"Respekt" gegen Aggression

Gewaltprävention durch Kampfkunst - was zunächst wie ein Widerspruch klingt, bewährt sich in der Praxis. Der CVJM Uhingen organisiert seit diesem Schuljahr das Projekt "Respekt" an der Hieberschule.

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Beim Projekt "Respekt" an der Uhinger Hieberschule lernen die Kinder mit Hilfe von Judo, Jiu Jitsu und Tai Chi, wie man respektvoll miteinander umgeht. Foto: Margit Haas

Bis die Matten alle in der Turnhalle der Uhinger Hieberschule ausgebreitet sind, geht es ziemlich lautstark zu. Jeder der Schüler scheint dem oder der anderen Anweisungen zu geben - und dann ist es plötzlich mucksmäuschenstill. Alle beobachten genau, was Oliver Frank vorgibt, jede seiner Bewegungen und Gesten wird akribisch nachgemacht.

Seit Anfang dieses Schuljahres führt der Jugendreferent des CVJM Uhingen an der Schule das Projekt "Respekt" durch. "Es ist uns als christlichem Verein, der eng mit der Evangelischen Kirchengemeinde Uhingen zusammenarbeitet, ein besonderes Anliegen, jungen Menschen in ihrer Lebenswelt zu begegnen", stellt Frank fest. Über die üblichen kirchlichen Gruppenangebote hinaus wurde deshalb das Schulprojekt gestartet. "Es fördert die Gemeinschaft, stärkt die Persönlichkeit der Schüler und baut Aggressionen ab", weiß der 33-Jährige.

Das Konzept war vor zehn Jahren von der Bereitschaftspolizei Böblingen im Rahmen der Gewaltprävention entwickelt worden. Oliver Frank hat sich für dieses Projekt ausbilden lassen. "Es besteht aus drei Bausteinen", erklärt er. Beim Judo gehe es um gesundes Ringen und Raufen zum Abbau von Aggressionen. Das stärke das Selbstwertgefühl. Beim Jiu Jitsu werden gemeinsame Bewegungsabläufe trainiert, die zu einem Gruppengefühl führen. Tai Chi beruhige, bringe die Schüler zu sich selbst. Nach mehreren Monaten an der Schule hat der Jugendreferent "das Gefühl, dass sich langsam ein besseres Miteinander entwickelt".

Das bestätigt auch Tanja Bittlingmaier, die Klassenlehrerin. "Die Schüler gehen viel respektvoller miteinander um", beobachtet sie im Schulalltag. Währenddessen fordert Oliver Frank die Klasse 4b auf: "Legt bitte Euren Schmuck ab. Ich zeige Euch heute neue Haltegriffe und da würde er nur stören". Er lässt die Kinder durch die Halle laufen, sich aufwärmen und sich dabei immer näher kommen. Der aufmerksame Betrachter merkt schnell, wem die Kinder vertrauen und wem sie mit Vorsicht begegnen. Ein Schüler verhält sich aggressiv und wird von allen automatisch auf Distanz gehalten. Davon abgesehen sind alle begeistert von der etwas anderen Unterrichtsstunde. "Die Übungen machen Spaß", bekräftigt Cedric und erhält Beifall von seinen Klassenkameraden Dennis, Mustafa und Fabio.

Auch die Mädchen sind begeistert, genießen die Abwechslung, sagt Ina. Alle werden nach den ersten Übungen gelobt. "Das habt Ihr richtig Spitze gemacht", freut sich Oliver Frank. "Ich bin stolz auf Euch."

Wie er stecken auch alle Kinder in blütenweißen Judoanzügen. Die Anzüge wie auch die Judomatten waren bislang von einer Privatperson vorfinanziert worden. Alleine die Kosten dafür betragen 2000 Euro. Auch die Kreissparkasse und die Volksbank Göppingen haben sich an diesen Kosten beteiligt. Denn weder die Schule noch der CVJM können das Projekt aus eigenen Mitteln finanzieren.

"Respekt" soll zudem weiter geführt, ausgebaut und idealer Weise in jedem Schuljahr bei allen dritten und fünften Klassen angeboten werden. "Dafür ist ein zweiter Klassensatz Judoanzüge notwendig", stellt Oliver Frank fest. Für mehrtägige erlebnispädagogische Aktionen wird zudem Geld benötigt. Auch dies können Schule und CVJM nicht aufbringen. Die NWZ-Aktion "Gute Taten" unterstützt deshalb das Projekt "Respekt".

Info www.cvjm-uhingen.de

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