AfD-Mitglieder beobachten, statt zu feiern

Wenig Anhänger gratulieren Volker Münz in der Frisch-Auf-Gaststätte.

|
Der künftige AfD-Abgeordnete Volker Münz feierte im Kreise einiger Anhänger in der Göppinger Frisch-Auf-Gaststätte.  Foto: 

Die lokale Wahlparty einer Partei, deren Berliner Köpfe sich als Sieger sehen, kommt eher betulich daher. Gegen 18.45 Uhr verlieren sich 17 AfD-Mitglieder und -Anhänger im Nebensaal der Göppinger Frisch-Auf-Gaststätte. Es ist ruhig, serviert werden Grillteller und Salate, mancher tuschelt leise mit seinem Nebensitzer. Da versucht Direktkandidat Volker Münz, der den Einzug in den Bundestag geschafft hat, die Stimmung anzuheben: „Die Getränke gehen heute auf mich!“, ruft er in den Saal. „Echt?“, fragt ein Gast ungläubig zurück. „Ja“, sagt Münz und strahlt.

Dabei hätte die Rechtsaußenpartei auch in Göppingen allen Grund, ausgelassen zu feiern. Um 18 Uhr sei die Stimmung aber „euphorisch“ gewesen, versichert der 53jährige Banker, der in Uhingen wohnt. Den spärlichen Zulauf zur Wahlparty entschuldigt er: „Viele sind noch nicht da, weil sie in den Wahllokalen beobachten.“ Bei Landtagswahlen habe es schließlich auch schon Unregelmäßigkeiten gegeben. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, meint Münz deshalb.

Überraschend kam das Ergebnis für den AfD-Kreisvorsitzenden nicht. Münz sagt: „Ich habe damit gerechnet, dass wir deutlich zweistellig werden. Ich freue mich sehr, dass unsere Anstrengungen nun gekrönt wurden.“ Er verspricht: „Wir werden eine bürgerlich-konservative Opposition sein.“ Mehr als das Ergebnis der AfD überrascht, was der Kreisvorsitzende über die Partei der Kanzlerin zu sagen hat: „Ich war ja selbst mal in der CDU und kann mir mittelfristig eine Koalition mit der CDU vorstellen.“

Doch jetzt sei erst einmal Oppositionsarbeit angesagt, „denn die hat es meines Erachtens in der letzten Legislaturperiode nicht gegeben“. Es seien gravierende Entscheidungen getroffen worden – „teilweise an Recht und Gesetz vorbei“. Dann wiederholt er die bekannte Position der  Ein-Thema-Partei: Die Grenzöffnung sei am Parlament vorbei von Merkel entschieden worden. Er selbst, das betont Münz aber ebenfalls, hätte die 10 000 in Budapest gestrandeten Flüchtlinge im Sommer 2015 auch nach Deutschland kommen lassen, „als humanitäre Geste“. Er bemängelt: „Aber die Grenzen sind ja offen geblieben.“ Auf Nachfrage streift Münz dann doch noch andere Themen: Sicherheit, Altersarmut, Rente („Die Rente ist nicht sicher“), Mindestlohn – den Münz befürwortet – und Leiharbeit, die sieht der Kreisvorsitzende kritisch.

Einer fehlt an diesem Abend. Der Landtagsabgeordnete Heinrich Fiechtner, der in seiner Fraktion Redeverbot hat – auch weil er die Gesundheitskarte für Flüchtlinge fordert – und im Rechtsstreit mit den Parteifreunden liegt. Er ist Arzt in Stuttgart, Münz meint schulterzuckend: „Ach der Herr Fiechtner, das war wohl ein Fehler. Der ist halt hier nicht verwurzelt.“

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Bundestagswahl 2017

Alle Infos zur Bundestagswahl 2017 auf Kreisebene gibt es hier.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Schlaganfallversorgung: Minister bleibt bei seiner Entscheidung

Das Positionspapier des Kreistags beeindruckt das Ministerium nicht: „Keine neuen Fakten.“ Kreisräte fordern Veröffentlichung des geheimen Gutachtens. weiter lesen