„Segelfliegen ist wie ein Virus“

Eberhard Kollmar und Johannes Schmid sind Segelflug-Enthusiasten. Wohin ein Überlandflug sie führt, entscheiden sie kurzfristig – je nach Wetterlage.

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Rund 1000 Kilometer im reinen Segelflug zurückzulegen, ist für Eberhard Kollmar und Johannes Schmid vom Aero-Club Göppingen-Salach kein Problem. „Der typische Überlandflug startet am Nortel, führt über den Schwarzwald in Richtung Norden zur Rhön zum ‚Wassergucken’ und anschließend über den Thüringer Wald und den Bayerischen Wald zurück“, erklärt Eberhard Kollmar, der baden-württembergischer Meister der offenen Klasse ohne Spannweitenbegrenzung beim Leistungsfliegen im Streckensegelflug. Er ist nicht der einzige im Verein, der auf Überlandflüge steht. Auch Johannes Schmid gehört dazu, der zusammen mit Kollmar und einem weiteren Kollegen eine AHS31MI, einen Einsitz-Segler mit 21 Meter Spannweite, besitzt.

Bevor mit dem Streckenflugzeug zu einem Überlandflug ohne Zwischenlandung gestartet wird, gibt es allerhand vorzubereiten. „Zuerst wird nach dem Wetterbericht geschaut, dann mit einer speziellen Software gecheckt, wo sich das Wetter gut für einen Streckenflug entwickelt“, erklärt Kollmar. „Dann wird eine Dreiecksstrecke festgelegt. Ziel ist, die Wendepunkte zu erreichen, die Strecke von 500 bis 1000 Kilometern am Stück und nur mit der Energie der Sonne zurück zu legen und abends wieder zurück zu sein.“ Im Zickzack wird den Aufwinden nachgeflogen. „Beim Geradeausflug sind bis zu 270 Stundenkilometer erlaubt“, erklärt Schmid, „aber meistens fliegen wir zwischen 150 und 180 Stundenkilometer“.

Durchschnittlich fünf Mal im Jahr kommt es beim Aero-Club Göppingen-Salach zu Außenlandungen. „Wenn ein Segelflieger auf einem Acker steht, ist es also nicht immer ein Notfall, sondern meist eine beabsichtigte Landung, weil die Thermik nicht mehr ausgereicht hat“, erklärt Kollmar. Dann heißt es je nach Maschine: mit dem ausklappbaren Motor zurück fliegen oder sich mit dem Anhänger abholen lassen. Bei der deutschlandweiten Wertung im Leistungsfliegen zählt dann nur die Strecke bis zur „Zwischenlandung“.

Obwohl die Piloten oft zehn bis elf Stunden allein im Cockpit unterwegs sind, wird ihnen nie langweilig. „Es gilt ständig konzentriert zu sein, Entscheidungen zu treffen und Aufgaben zu erledigen“, berichten Kollmar und Schmid. Sie lachen bei der vorsichtigen Anfrage, was denn passiere, wenn die Blase sich mal meldet. „Diese Frage kommt immer. Auf jeden Fall nicht landen“, lautet die Antwort. Kollmar verrät augenzwinkernd: „Ich trinke morgens nur eine Tasse Kaffee und unterwegs nur kleine Schlucke“ und Schmid erklärt: „Man kann den Körper auch trainieren.“ Aha!?

Angst vorm Fliegen? Darüber können die beiden Piloten nur lachen. „Beim Autofahren kann auch was passieren“, meint Schmid lakonisch, macht jedoch deutlich: „Allerdings sollte man beim Fliegen möglichst wenig Fehler machen, sich konsequent an die Verhaltensregeln halten und nicht fliegen, wenn man einen schlechten Tag hat.“ Er hat einen Menge Spaß daran, schöne Luftaufnahmen zu machen und Wolkengebilde zu fotografieren und hat einen festinstallierten Fotoapparat im Flugzeug.

Eberhard Kollmar dagegen genießt die pure Lust am Fliegen: „Das Geilste ist eine Wolkenstraße mit Aufwinden, auf der man im Delphinstil fliegen kann. Das macht richtig Laune. Wenn man Glück hat, erwischt man manchmal eine, die 30 bis 50 Kilometer lang ist.“ Johannes Schmid bestätigt: „Segelfliegen ist wie ein Virus. Schon wenn man einen Meter in der Luft ist, hat man allen  vorher notwendigen Aufwand vergessen.“

Info Vom Sonntag, 20., bis Samstag, 26. August, wird auf dem Flugplatz Nortel in Gruibingen die Weltmeisterschaft für Modellflugzeuge im GPS-Dreiecksfliegen ausgetragen.

Ziel Beim Segelfliegen besteht die Herausforderung darin, durch geschicktes Nutzen von Aufwindfeldern den reinen Gleitflug so lang als möglich zu gestalten. Mit heutigen Hochleistungsflugzeugen sind 500 bis 1000 Kilometer im reinen Segelflug kein Problem. Nach einem einmaligen Schlepp durch die Winde oder einem Motoreigenstart auf etwa 500 Meter Höhe über Grund wird ausschließlich die Energie der Sonne genutzt.

Aufgabe Beim Leistungsflugwettkampf fliegen die Piloten im reinen Segelflug ein vorher festgelegtes Dreieck. Ein Logger zeichnet den Flug per GPS-Signal auf und überwacht, ob zwischendurch unzulässigerweise der Motor gestartet wurde. Die Daten werden auf einen zentralen Server hochgeladen. Die Wertungsstelle ermittelt anhand von Strecke und Durchschnittsgeschwindigkeit Tages-, Jahres- und Vereinssieger. Wer innerhalb eines Jahres die besten sechs Flüge abliefert, ist Champion.

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