Aichelberger erhalten Weltbundnadel

Die Verleihung der Weltbundnadel in Gold steht für 60 Jahre aktiven Dienst im Posaunenchor. Die beiden Aichelberger Bläser Rolf Straub und Hermann Kling erhalten am Sonntag diese seltene Auszeichnung.

|
Seit 60 Jahren spielen Hermann Kling (li.) und Rolf Straub im Posaunenchor. Dafür erhalten sie am Sonntag eine besondere Ehrung.  Foto: 

Bereits als Kinder haben sich Hermann Kling und Rolf Straub einem Hobby verschrieben, das sie ein Leben lang begleitete: die Mitgliedschaft im Posaunenchor. "Als bei uns im Heizraum und der Waschküche geprobt wurde, bin ich dabei gesessen und wollte so gerne mitmachen", erinnert sich Straub. Seine Mutter war anfangs nicht so begeistert davon, dass der damals Zwölfjährige unbedingt musizieren wollte. "Doch mir war das arg wichtig, da waren meine Freunde dabei. Vielleicht bin ich deshalb auch so lange dabei geblieben", mutmaßt der 72-Jährige.

Hermann Kling war nur ein Jahr älter, als er seine ersten Töne auf dem Baritoninstrument blies, das ihm sein Onkel gegeben hatte. "Er sagte damals, jetzt spielst du solange darauf, wie ich gespielt habe", erzählt Kling. Doch aus den anvisierten 25 Jahren sind 60 geworden, die am Sonntag mit der Weltbundnadel in Gold ausgezeichnet werden.

"Uns verbindet die Freude an der Kameradschaft und der Musik", sind sich die beiden Männer einig. Angefangen wurde im Herbst 1954, Ziel war es, beim Weihnachtsgottesdienst mitzuwirken. "Wir haben zum Pfarrer gesagt, wir können nur zwei Lieder", berichtet Hermann Kling schmunzelnd. Und nach nur zweimonatiger Ausbildungszeit wurden die beiden Stücke gespielt, die nicht unbedingt zu Weihnachten passten - aber mit verändertem Text passend gemacht wurden.

Die Aufbruchstimmung der jungen Burschen erfuhr einen Dämpfer, als sie in der Kirche das Deutschlandlied, die Nationalhymne, übten und vom erbosten Pfarrer aus der Kirche geworfen wurden. In der Folge diente die Werkstatt des Schusters von Zell, Käser, als Übungsraum, dort war es etwas eng, aber warm. "Und wenn die Tuba-Spieler geblasen haben, rieselte der Staub von der Lampe - das hat uns sehr begeistert", wissen die beiden Männer zu berichten.

Tempi werden schneller, Ryhthmus anspruchsvoller

Kling übernahm 34 Jahre als Posaunenchorleiter den Taktstock und spielt seit rund 15 Jahren bei seinem Nachfolger Klaus Schühle und dessen Ehefrau Gabriele, die die Jungbläser ausbildet, mit. "Das gute Miteinander von Alt und Jung zeichnet die Posaunenchöre aus", sagt Kling. Von 15 bis über 30 Posaunenchormitglieder haben die beiden Senioren erlebt, es gab Auf und Ab - jedoch wurde niemals ans Aufhören gedacht.Nicht nur die Chorgröße, auch die Musik des Posaunenchors habe sich in den sechs Jahrzehnten laut Kling deutlich gewandelt: Die Literatur müsse mit der Zeit gehen, die Tempi würden schneller, der Rhythmus anspruchsvoller.

"Es hat mich immer gehalten, das Evangelium musikalisch zu verkünden", beschreibt Straub die Faszination des Musizierens. Absolut bewegend sind für ihn die jährlichen Konzerte beim Landesposaunentag in Ulm, wenn 9000 Musiker bei der Schlusskundgebung auf dem Münsterplatz zum Geläut der Glocken "Gloria, dir sei gesungen" spielten. "Das ist einfach unbeschreiblich, da krieg ich jedes Mal Gänsehaut." Sein langjähriger Freund und Musikerkollege Kling sieht das ähnlich. Dankbar sind beide ihren Ehefrauen, die die 60-jährige Leidenschaft immer verständnisvoll mitgetragen haben. Und so möchten Rolf Straub und Hermann Kling ihrem Posaunenchor Zell/Aichelberg gerne noch erhalten bleiben.
 



Info Die Verleihung der Weltbundnadel findet beim Gottesdienst in Aichelberg statt. Die Auszeichnung übergibt die Posaunenreferentin des Evangelischen Jugendwerkes Baden-Württemberg, Brigitte Kurzytza,. Beginn ist um 9 Uhr.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Im Handwerk fehlt der Nachwuchs

Kurzfristig einen Handwerker zu finden, werde immer schwieriger, beklagen Kunden. In den Gewerken jedoch fehlen Mitarbeiter und vor allem Auszubildende, sagen Insider. weiter lesen