Oliver Franz will Ottenbachs Bürgermeister bleiben

Bürgermeister Oliver Franz schildert im Gespräch die Aufgaben in Ottenbach und die Vorzüge der Gemeinde. Er kündigt an, im nächsten Jahr erneut ums Bürgermeisteramt zu kandidieren.

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Oliver Franz schildert Vorzüge und Herausforderungen, die Ottenbach zu bieten hat. Er möchte seine Arbeit fortsetzen.  Foto: 

Am Waldrand nordöstlich von Ottenbach ist der grob gezimmerte Tisch schon vorbereitet. Ein Tischtuch liegt  ausgebreitet auf dem Holz und kühle Getränke stehen an diesem heißen Sommertag bereit. Den Platz im Schatten eines Baumes hat Oliver Franz für das Gespräch ausgesucht.  Der tolle Blick auf die Gemeinde macht deutlich, warum der Bürgermeister im Januar wieder kandidieren wird. Es macht ihm ganz offensichtlich Spaß, in Ottenbach zu leben sowie mit und für die Gemeinde zu arbeiten.

Herr Franz, warum haben Sie sich gerade diesen Platz ausgewählt?

Oliver Franz: Weil man hier gut sehen kann, was Ottenbach so schön und reizvoll macht. Die schöne Tallage. Man sieht, aber auch die Aufgaben, die wir noch anpacken müssen.

Und man sitzt unter Bäumen angenehm im Schatten ...

... Genau, das war mir bei der Wahl des Ortes bei den derzeitigen Temperaturen ganz wichtig. Ich bin extra noch einmal hergekommen, um zu sehen, ob es zu dieser Tageszeit Schatten gibt.

Der herrliche Blick auf die Gemeinde zeigt, was Ottenbach ausmacht?

Ja, das besondere ist der dörfliche Charakter, die hohe Wohnqualität, die wir hier haben. Das spiegelt sich in einer steigenden Bevölkerungszahl wider. Die kurzen Wege zu den Versorgungsachsen bedeuten ebenfalls Lebensqualität. Auch wenn man außerhalb von Ottenbach arbeitet, hat man kurze Wege.

Was charakterisiert die Ottenbacher?

Das große ehrenamtliche Engagement, der gesellschaftliche Zusammenhalt über alle Gruppierungen hinweg. Das ist mir relativ schnell aufgefallen, als ich hierher kam.

Machen es diese Besonderheiten einem leichter, hier als Bürgermeister zu arbeiten?

Selbstverständlich! Ich habe noch nie – und das sind jetzt fast 16 Jahre – vergeblich um Hilfe gebeten. Ich habe noch nie ein Nein gehört – zum Beispiel, wenn jemand besondere Fähigkeiten und Kenntnisse hat und ich gebeten habe zu helfen.

Es gibt also einen großen Zusammenhalt?

Ja, es ist ein ständiges Geben und Nehmen. Die Gemeinde spielt da eine gewisse Rolle, aber nicht die entscheidende. Die entscheidende Rolle spielen die Leute, die dahinter stehen. Aber umgekehrt stehen wir auch als Gemeinde mit Rat und Tat bei, wenn Vereine oder Organisationen Hilfe brauchen. Denn man kann so eine Gemeinde nur gemeinsam weiter entwickeln.

Wie zeigt sich das?

Wir laden jedes Jahr mehr als 30 Vereine und Organisationen zur Abstimmung des Jahreskalenders ein. Das führt dazu, dass die Leute aktiv sind, dass sie engagiert sind, sich gegenseitig kennenlernen. Man lernt niemand besser kennen, etwa wenn man von außen hinzuzieht, als beim gemeinsamen Hobby. Darüber kommt es zu menschlichen Kontakten. Das ist für so einen kleinen Ort sehr wichtig.

Sehen Sie als Aufgabe eines Bürgermeisters, diese Form der Dorfgemeinschaft zu  erhalten?

Ich sehe das sehr wohl als Aufgabe der Gemeinde. Das ist kein Selbstläufer. Da sind wir alle gefordert. Man muss auch die Vorteile zeigen. Wenn jemand was ehrenamtlich macht, tut er es zwar für andere, aber er tut auch was für sich selber.

Was trägt die Gemeinde bei?

Wir haben die Bedeutung dieses Engagements erkannt. In diesem Jahr haben wir erstmals ein öffentliches Zeichen gesetzt, indem wir Ehrenamtliche zu einem Grill­abend eingeladen haben. Das war ein toller Abend. Wir wollen das wiederholen. Ich konnte deutlich machen, dass mir das ehrenamtliche Engagement ein Herzensanliegen ist. Ich bin in Eybach aufgewachsen und habe dort das Vereinsleben als positiv kennen gelernt.

In ihren fast 16 Amtsjahren hat sich die Gemeinde stark verändert. War Ihnen von Anfang an klar, wohin es gehen soll?

Das Ziel war eigentlich von vornherein klar. Nur der Weg war nicht eindeutig. Die Zeit musste reif für so eine Innerortsentwicklung sein. Da geht es auch um ganz praktische Dinge wie das Eigentum an Grundstücken. Dann musste auch der politische Wille da sein, etwas zu machen, und wir brauchten Zuschüsse. Und am Schluss müssen die entscheidenden Personen bereit sein, das Projekt anzupacken.

Wegen der Finanzkrise war es keine einfache Zeit, als Sie mit der Ortskernentwicklung begonnen haben?

Finanziell war es sehr schwierig. Jedoch haben alle Beteiligten darauf hingewiesen, dass wir so hohe Zuschüsse nie wieder bekommen würden. Andere Gemeinden standen schon parat. Wir mussten uns entscheiden, dass wir es anpacken. Dazu waren viele sehr intensive Gemeinderatssitzungen erforderlich.

Die Entscheidung hat sich als richtig erwiesen und bewährt?

Auf jeden Fall. Die Neugestaltung des Ortskerns hat private Folgeinvestitionen ausgelöst, die konnten wir so nicht erwarten, haben sie jedoch erhofft. Plötzlich hatten wir wieder einen Metzgerladen im Ort, der letzte Einzelhändler hatte gerade zugemacht, als die Landbäckerei Geiger ihren neuen Laden eröffnet hat. Die Raiffeisenbank und die Kreissparkasse haben in Gebäude investiert. Da musste alles passen.

Einkaufsmöglichkeiten sind jetzt da.

Es war der Zeitpunkt gekommen, die Nahversorgung in den Griff zu bekommen. Heute gibt es in Ottenbach alles, was man fürs tägliche Leben braucht.

Gibt es dann noch was zu tun?

Ja, die ärztliche Versorung ist für mich so ein Thema. Das würde ich gerne erfolgreich angehen. Es ist aber unwahrscheinlich schwierig, in diesem Bereich etwas zu erreichen.

Wird der Name Oliver Franz im nächsten Januar auf dem Wahlzettel in Ottenbach stehen?

Ja. Ich kann ja hier nicht vorschwärmen, wie toll Ottenbach ist und im September im Gemeinderat dann sagen, dass ich etwas anderes mache. Das wäre ja doof. Meine Familie und ich fühlen uns hier sehr wohl. Ich bin froh und dankbar, dass ich ein Teil dieser Dorfgemeinschaft sein darf. So eine Gemeinde hat immer Aufgaben und die würde ich gerne weiter mit allen Beteiligten anpacken.

Es wird Ihnen also nicht langweilig in Ottenbach?

Wir haben Aufgaben genügend. Die kann man in einen Lebensablauf packen. Das beginnt mit einer neuen Krippengruppe, die wir dringend brauchen. Wir wollen auch die Nahversorgung weiter stärken. Wichtig wäre mir auch ein Fortschritt bei der Sanierung der Ortsstraßen und Wasserleitungen. Das Aufgabenpaket endet spätestens am neuen Friedhof, bei der Neuanlage der Urnengräber. Jede Aufgabe an sich hat so ihre Tücken. Das sind Dinge, die fordern den Gemeinderat und unsere kleine Verwaltung.

Stehen auch außergewöhnliche Vorhaben an?

Für Luftschlösser, etwa ein Freibad oder ähnliches, haben wir weder Notwendigkeit oder Muße und auch kein Geld.

Stehen auch richtig teure Projekte wie der Rathausbau in den nächsten acht Jahren an?

Ja. Früher oder später wird der Landkreis die Hauptstraße richten. Das heißt, dass die Gemeinde in Kanäle und Wasserleitungen investieren muss. Zudem müssen die Gehwege und der Straßenraum gestaltet werden. Das wird ein größeres Projekt.

Person Oliver Franz ist 48 Jahre alt und seit 2002 Bürgermeister von Ottenbach. Franz ist verheiratet und hat zwei 20 und 17 Jahre alte Söhne.

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