Alexander Maier will für die Grünen in den Landtag

Bildung, Finanzen, innere Sicherheit, Infrastruktur. Wohin geht die Reise in den kommenden fünf Jahren? Unsere Zeitung stellt die aussichtsreichsten Landtagskandidaten vor. Heute: Alexander Maier, Grüne.

|
Alexander Maier fühlt sich in Göppingen fest verwurzelt. Der 24-jährige Stadtrat möchte für die Grünen im Wahlkreis Göppingen in den Landtag einziehen.  Foto: 

Alexander Maier kommt erst mal nicht zu Wort. Sein Gegenüber schwadroniert ohne Luft zu holen, wettert auf die Politik, die Politiker, outet sich als bekennender Nichtwähler. Die Luft ist rauchgeschwängert, aus den Lautsprecherboxen dröhnt Rockmusik. Maier merkt schnell, dass er dem Mann nicht mit Argumenten beikommen kann, man prostet sich schließlich versöhnlich zu und der junge Politiker, der am 13. März für die Grünen im Wahlkreis Göppingen wieder einen Sitz im Landesparlament erobern will, versucht sein Glück am nächsten Tisch.

Die Menschen in lockerer Kneipen-Atmosphäre anzusprechen, ist ein Standbein des Wahlkampfs des Grünen-Kandidaten. Die Rückmeldungen seien gut, "vor allem bei den Jüngeren". Die seien oft "super informiert", stellt Maier, der in einigen Wochen 25 Jahre alt wird, fest. Und doch zeigten viele eine gewisse Parteien- und Politikerverdrossenheit. Der Göppinger, der sich seit seinem Parteieintritt vor sechs Jahren bei den Grünen engagiert, kann das nachvollziehen. Politiker, die die Bodenhaftung verlieren, wenn sie erst einmal in Amt und Würden sind, seien ihm ein Gräuel. Diese Gefahr sieht der 24-Jährige im Falle seines Einzugs in den Landtag bei sich selbst nicht. "Es ist mir wichtig, den Kontakt zu den ,normalen' Leuten nicht zu verlieren, sonst kann man sie nicht richtig vertreten."

Im Göppinger Stadtteil Holzheim, wo er aufgewachsen ist und lebt, fühlt sich der junge Mann fest verwurzelt. Bei Aufführungen der Theatergruppe des Turnvereins gibt er schon mal den schmierigen Immobilienmakler oder smarten Anwalt - "Typen, die gar nicht zu mir passen", sagt er und lacht. Die Rolle des eloquenten Politikers sei eher nicht die seine. Aber Politik zu machen schon und da kann der 24-Jährige, der mit 18 Jahren den Grünen beigetreten ist, schon eine ganze Menge Erfahrung aufweisen. Bis zu seiner Nominierung stand Maier als Vorsitzender des überparteilichen Bündnisses "Kreis Göppingen nazifrei" an vorderster Front gegen rechtsextreme Umtriebe. Dass es trotz anfänglicher Zurückhaltung gelungen ist, auch die Stadtverwaltung mit ins Boot zu holen, erfüllt ihn mit Genugtuung. Auch findet er richtig gut, wie die Stadt Göppingen das Flüchtlingsthema anpackt. Seit 2014 ist Maier Stadtrat in seiner Heimatstadt. "Eine harte Schule", meint er augenzwinkernd.

Indes fuchst es den 24-Jährigen schon ein wenig, dass ihn ein Journalist nach seiner Nominierung als Landtagskandidat der Grünen als Hinterbänkler im Göppinger Stadtparlament bezeichnete. "Ich sage was, wenn ich denke, dass ich einen neuen Aspekt zu einem Thema beitragen kann." Und wenn er dann loslegt, dann wirkt er nicht mehr gemütlich, sondern entwickelt Biss.

Jetzt will Alexander Maier in der Landespolitik mitmischen. Die Entscheidung, gegen den amtierenden Abgeordneten Jörg Matthias Fritz anzutreten, sei allmählich gereift, erzählt der 24-Jährige. Es habe im Kreisverband eine Unzufriedenheit mit der Arbeit des Abgeordneten gegeben, und er sei angesprochen worden, ob er sich vorstellen könne, zu kandidieren. Er konnte und warf im März vergangenen Jahres seinen Hut in den Ring. Dass er erst nach einem Losentscheid als Sieger vom Platz ging, sieht der Jungpolitiker nicht als Makel. Letztendlich habe der harte Kampf um die Nominierung, bei der auch die Eislingerin Kommunalpolitikerin Ulrike Haas mit im Spiel war, gezeigt, dass die Grünen über drei Leute verfügten, "die es alle hätten machen können. Ich möchte mal sehen, welche Partei das hat", betont Maier selbstbewusst.

Der 24-jährige Journalist, der vor kurzem seine Ausbildung bei einem Privatradiosender abgeschlossen hat, macht kein Hehl daraus, dass er sich ein gutes Ergebnis wünscht. Auf Landesebene am politischen Rad mitzudrehen, reize ihn schon mächtig. "Aber es bricht mir nicht das Herz, wenn es nicht klappt", fügt er hinzu.

"Jeder Mensch muss die gleichen Chancen haben", bezeichnet Maier als Maxime für sein politisches Handeln. In fünf Jahren grün-roter Regierungszeit habe sich da viel bewegt - nicht zuletzt in der Bildungspolitik, "auch wenn die sicher noch weiterentwickelt werden muss". Das gelte ebenso für die Bürgerbeteiligung, "aber die Hürden sind immer noch zu hoch".

Im Landkreis sei neben dem Weiterbau der B 10 der Ausbau des ÖPNV in den ländlichen Raum hinein notwendig. Während seines Wahlkampfs klopft er auch bei Unternehmen an und hört dabei, wo der Schuh drückt. "Die Ausbau der Infrastruktur, insbesondere der Breitbandversorgung, ist für die Wirtschaft total wichtig."

Zur Person vom 2. März 2016

Geboren 1991 in Titisee-Neustadt
Wohnt jetzt in Göppingen-Holzheim
Schule 2007 Realschulabschluss, 2009 Fachhochschulreife
Ausbildung Volontariat bei einem privaten Radiosender, das Ende Januar 2016 abgeschlossen wurde.
Politik 2009 Eintritt bei den Grünen, 2010 Mitgründer der Grünen Jugend im Kreis und zwei Jahre deren Sprecher, seit 2011 im Vorstand des Ortsvereins Göppingen, 2013 bis 2015 im Landesvorstand der Grünen Jugend, seit 2014 Gemeinderat in Göppingen, seit 2014 in der Rechtsextremismuskommission der Bundespartei.
Privat ledig, keine Kinder.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Landtagswahl 2016 in Baden-Württemberg

Alle fünf Jahre wählen die Menschen in Baden-Württemberg den Landtag. Am 13. März 2016 ist es wieder soweit. Grund genug für eine gründliche Bestandsaufnahme: Wie geht es dem Land? Welche Probleme müssen gelöst werden? Hier geht es zum multimedialen Reportageprojekt.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Suizid bei Aichelberg nach Straftat im Kreis Ludwigsburg

Ein kreisender Hubschrauber hat am Mittwochabend im oberen Filstal für Aufsehen gesorgt. Hintergrund ist ein Suizid, dem eine Straftat im Kreis Ludwigsburg vorausgegangen war. weiter lesen