Abholzarbeiten für das Filstalviadukt

Für das Viadukt der Schnellbahn übers Filstal wurde am Wochenende der Wald gerodet. Dafür war die Autobahn in Richtung München gesperrt. Neun Forstarbeiter schufteten zwei Tage lang.

|
Vorherige Inhalte
  • Mit schwerem Gerät ging es am Steilhang beim Abholzen rigoros zur Sache. 1/2
    Mit schwerem Gerät ging es am Steilhang beim Abholzen rigoros zur Sache. Foto: 
  • Staus gab es nur an der Ausleitung der A 8 bei Mühlhausen. 2/2
    Staus gab es nur an der Ausleitung der A 8 bei Mühlhausen. Foto: 
Nächste Inhalte

Samstag, 5.30 Uhr. Der Verkehr auf der A 8 von Stuttgart kommend wird nun bei Mühlhausen ausgeleitet. Bautechnikerin Christiane Beyer, Bauleiterin der Firma Max Bögl, trifft zur ersten Lage-Besprechung mit dem Rodungsteam des Heidelberger Forst- und Agrar-Dienstleistungsunternehmens Thomas zusammen, das die notwendigen Abholzungsarbeiten über Mühlhausen ausführen soll. Bauzäune sind aufgestellt, das Baufeld abgegrenzt. Parallel dazu schuften Arbeiter am Lämmerbuckel, sie sind Nutznießer der Autobahn-Sperrung. Nächste Woche wird die A 8 erneut gesperrt. Dann hängen sich Bauleute dran, um Sanierungsarbeiten an der Todtsburgbrücke zu erledigen. Christiane Beyer koordiniert alles.

Ein Harvester, also ein Vollernter, zwei riesige Bagger und ein Seilschlepper sind mit kleinen Baufahrzeugen auf der eigens für den Brückenbau errichteten Baustraße bis zum Wald gefahren. Oberhalb des Albaufstiegs muss an drei Wochenenden eine riesige Fläche Wald abgeholzt werden, um das Baufeld für den Brückenanschluss an den Steinbühltunnel herzurichten. Hier wird einmal das Viadukt einmünden.

Bäume für den Baustellenverkehr abgeholzt

Schon am Freitag hat die neun-köpfige Forsttruppe des Heidelberger Unternehmens die Büsche entlang der Gemeindeverbindungsstraße Eselshöfe entfernt. Jetzt geht es hart zur Sache. "Bis 5. Dezember werden wir fertig sein", ist Juniorchef Michael Thomas zuversichtlich. Er und seine Männer beginnen am unteren Teil der Rodungsfläche, die Bäume rund um die Ausweichstellen für den späteren Baustellenverkehr abzuholzen. Die Ausweichstellen bleiben für Rettungsfahrzeuge erhalten, auch wenn der Tunnel mit Bahnbrücke fertig ist.

Seit 5.30 Uhr ist auch Kurt Linhart von der Straßenverkehrsbehörde vor Ort. Bei Denkendorf hat er die Anlage überprüft, die für die Verkehrsführung zuständig ist. Schon dort erschienen erste Hinweise auf die Autobahnsperrung. Wiederholt wird die Warnung vor Wendlingen: "Spätestens da sollten Autofahrer wach werden und ausweichen", hofft Linhart. Im Radio wird sogar empfohlen, den Abschnitt der A 8 ab dem Walldorfer Kreuz über die A 6 und A 7 zu umfahren. "Fantastisch ruhig war es ab halb sechs", berichtet Linhart. Gegen Mittag staute sich der Verkehr wegen der Blockabfertigung vor dem Tunnel.

Es ist gerade 6.30 Uhr, nun heulen die Motorsägen am Rand der leeren A 8 auf. Baumfäller geben gellende Warnschreie von sich, es kracht im Geäst, es riecht nach frischem Holz. Zwischen den dumpfen Grün- und Brauntönen des Waldes leuchten orangefarbene Sicherheitswesten. Der Baggerführer balanciert gefällte Bäume, räumt sie aus dem Weg - und hört in seiner geschlossenen Kabine Radio. Ab 7 Uhr läuft der Vollernter auf Hochtouren, er hinterlässt ein Schlachtfeld.

An diesem Wochenende wird nur gefällt, am nächsten Wochenende wird das Holz zu drei Sammelstellen gebracht und zur Verarbeitung hergerichtet. 700 Festmeter Holz schlagen die Männer des Forst-Dienstleisters, dazu kommen rund 750 Festmeter durch Forstamtsarbeiter. "Alles Hartlaubholz. Überwiegend Buche und komplett verwertbar", weiß Thomas. "Ab 16 Zentimeter werden die Stämme gezopft." Das heißt: Ab da beginnt die Baumkrone. Die wird gehäckselt. Christiane Beyer fügt hinzu: "Die Wurzeln bleiben zum Erosionsschutz drinnen."

Die Motorsägen dröhnen. Auch die, mit der Steven Mloczynski spielerisch leicht zu hantieren scheint. Die Motorsäge liegt in seiner Hand, als hätte sie kein Gewicht. Fast tänzelnd entfernt er störende Äste.

Einige Meter weiter, am Ortsende von Mühlhausen, zeigt Christiane Beyer auf die andere Talseite. Hier sind die Rodungen bereits abgeschlossen. Hier entsteht nächste Woche eine Rohrbrücke über der A 8, die für die Entwässerung sorgen soll. Die Fundamente im Wald sind abgegrenzt. Rückhaltebecken und Absetzbecken sind zwischen Wiesensteig und Mühlhausen schon gebaut. Die Rohrbrücke wird nach Beendigung der Brückenarbeiten wieder entfernt.

Das fürchterlich zerhackte Gelände sieht grausig aus. Die ganze Schneise muss weg. Für Seniorchef Lothar Thomas ist das "Tagesgeschäft". Dann aber erzählt er von der Suche nach Fledermäusen in Höhlen und nach Eidechsen, vom Unrat entlang der Autobahn, den die Menschen aus dem Auto werfen. Er berichtet von strengen ökologischen Vorschriften und vom Aufforsten. Er sinniert: "Manche Bäume haben den Zweiten Weltkrieg überlebt und werden jetzt von Maschinen einfach plattgemacht, weil sie dem Fortschritt weichen müssen."

Kein Verkehrschaos

Das Chaos blieb aus. Auf den Umleitungsstrecken - der B 466 durchs Täle und der B 10 ab Wendlingen - herrschte wegen der A 8-Sperrung bei Mühlhausen am Wochenende starker Verkehr. Die durch viele Ampeln "portionierten" Kolonnen kamen ohne große Staus voran. Ausnahme: Die Ausleitung aus der A 8 bei Mühlhausen.

Vom starken Umleitungsverkehr profitierten die Tankstellen und Imbisse zwar, aber es wurde ihnen beileibe nicht die Bude eingerannt. "Viele fragen nach einer Toilette", berichtete Michael Steinert von "Total" in Deggingen. Bei Burger King und der Shell-Tankstelle in den Geislinger Neuwiesen erwartete man nur am Sonntag deutlich mehr Andrang als sonst.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

25.11.2014 22:13 Uhr

Rodungen von Buchen

Was ist mit dem Unfall eines Arbeiters bei dieser Rodungsaktion?
Warum steht in diesem Artikel darüber nichts?
Werden wir etwas darüber erfahren oder herrscht auch da Schweigepflicht wie bei den Höhlenforschern?

Wer jemals die Steige bei den Eserhöfen befahren hat:
Es wird vonn alpinen Verhältnissen gesprochen. Und dem stimme ich unbedingt zu!

Und wer hat überhaupt den geschönten neuen Begriff vom "Filstalviadukt" in die Welt gesetzt?

Fakt ist:
Es handelt sich um zwei (!) Brücken, gegründet teilweise im Wasserschutzgebiet.
Darum werden zwei Brückenpfeiler davon auch noch mit einer Y- Konstruktion erstellt werden.
Diese tragen also die Last von zwei Pfeilern,
der Abstand der Brückenpfeiler ist sowieso extrem weit,
da eben das Wasserschutzgebiet nicht bebaut werden darf.
Noch etwas:
Zum Zeitpunkt des Baubeginns war noch nicht einmal klar, wie der Bauuntergrund beschaffen ist.
Deshalb wurden Probebohrungen im nachhinein durchgführt.

Ob jetzt einer oder mehrere Pfeiler (vermutlich sogar der Y-Pfeiler mit der doppellten Traglast!)
im schwammigen Braunjura gesetzt werden müssen?
Die zahlende Öffentlichkeit wird das erst erfahren,
wenn sich die Bahnschwellen verschieben. Und da ist eben wenig Spielraum drin, gegenüber dem immer wieder zu sanierenden Engelbergtunnel bei Leonberg, denn Bahnschwellen sind leider etwas pingelig, was Verschiebungen anbetrifft!
Und dann ist erst einmal Schluss mit dieser unwirtschaftlichen Neubaustrecke.

Im Bereich des Todtsburger Portals:
Hier beginnt der Bereich der Höhlen und Wassereinbrüche.
DAs Bohren wird hier zur Zitterpartie, die Presse und die Bevölkerung werden ausgeschlossen werden.

Alle Katastrophen -Ereignisse werden verschwiegen werden (wie der Unfall bei der Rodung jetzt),
am Ende wird das gesamte Projekt wie der Fluchhafen BER zum Fass ohne Boden werden.
Und kein CDU Jubler wird dann sagen können, er hätte davon nicht gewusst.

Aber wer der Verantwortlichen ist bis dahin noch dabei (ist außer Grube denn überhaupt noch ein Verantwortlicher da) ?
Haben nicht schon alle Ratten das sinkende Schiff verlassen? Von Nebenratten wie Razzavi, Ivo Gönner u.a. mal abgesehen. Schuster, Drexler, Dietrich, Mappus, Tanja Gönner, Rech, Goll,...

Ich appelliere an die Presse,
unnachgiebig immer präsent zu sein.
Vertuschen, Schönreden, Gelder kassieren.
So geht das System 21.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Göppinger Bahnhofsviertel bald eine einzige Baustelle

Neben der Tiefgarage und dem Bahnhofsplatz erwartet die Göppingen im kommenden Jahr  zwei weitere Großprojekte auf engem Raum: Das „Rathaus II“ und das Zentrum Untere Marktstraße. weiter lesen