"Musik ist mein Leben"

"Musik machen ist unglaublich erfüllend", sagt der frisch gebackene Diplom-Opernsänger Christian Wilms. Der 30-Jährige aus Deggingen hat bereits an 13 Opernproduktionen mit teilgenommen.

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Eigentlich steht Christian Wilms auf Musik von Metallica oder AC/DC. Das Schlagzeug war 17 Jahre lang"sein" Musikinstrument. In seiner Freizeit fährt er gern Motorrad. Das alles widerspricht dem gängigen Bild eines elitären, künstlerisch etwas abgehobenen Opernsängers. Das ist Christian Wilms auch gar nicht. Doch genau diese Ausbildung hat der 30-Jährige Anfang Juli an der Musikhochschule in Stuttgart mit Erfolg abgeschlossen. Jetzt ist er ein"freier Tenor" auf der Suche nach Agenten, um auf dem Markt Fuß zu fassen und sich einen Namen zu machen.

"Es ist ein Privileg und Traum, diesen Beruf ausüben zu können", findet der Degginger, der heute in Stuttgart wohnt. Musik liebt der junge Mann schon seit seiner Kindheit. Er sang in Chören, die seine Mutter Christine leitete und hörte seinen Vater Friedhelm als Solisten in anderen Chören Beifall einheimsen. Wie bei vielen anderen Kindern begann seine Karriere mit der Blockflöte. Die jedoch tauschte er im Alter von acht Jahren gegen ein Schlagzeug ein. Dem er dann 17 Jahre lang treu blieb. Er sammelte sogar erste Auftritt-Erfahrungen mit seiner Rockband"Chaos-Brothers", die er als Jugendlicher mit Kumpels gegründet hatte.

Erst auf dem Musikinternat in Michelbach, auf das er nach der 10. Klasse im Michelberg-Gymnasium wechselte, lernte er darüber hinaus Singen und Klavier spielen. Da war Christian Wilms bereits 18."Ach ja, ein bisschen Saxofonunterricht hatte ich auch mal, Posaune und Gitarre hab ich mir selbst beigebracht", fügt er fast nebenbei noch hinzu.

Trotzdem wollte er beruflich Schlagzeuger werden, wählte die Percussions im Leistungskurs Musik beim Abitur zum Schwerpunkt-Thema.

Allerdings horchte er danach nicht auf seine innere Stimme. Der"beruflichen Sicherheit" zuliebe entschied er sich dafür, auf der Pädagogischen Hochschule in Freiburg Musik fürs Lehramt zu studieren. Dass er gut mit Kindern und Jugendlichen klar kam, wusste er aus seiner Zeit als Pfadfinder-Leiter in Deggingen.

"In Freiburg bekam ich, allerdings erst im 2. Semester, zum ersten Mal richtig professionellen Gesangsunterricht", erzählt Wilms und lacht, als er sich daran erinnert, dass der dortige Professor ihn wegen seiner Begabung sofort auf die Musikhochschule schicken wollte. Doch erst absolvierte der PH-Student noch die Chorleiter-Ausbildung und beendete die drei Semester Gesangsunterricht. In seiner Freizeit verbrachteer viel Zeit in einer erfolgreichen Ska-Band (namens"neBRASSka") , mit der er ganze Wochenenden deutschlandweit auf Tournee war. Anfangs spielte er in dieser elfköpfigen Formation Schlagzeug, wechselte später jedoch über auf Gesang.

Was ihn bis Mitte 20"überhaupt nicht interessiert hatte", nämlich die Klassik, änderte sich, als er tatsächlich sein Lehrer-Studium abbrach und auf die Musikhochschule wechselte."Das war das Beste, was ich machen konnte", ist sich der Sänger heute sicher. Von der Pike auf lernte er alles, was mit Gesang und Oper zu tun hatte."Das Singen ist ein Entwicklungsprozess", führt Christian Wilms aus, es dauere Jahre, bis der gesamte Gesangsapparat auftrainiert sei."Singen ist Leistungssport, den man nicht sieht", beschreibt er."Um auf der Bühne drei Stunden lang gut zu klingen und ohne Mikrofon einen Saal mit der Stimme zu füllen, braucht man Training, Training, Training." Schauspielunterricht gehört ebenfalls mit zur Ausbildung eines Opernsängers, man singt seine Rollen nicht nur, man spielt sie auch.

Während der vergangenen zehn Semester spielte und sang der Opern-Tenor an 13 Opern-Produktionen mit, in Nebenrollen genauso wie in Hauptrollen. Zu seinen aufregendsten Erfahrungen gehörten dabei die Stauferfestspiele in Göppingen vor zwei Jahren, weil dort renommierte Künstler dabei waren. Von April bis Juni dieses Jahres hatte der Schwabe ein Engagement an der Kölner Oper, wo er zwar nur eine kleine Rolle bei Wagners"Meistersingern" ausfüllte, aber gemeinsam mit Opern-Star Michael Volle auf der Bühne stand."Das war der Wahnsinn", schwärmt Wilms noch heute.

"Bayreuth irgendwann wär toll", sinniert der frisch gebackene Opernsänger, der schon viele Termine für Konzerte und Opernauftritte bis August nächsten Jahres im Terminkalender stehen hat."Klar träume er von einer großen Karriere", gibt der 30-Jährige zu. Doch er sei Realist genug, um dankbar zu sein, wenn er überhaupt mal eine Familie mit seinem Beruf ernähren könne.

Trotzdem ist er 100-prozentig davonüberzeugt, seinen Traumberuf gefunden zu haben."Musik ist mein Leben", bringt er dieseÜberzeugung auf den Punkt.

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