Albverein löst Auflagen zum Alkoholausschank auf der Hiltenburghütte kreativ

Erst der interne Streit, jetzt der Ärger mit dem WKD. Beim Ditzenbacher Albverein ist man trotzdem optimistisch, dass es wenigsten bald wieder Bier und Viertele auf der Hiltenburghütte gibt. <i>Mit Kommentar.</i>

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Albvereinschef Rainer Maier zeigt, wie man Hygiene-Vorschriften auch kreativ erfüllen kann: Ein Einkoch-Automat spendet das vom WKD geforderte Warmwasser zum Händewaschen vor der Toilette der Hiltenburghütte.  Foto: 

Schon beim Streit um vermeintlich schwarze Kassen brachte ein anonymer Brief den Stein ins Rollen. Dass der Ditzenbacher Albverein auf seiner Hiltenburghütte vorerst keinen Alkohol ausschenken darf, liegt ebenfalls dem Hinweis eines Mitglieds zu Grunde, das lieber ungenannt bleiben will. In dem Brief an den Wirtschaftskontrolldienst (WKD)  beim Landratsamt beklagt „ein verwunderter Wanderer“ unter anderem „Klos, die zum Himmel stinken“ und fragt sich, „mit welchem Wasser eigentlich dort Kaffee gekocht und gespült wird“.

Die Behörde reagierte prompt. Schon wenige Tage später erschienen WKD-Vertreter, um die angeblich unzumutbaren hygienischen Zustände auf der Hiltenburghütte zu überprüfen. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Dem Verein wurde so lange der Ausschank alkoholischer Getränke auf der Hütte verboten, bis die erforderlichen sanitären Voraussetzungen geschaffen worden sind.

Die Beanstandungen bezogen sich indessen nicht auf die rustikalen Plumpsklos ohne Spülung, wie viele vermuteten und dabei wieder den Amtsschimmel wiehern hörten: Nach Apfelschorle, Cola oder Sprudel, das der Verein ja weiter ausschenken darf, drückt die Blase schließlich ebenfalls. „Mit dem Zustand der Toiletten hatte das Verbot absolut nichts zu tun“, versichert Albvereinsvorsitzender Rainer Maier. „Wer Alkohol ausschenken will, muss nach dem Gaststättengesetz eine entsprechende Unterweisung vorweisen können“, erläutert Maier. Der SAV-Chef hat den sechsstündigen Kurs bei der IHK inzwischen absolviert. Der Ausschank alkoholischer Getränke sei da zwar nur am Rande angesprochen worden. Dafür weiß Maier jetzt einiges mehr über Kühlketten, die Lagerung von Lebensmitteln  – und „Handwaschgelegenheiten fürs Personal“. Letzteres war einer der Knackpunkte für das Ausschankverbot. So hat der WKD bei der Überprüfung bemängelt, dass die Hiltenburghütte keine eigene Handwaschgelegenheit mit Warmwasser fürs Hüttenpersonal besitzt. Hinter der Theke gibt es zwar eine Spüle mit ausreichend warmem Wasser. Allerdings dürfen Geschirr und Hände (zumindest zum Waschen) nicht zusammenkommen. Da die Spüle in der Hiltenburghütte zwei Becken hat, konnte der Albverein dieses Problem relativ einfach lösen: Im kleinen Becken werden künftig nur noch die Hände gewaschen, im großen landet nur noch das  Geschirr.

Dass fürs Personal auch auf der Toilette Handwaschgelegenheiten mit warmem Wasser vorgeschrieben sind, war da schon eine größere Herausforderung: Maier argumentierte zwar, das Personal könne sich nach dem Gang aufs Klo auch in der Küche die Hände waschen. Toilette und Küche seien zu weit voneinander entfernt. Da könne mancher auf dem Weg den Vorsatz zur Hygiene vergessen, meinten darauf die WKDler. Das Gebot zur Hygiene könne man auch direkt vor der Toilette vergessen, hielt Maier entgegen – beugte sich aber letztendlich der Vorgabe der Obrigkeit.

Zumal sich der WKD bei der Umsetzung kulant zeigte, was wiederum das Improvisationstalent der Albvereinler anspornte: Den bislang vor der Toilette angebrachten Wasserkanister ersetzt künftig ein Einkochautomat, aus dessen Ablaufhahn dank Thermostat  exakt das behördlich geforderte 30 Grad warme Wasser zum Händewaschen fließt. Seifenspender und Papierhandtücher komplettieren die neue sanitäre Ausstattung, mit der sich der WKD wohl zufrieden geben will. „So wurde es mir jedenfalls gesagt“, betont der SAV-Chef.

Damit muss der Albverein nur für eine Sache tiefer in die Tasche greifen: Der WKD hat auch noch einen UV-Filter gefordert, der das Wasser aus den beiden 1000-Liter-Tanks im Keller keimfrei macht, bevor es aus dem Hahn fließt. Die 5000 Euro teure Anlage ist bereits bestellt und soll  demnächst installiert werden. Der Antrag mit den erforderlichen Unterlagen für die Ausschankgenehmigung liegt schon im Landratsamt. Maier hofft, dass Wanderer damit auch bald wieder Bier und Viertele in der Hiltenburghütte bekommen.

„Jetzt kommt‘s drauf an, wie schnell die Mühlen auf den Ämtern mahlen – oder ob sonst noch was kommt“, will der Vorsitzende nicht ausschließen, dass im gegnerischen Lager des Vereins schon die nächste Attacke vorbereitet wird.

Ein Kommentar von Thomas Hehn: Schlimmes Ende droht

Eine Hauptversammlung, die vor Gericht endet, Leserbriefschlachten in der GZ und jetzt noch das durch einen Anonymus ausgelöste Alkoholausschankverbot in der Hiltenburghütte. Das Hauen und Stechen beim Albverein Bad Ditzenbach nimmt kein Ende. Außenstehende schütteln nur noch verwundert den Kopf und fragen sich, wie das alles enden soll. Mitglied Frank Darter behauptet, es gehe ihm nur um das Wohl des Vereins, wenn er beim Vorstand nach schwarzen Kassen sucht. Er hofft, damit die Sanierung der Hiltenburghütte schon heute ohne Kredite quasi aus der Portokasse finanzieren zu können. Erreicht hat er nur das Gegenteil: Statt voranzukommen, liegt der Hüttenumbau auf Eis und keiner weiß, ob er jemals in Gang kommt: Was aber weit schlimmer wiegt: Angesichts der Dimensionen, die der Streit inzwischen angenommen hat, fürchten nicht wenige, dass vom ganzen Verein nur noch ein Scherbenhaufen übrigbleibt. Daran trägt indessen auch Vorsitzender Rainer Maier eine gewisse Mitschuld. Wie beharrlich (und das ist gelinde ausgedrückt) ein Frank Darter seine Ziele verfolgt, ist inzwischen auch der GZ-Redaktion zur Genüge bekannt. Der Umgang mit unbequemen Mitgliedern scheint allerdings auch nicht gerade zu den Stärken des Albvereinsvorsitzenden zu gehören. Wenn Penetranz auf Sturheit trifft, hat das selten ein gutes Ende genommen. Statt zu mauern, hätte der Vorsitzende die Bücher offenlegen sollen. Schließlich ist das Darters gutes Recht. Und selbst wenn da das eine oder andere nicht peinlichst genau aufgelistet gewesen wäre: Vorstandsfunktionäre sind in der Regel keine Profis, sondern ehrenamtlich tätig. Außerdem sollte man sich auch nichts vormachen: Keiner trägt sein sauer verdientes Geld freiwillig zum Finanzamt. Vor allem bei Vereinen hält sich das Verständnis in Grenzen. Schließlich dient das Geld in aller Regel gemeinnützigen Zwecken und die Mitglieder haben dafür bei Hüttendiensten oder Vereinsfesten geschuftet, ohne einen Cent zu verdienen. So könnte man zumindest die Aussage des Ex-Vorsitzenden Dieter Hiesserer deuten wenn er auf Darters Vorwurf hinsichtlich schwarzer Kassen im Verein betont, keiner habe auch nur einen einzigen Cent in die eigene Tasche gewirtschaftet. Bei allen Rechten eines Mitglieds und Pflichten eines Vorstands: Vor allem Darter sollte bewusst sein, dass alles Geld aus schwarzen Kassen nichts mehr nützt, wenn kein Verein mehr da ist.

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