Einsatz rund um die Uhr im Sicherheitstrakt (3)

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Polizeipräsidiums Einsatz: 
Hier, im Führungs- und 
Lagezentrum, laufen die 
Fäden zusammen. 
 Foto: Giacinto Carlucci 1/2
    Die Schaltzentrale des Polizeipräsidiums Einsatz: Hier, im Führungs- und Lagezentrum, laufen die Fäden zusammen. Foto: Giacinto Carlucci Foto: 
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    Blick auf die Landkarte des Bodensees. Foto: 
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Eine Familie meldet den Opa als vermisst. Der orientierungslose Senior irrt irgendwo umher, braucht Medikamente, ist hilflos. Ein solcher Anruf setzt im Führungs- und Lagezentrum (FLZ) des Polizeipräsidiums Einsatz eine Maschinerie in Gang: „Zunächst alarmieren wir die Hundeführer mit ihren Personenspürhunden“, sagt Dienstgruppenleiter Alexander Lugert. Endet die Spur an einem See, werden zusätzlich Taucher hinzugezogen. Ist der Mann durch ein größeres Waldstück gelaufen, schicken die Beamten im FLZ noch eine Schar Bereitschaftspolizisten los. Auch der Hubschrauber wird bei der Suche nach Vermissten oft eingesetzt. „Es sind viele Dinge gleichzeitig zu tun“, fasst Lugert zusammen.

Das FLZ gehört zum Führungs- und Einsatzstab und ist das Gehirn, die Schaltzentrale, des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen. Das „total neue Gebilde“, das im Zuge der Polizeireform vor knapp drei Jahren geschaffen wurde, ist in einem Sicherheitstrakt auf dem früheren „Bepo-Gelände“ untergebracht. 20 Mitarbeiter arbeiten hier rund um die Uhr in fünf Schichten und sind so etwas wie „Mädchen für alles“, sind Servicestelle und Führungsorgan, „wenn die Chefs nicht da sind“, erklärt Lugert. Die Beamten sind zentraler Ansprechpartner bei Einsätzen für Angehörige, aber auch für Polizisten. „Wenn ein Beamter beleidigt oder verletzt wurde oder ein Auto kaputt geht, kümmern wir uns darum“, konkretisiert der Schichtführer.

Zudem hält das FLZ engen Kontakt zum Innenministerium und zum Landeskriminalamt sowie allen anderen Polizeipräsidien im Land und zu den Spezialeinheiten bundesweit. „Beim Amoklauf in München haben wir auch Leute entsandt“, nennt Lugert ein Beispiel. Bei laufenden Einsätzen ist das FLZ „Führungsorgan“ und immer involviert bei sogenannten Sonderlagen wie Amokläufen, Geiselnahmen, Flugzeugabstürzen oder Entführungen. Die Beamten in diesem abgeschotteten  Büro müssen ständig Informationen bewerten und die Übersicht haben, welche Kräfte wo gebunden beziehungsweise verfügbar sind und sie dementsprechend einsetzen.  „Es ist jeden Tag was los“, sagt Alexander Lugert. Während des knapp einstündigen Gesprächs laufen rund 40 Einsätze in Baden-Württemberg, die das FLZ im Blick hat.

Im Unterschied zu den regionalen Polizeipräsidien nimmt die landesweite Schaltzentrale keine Notrufe entgegen. Dafür ist das FLZ originär für die Wasserschutzpolizei zuständig. Es koordiniert Einsätze, wenn ein Kind ins Eis einbricht oder ein Unglück auf dem Bodensee passiert, hat die Pegelstände im Blick und muss bei Hochwasser agieren. Auch wenn der Rhein verunreinigt ist oder der Neckar zu wenig Sauerstoff hat und ein Fischsterben droht, muss sich das Führungs- und Lagezentrum mit Sitz in Göppingen kümmern. „Wir sind auch die Kopfstelle für E-Mails, das sind mehrere Tausend im Monat“, nennt Lugert eine weitere Aufgabe.

Der Schichtführer sitzt in einem Nebenraum, die Arbeitsplätze sind leer. „Wir sind bedarfsmäßig aufgestellt. Wenn was Großes kommt, ist hier Full House“, meint Lugert. Kürzlich sei ein Mann in den Bodensee gesprungen, das Führungs- und Lagezentrum habe daraufhin eine international angelegte Suche starten müssen. Die Kooperation mit den Kollegen aus Bayern, Österreich und der Schweiz funktioniere hervorragend, unterstreicht Alexander Lugert. Der Polizeiführer vom Dienst kann sich keinen besseren Arbeitsplatz als das FLZ vorstellen: „Es ist schön, mit so vielen Menschen zusammenzuarbeiten.“ Es gebe zwar stets Veränderungen und es kämen immer wieder neue Aufgaben hinzu, „aber ich habe eine sehr interessante Tätigkeit“, freut sich der Schichtführer.

Zum Weiterlesen:

Kräftekoordination muss täglich „Tetris spielen“ (3)

2500 Mitarbeiter im Präsidium


Organisation: Der Führungs- und Einsatzstab beim Polizeipräsidium Einsatz ist unterteilt in den Stabsbereich Einsatz, dazu gehören unter anderem die Kräftekoordination, das Führungs- und Lagezen­trum sowie die Koordinierungsstelle Drohnen. Zum Stabsbereich Technik zählen der Fuhrpark, der Bereich Waffen und Geräte sowie die Informations- und Kommunikationstechnik, zum Stabsbereich Zentrale Dienste gehören wiederum der Einsatzpsychologische Dienst und die Spitzensportförderung.

Spitzensport: Mit der Spitzensportförderung schafft die Polizei im Land für herausragende Sportler die Möglichkeit, Berufsausbildung und die spätere Berufsausübung mit Freiräumen für Trainings- und Wettkampfzeiten zu vereinen. Voraussetzung für die Aufnahme in das Förderprogramm ist die Ausübung einer olympischen Sportart sowie die Zugehörigkeit zu einem geförderten Bundeskader. Infos unter www.polizei-bw.de oder www.spitzensport.polizei-bw.de

Psychologen: Die Unterstützung der Beamten durch Polizeipsychologen ist ein fester Bestandteil. Das Team besteht aus zwei Diplom-Psychologinnen und zwei speziell fortgebildeten Polizisten.

Drohnen: Seit Anfang 2016 betreibt das Land beim Polizeipräsidium Einsatz eine Informationssammelstelle sowie eine Koordinierungsstelle Drohnen. Drei Beamte sind in dieser Frage zentraler Ansprechpartner für Baden-Württemberg sowie für die anderen Bundesländer und den Bund.

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SERIE: Schaltzentrale Polizei

Die NWZ und die Filstalwelle stellen in den kommenden Wochen Arbeit und Struktur des Polizeipräsidiums Einsatz vor, das seit der Reform 2014 seinen Sitz in Göppingen hat.

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