Wettlauf um Fördersätze verloren

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Natürlich haben wir weiterhin Interesse. Jetzt müssen wir eben genauer rechnen.“ Ralf Wuchenauer vom Geislinger Albwerk (AEW) will die Flinte nicht vorschnell ins Korn werfen. Auch wenn die geplanten Windkraftanlagen am Schnittlinger Berg 2016 nicht mehr genehmigt wurden und bei der nun folgenden Ausschreibung niedrigere Fördersätze aus dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) zu erwarten sind (siehe Info), wollen Albwerk und die Firma Megawatt an ihren Plänen weiter festhalten.

Damit bleibt die Tür auch weiter offen für jene Bürger, die eines der beiden Windräder als Energiegenossenschaft betreiben wollen. „Das Angebot an die Bürger bleibt bestehen und soll auch attraktiv sein“, versichert Dr. Gerald Acker-Widmaier von der Stuttgarter Firma Megawatt, die das Schnittlinger Windkraft-Projekt federführend plant.

Im Rahmen der jetzt anstehenden Ausschreibungsrunden hätte die Energiegenossenschaft sogar gute Chancen zum Zug zu kommen. Das neue EEG bevorzugt lokale Bündnisse mit einem entscheidenden Vorteil: Egal wie hoch oder niedrig die Bürgergenossenschaften bieten, sie bekommen auf jeden Fall den Zuschlag – allerdings zum Preis des letzten noch zum Zug kommenden Bieters. Ob das dann noch die erhofften Renditen beinhaltet, steht auf einem anderen Blatt. „Der Preis muss stimmen, sonst wird das nichts“, stellt Schnittlingens Ortsvorsteher Johannes Kaiser als Initiator des Bürgerwind­rades schon jetzt klar.

Böhmenkirchs Bürgermeister Matthias Nägele ist indessen froh, „dass AEW und Megawatt ihr Wort gehalten haben und es auch jetzt im Genehmigungsantrag bei zwei Anlagen geblieben ist“. Wie berichtet, fürchten Bürger und Gemeinderäte, dass die auf Druck einer Bürgerinitiative sowie Einwänden von Umweltschutz und der Fliegergruppe am Messelberg verkleinerte Vorrangfläche für Windkraft nicht ausreicht, um weitere Windmühlen am Schnittlinger Berg zu verhindern. Für jede weitere Anlage müsse dann ein neues Genehmigungsverfahren durchgezogen werden. „Ich weiß nicht, ob sich das rentiert“, argumentiert darauf der Schultes. Dagegen verweist Nägele auf die mit nur noch zwei Anlagen nun deutlich besseren Werte bei Schattenwurf und Schall. Da die Windräder nun weiter weg vom Ort lägen, werde künftig selbst in der geplanten Erweiterungsfläche des Wohngebietes Schmiedewiesen die 40-Dezibel-Grenze unterschritten.

Einzige gravierende Änderung gegenüber den bisherigen Plänen ist die Größe der Windkraft-Anlagen: Statt des Typs Nordex 117 sollen nun zwei Nordex 131 aufgestellt werden. Beide Anlagen sind insgesamt 199,5 Meter hoch, allerdings hat die Nordex 131 einen sieben Meter größeren Rotor, der 3,3 Megawatt Leistung bringen soll. Die Nordex 117 kommt nur auf 2,4 Megawatt.

Welche Anlage, Bürgermodell ja oder nein und Ausschreibung hin oder her – entscheidend ist jetzt zunächst, ob das Landrats­amt die beiden Anlagen überhaupt  genehmigt. Im Rahmen der Anhörung beschäftigt sich morgen der Schnittlinger Ortschaftsrat und am Mittwoch, 18. Januar, der Böhmenkircher Gemeinderat mit dem „immissionsschutzrechtlichen Antrag“.

Wettbewerb: Im seit Januar geltenden EEG wird Strom aus erneuerbaren Energien nicht mehr über politisch festgesetzte  Preise gefördert. Stattdessen wird die Vergütung über Ausschreibungen ermittelt und somit über den Wettbewerb am Markt geregelt.

Vier Runden: Bei vier Ausschreibungen pro Jahr müssen Bewerber bei der Bundesnetzagentur Angebote abgeben,  welche Förderhöhe sie pro Kilowattstunde verlangen. Den Zuschlag bekommen die Betreiber mit den niedrigsten Angeboten.

Obergrenze: Um zu verhindern, dass mehr regenerativer Strom  erzeugt wird, als das Netz aufnehmen kann, ist die Summe der Leistung begrenzt. Für Windkraft liegt sie in den nächsten drei Jahren bei 2800 Megawatt pro Jahr, danach bei 2900 Megawatt. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums hat allein zu viel erzeugter Strom aus Windkraftanlagen Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro verursacht.

Einsparung: Mit dem Wettbewerb rechnet die Regierung mit sinkenden Kosten bei der EEG-Vergütung. Bei einem 2015 gestarteten Pilotprojekt für große Solarparks sanken die Vergütungssätze im Verlauf der Ausschreibungen innerhalb eines Jahres von 9,17 auf 7,25 Cent pro Kilowattstunde. Die EEG-Vergütung für Windkraftstrom lag zuletzt bei 8,38 Cent pro Kilowattstunde.

Bagatellgrenze: Für neue Anlagen unter 150 Kilowatt bei Biomasse bzw. 750 Kilowatt bei Fotovoltaik (wie bei den meisten privaten PV-Anlagen auf  Hausdächern) ändert sich im neuen EEG nichts. Sie werden weiterhin nach den staatlich festgesetzten Sätzen gefördert. Dasselbe gilt für alle bereits bestehenden Anlagen. hn

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