„Wir müssen unsere Schätze begreifen“

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Das Wetter ist, wie’s ist. Es regnet, als Martin Läpple morgens um halb acht in seinen Streuobstwiesen steht, um den Zuschauern der Landesschau etwas über Baumschnitt zu zeigen. Aufnahmen im Regen: Alltag für das Kamerateam, das seine Geräte abgedeckt hat, Alltag für Wetterreporter Michael Kögel. Der Badener macht das seit 15 Jahren.

Läpple zeigt das Hoch-Entasten. Mit Stangensäge muss ein Ast weg. Das gehört zur Baumpflege, und die ist das A und O im Streuobstbau. Dafür hat die EU schon Förderprogramme aufgelegt, manche Gemeinde macht das auch. Läpple bewirtschaftet über 800 Bäume. Manche in Pacht. „Sie waren einfach da“, sagt er, die Vorfahren haben sie gepflanzt. Aber es ließ sich etwas daraus machen. Obstsaft wird wieder geschätzt. Es gibt neue Produkte. Läpple beliefert Jörg Geiger in Schlat und die Boller Fruchtsäfte.  „Dafür gibt es gute Preise.“ Läpple hat sogar zwei Bäume der Sorte Champagner Bratbirne – für Geiger besonders wertvoll.

Mit diesem Hintergrund ist er ins Fernsehen gekommen. Die Wetterreporter der Landesschau haben den Erzeuger aus Hattenhofen als diesjährige  „Werkstatt im Freien“ ausgesucht, die sie durchs Jahr begleiten. „Das hat sich so ergeben“, sagt Läpple. „Erst hieß es, man macht nur ein bisschen was.“ Er findet sich auch nicht fotogen. Gestern stand er schon zum zweiten Mal vor der Kamera. Wichtig ist ihm klarzustellen: Baumschneiden endet nicht am 1. März.

Schlechtes Wetter gibt es nicht. Aber nach dem Regenguss müssen sich auch Wetterreporter eine halbe Stunde aufwärmen. Dann geht es weiter in Schlat. Szenenwechsel: Das Kamerateam dreht in Obstwiesen von Jörg Geiger. Ein Anblick wie gemalt: knorrige Obstbäume vor dem Panorama von Wasserberg und Fuchseck. Baumschnitt liegt auf den Wiesen. Aber das ist jetzt abgehakt. Florian Münkle, der für Geiger die Obstwiese in Schuss hält, hat Nistkästen mitgebracht. Die waren im Streuobstbau bisher  kein großes Thema. Jedenfalls nicht für die Obstwiesenbesitzer. „Darum hat sich mehr der Nabu gekümmert“, sagt Läpple. Aber jetzt ändert sich das. Geiger engagiert sich für neue Standards in der Streuobstwirtschaft, und dazu gehören Nistkästen. Damit die Vogelwelt ihren festen Platz in diesem Biotop hat. Zehn Nistkästen pro Hektar.

Das gehört zu der neuen Initiative „Wiesenobst“, die Geiger mitbegründet hat. Unter dem Dach eines Vereins soll Wiesenobst ein Markenzeichen für zertifizierte Streuobstwirtschaft werden. Wer mitmachen will und so auch auf bessere Vermarktung setzt, verpflichtet sich zu Kriterien wie Baumschnitt, Unterstützung der Artenvielfalt, ­Nachpflanzung, Wiederanpflanzung alter Obstsorten. Jörg Geiger sagt geradeaus in die Kamera: „Wir müssen unsere Schätze ­begreifen.“

Vier Männer schreiten zur Tat. Bewehrt mit Leiter und Nistkästen, geht der Wetterreporter mit Münkle, Läpple und Geiger auf einen Baum zu. Wie so ein Nistkasten am Baum aufgehängt wird, führt dann Münkle vor. Die Klappen der Nistkästen werden in Großaufnahme gezeigt. Dann die Überraschung: Kaum ist der Kasten aufgehängt, interessieren sich schon Kohlmeisen dafür. „Das geht bei uns schnell“, lacht Geiger.  Kameramann Florian Kössl und Tonmann Tim Meier fangen das mit Bild und Ton ausgiebig ein. „So hab ich das noch nie gesehen“, staunt Kössl. Am Morgen haben sie vergeblich versucht, Vogelgezwitscher in Hattenhofen aufzuspüren. Dazu war das Wetter wohl zu schlecht, mutmaßt Läpple.

Alle Wetter in Schlat: Es ist ­trocken, für Momente kommt sogar die Sonne heraus. Aber dann ein Anflug von Graupelschauer. „Aprilwetter“, sagt Wetterreporter Kögel. Seine Anmoderation für den Abend: „Gestern Sturm, heute die Kälte,  was kommt morgen auf uns zu.“ Da war’s 11.30 Uhr – Zeit für den Abmarsch ins Studio.

Kanäle 15 bis 20 mal steuern die Wetterreporter der Landesschau dieses Jahr Hattenhofen an – und je nachem auch Schlat. Ihr Wetter läuft auf allen Kanälen. Im Dritten ab 18.12 und 18.58 Uhr, im Hörfunk morgens gegen 9.40 Uhr in SWR4, im Internet. Auf Facebook unter Landesschau Wetterreporter.

Fahren  Immer unterwegs: Bis zu 2000 Kilometer sind die Wetterreporter in der Woche auf der Straße. Fahren, drehen, schneiden – ihre Woche hat 70 bis 80 Stunden.

Schminken „Beim nächsten Mal bringt ihr Schminke oder Make up mit“, flachste Jörg Geiger. Wetterreporter Kögel kann da nur schmunzeln. „Das hab ich in 15 Jahren noch nicht gemacht.“

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