühle belegt, rund 100 Zuhörer müssen stehen, einige sogar draußen bleiben, keiner passt mehr rein. Bevor auch viele der Sitzenden aufstehen und Alice Weidel mit Standing Ovations begrüßen, spricht Volker Münz, der AfD-Direkt­kandidat für den Wahlkreis Göppingen. Der Uhinger sieht gute Chancen, über Platz acht der  Landesliste seiner Partei in den Bundestag einzuziehen, den er dann – nach Aussage von AfD-Kreis-Schatzmeister Simon Dennenmoser – „rocken wird“.

So richtig rockig wirkt Volker Münz am Montagabend aber noch nicht, er hält eine ruhige Rede in seinem Heimatort. Innere Sicherheit, Werteverlust und Zuwanderung sind seine Themen. Und die Türkei. Die solle „raus aus der Nato“. Auch „die EU-Beitrittsverhandlungen mit Ankara sind auszusetzen und abzubrechen“, fordert er. „Die Türkei passt nicht zu unseren Werten und unserer Kultur.“

Mehr innere Sicherheit, eine andere Flüchtlingspolitik und gesicherte deutsche Grenzen will auch Alice Weidel. Zunächst beklagt sich die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin und Unternehmensberaterin aber darüber, wie mit der AfD in diesem Wahlkampf seitens des „Allparteienkartells“ in Berlin und weiten Teilen der Medien umgangen werde. „Ein Skandal“, meint die Politikerin, die sich derzeit gegen Vorwürfe im Zusammenhang mit einer E-Mail  wehrt, die rassistische Äußerungen und Demokratie verachtende Äußerungen enthält. Ein AfD-Sprecher hatte bestritten, dass der Text aus dem Jahr 2013 von Weidel stammt, die Spitzenkandidatin selbst hatte am Wochenende von einer „plumpen Kampagne“ gesprochen. Früher habe sie sich oft gefragt, wie das in der Nazi-Zeit war. Jetzt könne sie es verstehen, sagt sie am Montagabend in Uhingen. Der Vergleich – die AfD als Opfer der mit Nazi-Methoden arbeitenden Gegner – kommt im Publikum jedoch nicht so richtig an.

Egal, Weidel ist jetzt beim „Markenkern“ der AfD angekommen, „der Rechtsstaatlichkeit“. Und beim Geld. Die Eurorettung verstoße gegen geltendes EU-Recht. „Wenn man uns damals zur Einführung des Euro gefragt hätte, wir hätten ihn nicht gewollt.“ Sie plädiert für Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild. Zurück zum Geld, das Thema liegt der Volks- und Betriebswirtin Weidel am Herzen. Sie warnt vor der schleichenden Einführung von Niedrigzinsen und davor, dass dadurch „unsere Nachkommen um ihre Vermögensbildung gebracht werden“. Dann wird sie konkret: Den Mehrwertsteuersatz will sie „um sieben Prozentpunkte senken“. Die Energiewende stoppen und eine Dieselgarantie bis 2050. Dafür, dass in der aktuellen Diskussion um den Dieselmotor von den anderen Parteien „die Axt an das Rückgrat der deutschen Industrie angelegt wird“, hat sie kein Verständnis.

Dann wird die CSU von Weidel abgewatscht. Die Herren, allen voran Generalsekretär Andreas Scheuer, seien „eine Ansammlung von Handtaschenwaldis von der Angela Merkel“.

Rhetorik wie im CSU-dominierten Bierzelt, das gehört zum Wahlkampf dazu und wird von den Zuhörern im Uditorium dankbar angenommen. Überhaupt, die CSU. Weidel glaubt, das „Franz Josef Strauß heute AfD wählen würde“.

Im Uditorium kommt ein anderes Politik-Urgestein zu Wort: Georg Gallus. Der Hattenhofer war lange Jahre FDP-Mitglied, 24 Jahre im Bundestag und unter den Kanzlern Helmut Schmidt und Helmut Kohl gut 16 Jahre Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium. Die FDP hat der 90-Jährige vor fünf Jahren verlassen und in der AfD eine neue politische Heimat gefunden. „Der Kampf für die AfD ist dringend notwendig“ ruft er in den Saal, das Publikum klatscht begeistert, Gallus kennt hier jeder.

Volker Münz entlässt Alice Weidel mit einem Geschenk aus der Region und einem kleinen Seitenhieb auf die EU: Er überreicht der Spitzenkandidatin eine Flasche Birnenschaumwein von der Champagnerbratbirne aus Schlat. „Die Birne darf aber nicht so heißen, weil ‚Champagner‘ eine EU-rechtlich geschützte Bezeichnung ist.“

Sicherheit Drinnen war die innere Sicherheit Thema, draußen sorgte die Polizei für Ordnung. Das Uditorium war am Montagabend gut gesichert, mehr als 20 Bereitschaftspolizisten inklusive Hundeführer und Reiterstaffel waren im Einsatz.

Gegner Zu tun gab es allerdings nicht viel. Während drinnen Volker Münz und Alice Weidel sprachen, habe draußen vor der Tür „eine Handvoll Linksautonome“ versucht zu stören, sagte eine Polizistin. Man habe diese aber schnell abgedrängt.

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Kommentare

13.09.2017 09:38 Uhr

Danke liebe SWP ....

... jetzt habe ich mich gerade ein bisschen mehr in Frau Weidel verliebt ...

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