"Ohne den Sport könnte ich mir mein Leben nicht vorstellen"

Inga Schaar aus Unterböhringen spielt seit neun Jahren Fußball im SSV Hausen. Die 18-jährige Co-Kapitänin der Bezirksligamannschaft verfolgt die Fußball-WM der Frauen aufmerksam.

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Inga Schaar vom SSV Hausen  Foto: 

Ihrer Sportlehrerin in der Grundschule hat es Inga Schaar zu verdanken, dass sie zur Fußballspielerin wurde. Die Lehrerin nämlich hatte damals kurzerhand die elf Mädchen ihrer Klasse für die Schulmannschaft verpflichtet. Die Grundschülerinnen spielten beim 3-Löwen-Cup des Landes mit, und Inga Schaar fand so viel Gefallen an dem Sport, dass sie ohne zu zögern in das Team eintrat, das der Vater einer Schulkameradin in der Folge im SSV Hausen gründete.

Seither kickt die 18-Jährige als linke Innenverteidigerin in der Spielgemeinschaft mit Gosbach. "Ich habe schon immer hinten gespielt, die Position gefällt mir gut", sagt sie. Dass sie zum Fußball kam und dabei blieb, ist für die Schülerin naheliegend: Der Mannschaftssport macht ihr großen Spaß, Einzelsportarten findet sie eher langweilig. Und: "Ich war schon als kleines Mädchen ein kleiner Haudrauf und hatte keine Angst vorm Ball." Das gelte aber nicht für alle Fußballerinnen, fügt sie grinsend hinzu. "Es gibt auch bei uns in der Bezirksliga Spielerinnen, die sich im Duell vom Ball wegdrehen, wenn er auf sie zukommt. Das ist schon ein bisschen lustig."

Auch wenn der Einzelsport nichts für Inga ist: Laufen geht sie trotzdem regelmäßig - der Kondition wegen. Denn die 18-Jährige hat hohe Ansprüche an sich selbst. Im Training der Spielgemeinschaft kommt ihr das Ausdauertraining ein bisschen zu kurz. Also geht sie auf eigene Faust ein- bis zweimal in der Woche auf ihre Zehn-Kilometer-Joggingrunde im Wald. Nun startete sie fürs Wirtschaftsgymnasium beim Geislinger City-Lauf. Früher tanzte die Unterböhringerin sogar noch Standardtänze, "das war ein guter Gegensatz".

Doch mit dem Fußballtraining und den schulischen Anforderungen wurde es irgendwann zuviel, und als ihr Tanzpartner aufhörte, ließ auch sie das Tanzen sein.

Nun also vor allem Fußball: "Ohne den Sport könnte ich mir mein Leben nicht vorstellen", meint Inga. Schon jetzt beschäftigt sie die Frage, wie sie ihr Hobby nach der Schulzeit mit dem Studieren vereinbaren kann. Derzeit bewirbt sich die Zwölftklässlerin für ein duales Studium in Stuttgart. Für Inga ist schon klar, dass sie ins Studentenwohnheim ziehen wird. "Ich hoffe, dass ich trotzdem noch hier Spiele machen kann - vielleicht kann ich in Stuttgart irgendwo mittrainieren."

Ausbildung, Beruf und Training unter einen Hut zu bringen, das ist für alle Amateursportler schwierig. Bei den Fußballerinnen umso mehr - das bekam Ingas Mannschaft in dieser Saison besonders zu spüren. "Wir sind sowieso nicht viele Spielerinnen und haben uns deshalb ja mit Gosbach zusammengeschlossen. Dieses Jahr haben viele aus unserer Mannschaft ihr Abi gemacht, etliche waren krank", schildert Inga die Probleme. "Deshalb lief unsere Saison nicht ganz so gut."

Die Spielgemeinschaft schloss auf dem vierten Platz in der Bezirksliga ab. Vielleicht klappe es ja nächstes Jahr mit dem Aufstieg, hofft Inga. Am Boden zerstört ist sie wegen eines verlorenen Spiels aber nie, betont sie. "Wenn wir verlieren, ist das zwar schade, aber mir geht es in der Mannschaft um den Spaß." Und den haben Inga und ihre Teamkameradinnen. Viele kennt sie noch aus der Grundschulmannschaft, ist mit etlichen gut befreundet, und zusammen gehen sie wandern oder grillen.

"Unser Beispiel zeigt, dass Fußball kein reiner Jungs- oder Männersport ist: Wir Mädchen waren damals in der Schule alle davon begeistert und sind dabei geblieben." Der Vorteil für die Jungs sei, dass sie automatisch von klein auf Fußball spielten, meint Inga: "Die sind im Verein, die Begeisterung ist sofort da." Weil Fußball nicht gleich von Anfang an für Mädchen angeboten werde, interessierten sich diese auch nicht so dafür. Eins sei aber auch klar: "Es gibt Riesenunterschiede zwischen den Männern und Frauen." Jungs spielten viel körperbetonter, schössen härter und liefen viel mehr. Inga beobachtet außerdem: "Mädchen gehen ganz anders miteinander um. Die sind aber nicht netter, die motzen eher rum und zicken. Jungs hauen sich dagegen gleich."

Schön fände die Unterböhringerin es deshalb, eine Trainerin zu haben. Die könnte Streits unter Mädchen vielleicht besser schlichten, überlegt die 18-Jährige.

Blöde Sprüche über fußballspielende Mädchen bekommt Inga selten zu hören. Ihre Freunde und ihre Familie kennen es nicht anders - ihr Bruder kickt auch -, und Fremde reagierten zwar überrascht, aber vor allem interessiert an ihrem Hobby. Frauenfußball gucken wollen allerdings nur die wenigsten mit ihr; sie selbst schaut derzeit nur die WM-Spiele, die nicht allzu spät in der Nacht stattfinden. "Das Interesse ist einfach nicht so groß wie bei den Männern", meint sie enttäuscht. Dabei seien die Frauen sehr erfolgreich und spielten gut. "Auch wenn man merkt, dass noch Dampf fehlt", schränkt sie ein. "Die müssen noch ein bisschen reinfinden." Inga traut dem Team aber zu, "dass sie schon noch ein ganzes Stück weiterkommen".

Richtige Vorbilder hat der VfB-Fan nicht - vielleicht die Abwehrspielerin Jennifer Cramer, die Ingas Rückennummer, die "15", trägt. Deren Spielzüge studiert sie aufmerksam. Stars wie Philipp Lahm schaut sich Inga auch genau an, "aber da habe ich eher Respekt, als dass so jemand ein Vorbild für mich ist".

Und wie geht es bei Inga fußballerisch weiter? "Ich bin schnell und Kopfballstark", sagt sie selbstbewusst. "Ich muss aber weiter an meiner Technik und an meinem Zusammenspiel arbeiten. Wenn ich mal ans Tor komme, kann es schon vorkommen, dass ich es versemmle. Da möchte ich besser werden."

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Zur Fußball-WM der Frauen beleuchtet die GEISLINGER ZEITUNG mit Porträts und Hintergrundgeschichten die Situation im Frauenfußball. Wir stellen kickende Frauen aus dem Raum Geislingen vor, fragen nach Vorbildern und Vorurteilen und untersuchen, was den Frauenfußball von dem der Männer unterscheidet.

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