Agenda für die Voralbbahn

Für eine Voralbbahn wirbt der Förderverein "Ein neuer Zug im Kreis" mit einer Tagung in Bad Boll. Die Erfolge von wiederbelebten Bahnen werden vorgestellt. Am Ende soll eine Agenda oder Denkschrift stehen.

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So könnte eine moderne Voralbbahn aussehen: Diesen Protoyp des Modells "Talent" holte der Verein "Ein neuer Zug im Kreis" anno 1997 für einen Tag auf die Boller Bahnlinie. Der "Talent" fährt heute noch, auch elektrisch.  Foto: 

Immer wieder machen die Freunde der Boller Bahn auf ihr Anliegen aufmerksam - diesmal unter neuen Vorzeichen. Der Kreis ist nicht mehr auf ihrer Seite. Kreisverkehrsplaner Jörg Michael Wienecke hat im Sommer dafür plädiert, die alte Bahnlinie Göppingen-Bad Boll in einen Radweg umzuwandeln. Wienecke sähe dies als Zwischenlösung, aber auf Jahrzehnte hinaus. Er will die schöne Strecke nicht weiter brach liegen lassen.

Der Förderverein "Ein neuer Zug im Kreis" lässt sich von diesem Rückschlag nicht entmutigen, der ihn zu einem besonderen Zeitpunkt traf: Vor genau 25 Jahren fuhr das Boller Mariele zum letzten Mal. "Wir haben den Landkreis abgehakt", sagt ein enttäuschter Vereinsvorsitzender Peter Blum. Aber: "Wir setzen voll auf die Region." Im Regionalverband hat die Boller Bahnlinie noch ihren Stellenwert, er will sie langfristig als Verbindung bis Kirchheim sichern. Und: Verkehrsplanung sei Sache der Region, sagt Blum.

Beispiele für reaktivierte Bahnstrecken

Welche Kraft in der Schiene steckt, soll am Samstag aufgezeigt werden. Der Förderverein holt vier Vertreter von fünf Nebenstrecken nach Bad Boll, um ihre Erfahrungen zu präsentieren. Auch für diese Bahnen galt: "Einst tot geglaubt, heute eine Erfolgsgeschichte", sagt Blum. Die liegen alle in einem überschaubaren Umkreis. Am nächsten ist die Wieslauftalbahn Schorndorf-Rudersberg, die nie stillgelegt worden sei und seit 20 Jahren ebenso wie die Schönbuchbahn Böblingen-Dettenhausen von der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG) betrieben wird. Auch die Verlängerung der Wieslauftalbahn von Rudersberg nach Welzheim, ein reiner Museumsbahnbetrieb, wird vorgestellt. "Die ist unheimlich erfolgreich", weiß Blum, "an Wochenenden ist der Dampfzug überfüllt."

Erläutern wird das ein Göppinger: Johannes Friz vom Förderverein Welzheimer Bahn. Als Tourismusbahn ist die Ermstalbahn von Metzingen nach Bad Urach wiederbelebt worden, heute fährt sie längst regulär mit einem Schienenbus. Noch frisch ist der Neustart der Bahn Senden-Weißenhorn im Raum Ulm, erst seit Anfang des Jahres ging sie wieder in Betrieb. Wie sich dies Jahrzehnte nach der Stilllegung darstellt, erläutert ein Vertreter der Stadtwerke Ulm, die auch als Verkehrsbetrieb agieren.

Der Infotag hat Seminarcharakter. Das Publikum soll in Arbeitsgruppen mit den Referenten die Voraussetzungen ergründen, die an diesen Strecken zum Erfolg führten. Und Neuerungen für die Zukunft gleich dazu. Dann gilt es festzustellen, was davon auf eine Voralbbahn bis Kirchheim übertragbar ist.

Es gibt Felder und Aspekte zuhauf: Die Vernetzung mit dem Busverkehr oder Bürgerbussen ist wichtig, die Vertaktung, die Werbung wie beispielsweise ein Seniorentarif, Infrastruktur wie Park- und Ride-Plätze, Technik wie Triebwagen mit Hybridantrieb, die zwischen Strom und Diesel umschalten können und so die Ortschaften leise passieren. Das Ergebnis soll in eine Agenda münden, was für eine Voralbbahn nötig ist. Das kann auch eine Denkschrift sein, sagt Blum.

Zu dieser Tagung hat der Verein sämtliche Bürgermeister, Oberbürgermeister und Gemeinderäte aus den Anliegerkommunen von Göppingen bis Kirchheim angeschrieben, ferner Kreisräte, Regionalräte und Abgeordnete. Auch Kreisverkehrsplaner Wienecke, der jetzt die Radstrecke will, hat eine Einladung. "Bisher ist er immer zu uns gekommen", sagt Blum, "das muss man lobend erwähnen."

Vom Modellbau bis zum Film: Werbung für neue Bahnstrecke

Aktionen Immer wieder geht der Verein "Ein neuer Zug im Kreis" an die Öffentlichkeit. Der Klassiker ist seine Modulanlage einer neuen Voralbbahn. Eine mögliche Unterführung von Bad Boll hat er schon aufgezeigt und einen Film über die Strecke bis Kirchheim gedreht - auch aus touristischer Sicht. Diesmal ist eine kleine Ausstellung geboten.

Tagungen Tagungen gab's auch schon: In den Anfängen des Vereins vor 20 Jahren zusammen mit Jobst Kraus von der Evangelischen Akademie Bad Boll und vor Jahren mit Professor Ludwig, der im Badischen ein Streckennetz aufgezogen hat.

Einlass Getagt wird am Samstag von 16 bis 20 Uhr in der Schulaula von Bad Boll, Saalöffnung 15 Uhr. Interessierte sind willkommen.

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