"Kleinere Häuser müssen sich spezialisieren"

Die neue Klinik in Göppingen soll nach den neuen Plänen in einem Abschnitt gebaut werden und Erweiterungsmöglichkeiten bieten. Dr. Hans-Joachim Dietrich, der Chef der Kreisärzteschaft, findet das richtig.

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Über die Zukunft der Helfenstein-Klinik wird viel diskutiert.  Foto: 

Herr Dr. Dietrich, über kaum ein Thema wird im Landkreis derzeit so intensiv und hitzig diskutiert wie über den geplanten Neubau der Klinik in Göppingen. Hat Sie die Nachricht überrascht, dass in den neuen Plänen auch Erweiterungsmöglichkeiten berücksichtigt sind?

HANS-JOACHIM DIETRICH: Für mich war es plausibel, dass angekündigt wurde, dass die Architektenpläne insoweit geändert werden, dass man nach Fertigstellung eines Neubaus die Möglichkeit hat, die Bettenkapazität zu erweitern.

Halten Sie das für sinnvoll?

Ich finde dieses Vorhaben gut, da man auf Grund der demografischen Entwicklung nicht vorhersehen kann, wie der Bettenbedarf in mehreren Jahrzehnten sein wird und ob nicht neue Abteilungen aufgebaut werden müssen.

Wie beurteilen Sie die Aussagen des Landrats und der Geschäftsführung der Alb-Fils-Kliniken, dass eine Schließung der Geislinger Helfenstein-Klinik nicht geplant ist?

Von der aktuellen Lage ausgehend, ist dies sicher richtig.

Wie stehen Sie als Vorsitzender der Kreisärzteschaft grundsätzlich zur Fortführung der Helfensteinklinik?

Zur Zeit ist die Helfenstein-Klinik in ihrem Bestand zu gewährleisten, da sie die Versorgung der Bevölkerung im Raum Geislingen sicherstellt, und somit, sowohl für Patienten als auch für Angehörige, die notwendige Nähe schafft.

Glauben Sie, dass die Helfenstein-Klinik noch lange bestehen wird?

Diese Frage zu beantworten ist schlichtweg unmöglich, da wir zur Zeit sehen, dass nicht nur die Politik bestrebt ist, kleinere Häuser zu schließen, sondern auch plant, rund 25.000 Arztpraxen in Deutschland zu schließen. Wie beides ohne Einbußen der medizinischen Qualität erfolgen soll, ist mir unklar.

Wie könnte man den Bestand der Helfensteinklinik sichern?

Es gibt Beispiele in der näheren Umgebung, die zeigen, dass man mit einer hochgradigen Spezialisierung in kleineren Häusern einen Erhalt der Abteilungen sichern kann. Wir sehen dies zum Beispiel in einem kleineren Haus in unserer Nähe, in dem eine hochspezialisierte Abteilung diese quasi unverzichtbar macht. Hier müssen dann allerdings auch Spitzenleistungen erbracht werden.

Ist es ein Problem, dass eine Klinik zwei Standorte betreiben muss?

Selbstverständlich ist dies problematisch, da man bestimmte – hier sind es die großen und hochqualifizierten Eingriffe und diagnostischen Maßnahmen, die auch sehr kostenintensiv sind – nicht an zwei Standorten anbieten kann. Es muss eine sinnvolle Aufteilung geben. Und es ist wichtig, dass alle Akteure vertrauensvoll und kooperativ zusammenarbeiten.

Wie sehen Sie die wirtschaftliche Zukunft der Alb-Fils-Kliniken?

Ich habe die große Hoffnung, dass es gelingen wird, die Defizite zu verringern, wobei ich nicht verhehlen möchte, dass die Politik ein Einsehen haben muss, dass eine zunehmende Alterung der Bevölkerung auch zu höheren Kosten führt. Auch wird die Medizin immer komplizierter und aufwendiger. Und somit ebenfalls teurer.

Zur Person

Dr. Hans-Joachim Dietrich betreibt eine internistische Praxis in Göppingen und ist seit 17 Jahren Vorsitzender der Kreisärzteschaft. Seit rund 15 Jahren moderiert der Mediziner die erfolgreichen Arzt-Patienten-Foren in Göppingen. Darüber hinaus meldet sich der Chef der Kreisärzteschaft regelmäßig öffentlich zu aktuellen Entwicklungen im Bereich der Gesundheitspolitik zu Wort.

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