Adelberg gibt eigenes Klärwerk auf

Das Adelberger Klärwerk ist marode, eine Sanierung würde rund 1,5 Millionen Euro kosten. Daher soll die Anlage stillgelegt werden und künftig das Abwasser in das Klärwerk bei Börtlingen geleitet werden.

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Die Adelberger Kläranlage ist marode. Eine Sanierung würde rund 1,5 Millionen Euro kosten. Daher soll künftig das Schmutzwasser der Schurwaldgemeinde in das Klärwerk bei Börtlingen geleitet werden.  Foto: 

Die Schurwaldgemeinde Adelberg schickt künftig sein Abwasser in das zum Zweckverband Marbach-Krettenbachtal gehörende Klärwerk bei Börtlingen. Das beschloss jetzt der Gemeinderat. Hintergrund ist, dass die Einleitungserlaubnis für die Adelberger Kläranlage mit Ablauf des Jahres 2015 endet und eine Neuerteilung unwahrscheinlich ist. Denn das Adelberger Klärwerk ist nicht nur in die Jahre gekommen, sondern auch sanierungsbedürftig.

Und da liegt der Hase im Pfeffer: Zu Beginn des vergangenen Jahres mussten Teile der Kläranlage abgeklemmt werden. Der für die mechanische Reinigung zuständige "Emscherbrunnen" neigte sich offenbar aufgrund geologischer Bedingungen talwärts. Die Folge: angeschlossene Leitungen drohten abzureißen. Eine weitere Folge war, dass auch der für die biologische Reinigung zuständige Tropfkörper "vom Netz" genommen werden musste. Deren "Fracht" musste nun zusätzlich von der "Belebungsanlage" verarbeitet werden.

Untersuchungen und Berechnungen des Sindelfinger Ingenieurbüros Hertkorn ergaben, dass die Sanierung des Adelberger Klärwerks gut 1,5 Millionen Euro kostet. Mit steigenden Betriebskosten in den Folgejahren. Geld, dass die klamme Gemeinde derzeit sowieso nicht hat. Die Kosten für die Alternative, Einleitung in das Klärwerk bei Börtlingen wurden zwar mit 1,89 Millionen Euro berechnet. Aber der Gemeinde sei bereits vom Regierungspräsidium signalisiert worden, diese Investition mit bis zu 80 Prozent zu fördern, sagte Bürgermeisterin Carmen Marquardt.

Eine Förderung der Sanierungskosten der eigenen Kläranlage käme wohl nicht in Frage: "Es ist ja eine Reparatur einer bestehenden Anlage", erklärte Ingenieur Martin Hertkorn während der Sitzung. Vor allem müsste die Investition zu 100 Prozent über die Abwassergebühren finanziert werden, sagte Kämmerin Beate Schleifer. Damit käme auf die Adelberger eine bisher nicht errechnete Gebührenerhöhung zu: "Die Fakten sprechen für sich. Man muss die Adelberger nicht über Gebühr beanspruchen", meinte Marquardt. Und Schleifer ergänzte, dass zu hohe Gebühren die Gemeinde auch für Zuzügler unattraktiv mache.

Dennoch sprachen sich einzelne Gemeinderäte für die Adelberger Lösung aus, um unabhängig zu bleiben: "Ich fahre halt lieber mit dem eigenen Auto als mit dem Bus", erklärte Alexander Scholz. "Aber was hilft's, wenn Sie mir Ihrer Schrottkiste alle 20 Meter stehen bleiben? Dann steigen Sie vielleicht doch lieber in den Bus", hielt Marquardt dagegen. Unterstützung erhielt sie von Gemeinderat Werner Pfau: "Für mich ist relativ klar, in welche Richtung es gehen muss. Ich habe null Herzblut an eine eigene Kläranlage."

Mit der angestrebten Lösung, die Abwasser in die Kläranlage des Zweckverbandes Marbach-Krettenbachtal zu leiten, sei eine Richtung vorgegeben, aber noch kein endgültiger Beschluss gefasst, machte Marquardt deutlich. Schließlich muss auch erst eine knapp vier Kilometer lange Leitung verlegt und eine Pumpstation gebaut werden. Dazu kommt die Stilllegung und der Rückbau der nicht mehr benötigten Einrichtungen der Adelberger Kläranlage. Die zu verlegende Rohrleitung von Adelberg zum Klärwerk bei Börtlingen soll hauptsächlich entlang vorhandener Wege des Landesforstes geführt werden, quert aber voraussichtlich auch einige wenige Privatgrundstücke, sagte Marquardt.

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