„Katastrophen“ sind Vergangenheit

|
Vorherige Inhalte
  • So fing alles an: Ein Sommerfest mit Zwillingen und Bobby-Car-Korso. Die damaligen Kinder sind heute erwachsen. 1/2
    So fing alles an: Ein Sommerfest mit Zwillingen und Bobby-Car-Korso. Die damaligen Kinder sind heute erwachsen. Foto: 
  • Sie lassen Gründerin Gundi Behnke hochleben: Alexandra Österreicher, Martina Waldenmaier, Andrea Reiner, Angelika Krätschmer) und Petra Dengel, Waltraud Dannenmann. 2/2
    Sie lassen Gründerin Gundi Behnke hochleben: Alexandra Österreicher, Martina Waldenmaier, Andrea Reiner, Angelika Krätschmer) und Petra Dengel, Waltraud Dannenmann. Foto: 
Nächste Inhalte

Es ist 25 Jahre her, dass Gundi Behnke in der Zeitung eine Annonce aufgab: Einen Zwillingstreff wollte die Mutter von Zwillingen gründen. Sie war gerade aus Norddeutschland nach Sparwiesen gezogen und sah dies als eine Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und sich mit anderen Zwillingsmüttern auszutauschen.

Die Annonce hatte Erfolg. Zwillingsmütter aus dem gesamten Landkreis meldeten sich. Neue stießen in den folgenden Jahren entweder durch Mund-zu-Mund-Propaganda da-
zu oder sie erfuhren bei einem der „Zwillings-Kleiderbasare“ von der Gruppe. Insgesamt waren es 28 Mamas und ein Papa, die sich im Lauf der Zeit beim „Zwillingstreff“ kennenlernten und sich über zwillingsspezifische Themen unterhielten.

„Der Austausch mit den anderen tat einfach gut“, schildert Alexandra Österreicher aus der „Zeit der Katastrophen“. So bezeichnet sie humorvoll die Jahre, als ihre Zwillinge noch klein und deren älterer Bruder gerade mal zwei Jahre älter war. Oft sei sie erleichtert von den Gruppentreffen heimgekommen, weil sie erfahren habe, „dass auch bei anderen nicht alles nach Plan läuft.“

Acht Frauen aus der Runde treffen sich bis heute regelmäßig einmal im Monat und gehen miteinander essen, ins Theater oder zur gemeinsamen Weihnachtsfeier. Immer noch ist es Gundi Behnke, die die Treffen organisiert – heute per Whatsapp. Die Zwillinge beherrschen nach wie vor die Gespräche – inzwischen geht es um deren Ausbildung, Studium oder Beziehungen. Das Chaos ist Vergangenheit. An „schlaflose Nächte“ erinnert sich Andrea Reiner und Barbara Lindner an die Verzweiflung, als ihre Kleinen laufen lernten: „Sie bewegten sich grundsätzlich in zwei Richtungen – ich wusste nie, wohin ich zuerst rennen sollte.“ „Rituale und Rhythmen im Alltag waren wichtig, um zu überleben“, sagt Martina Waldenmaier.

Der Zwillingstreff fand zu Beginn alle 14 Tage statt. Abwechselnd vormittags als Spielgruppe mit den Kleinen in einem Kirchengemeinderaum in Sparwiesen oder abends in der TSV-Gaststätte. „Das war unser freier Tag“, sagt Alexandra Österreicher, die anderen nicken und strahlen bei der Erinnerung. Zweimal im Jahr organisierten Gundi Behnke und ihre Frauen über Jahre hinweg den „Zwillings-Kleiderbasar“. Da war immer viel los, erzählen die Frauen. Natürlich seien auch Mütter von Nicht-Zwillingen gekommen. „Aber vor allem angehende Zwillingseltern freuten sich über die Möglichkeit, günstig Zwillingsausrüstung wie Kinderwägen und Zwillingsbuggys zu erstehen.“

Im Lauf der Jahre änderten sich die Themen. Die Zwillingsmütter erörterten Vor- und Nachteile dessen, ob es besser sei, die Kinder in dieselbe Kindergartengruppe zu geben oder zu trennen, in dieselbe Klasse oder nicht. „In verschiedenen Klassen ist der direkte Vergleich zwischen den Kindern nicht so leicht möglich“, hat Petra Dengel festgestellt und für ihre Kinder als Vorteil betrachtet. Auch Martina Waldenmaiers Töchter entschieden sich in der Realschule bewusst für zwei Klassen. „Weil sie oft verwechselt wurden bei der Benotung. Obwohl sie sich gar nicht ähnlich sehen“, begründet sie.

Heute liegen die Herausforderungen mit Zwillingen eher im logistischen Bereich. „Wen besuchen wir am Geburtstag, wenn die erwachsenen Zwillinge getrennt feiern?“ war etwa eine Überlegung, die Alexandra Österreicher und ihr Mann in diesem Jahr treffen mussten.

Trotz aller Anstrengungen sind sich die Zwillingsmütter nach den 19 bis 25 Jahren Erfahrung heute einig: „Schee war’s.“ Sie erzählen von Sommerfesten, bei denen 30 Kinder einen Bobby-Car-Zug bildeten. Davon, dass sich auch die Männer im Lauf der Jahre bei den jährlichen Weihnachts-, 1.-Mai- oder Sommerfesten kennenlernten. „Und dass Väter von Zwillingen eigentlich immer ein Kind auf dem Arm hatten.“

Die Gruppe bedankt sich bei ihrer „Chefin“ Gundi, die heute einen runden Geburtstag feiert: „Danke für 25 Jahre Zwillingstreff!“

Geschlossen Der
Zwillingstreff Spar-
wiesen hat sich inzwischen zu einem „geschlossenen“ Kreis entwickelt, dessen Mitglieder sich heute vorwiegend aus Tradition und Freundschaft treffen.

Mehrlingstreff Einen aktuellen „Mehrlingstreff“ gibt es beim Haus der Familie in Göppingen. Auch dort erhalten Eltern von Zwillingen und Mehrlingen Anregungen und Informationen, können sich mit Gleichgesinnten austauschen und Kontakte knüpfen.

Villa Butz Der Mehrlingstreff ist kostenlos und findet am ersten Montag im Monat (außerhalb der Ferien) von 15 bis 17 Uhr in der Villa Butz als Kooperationsveranstaltung zwischen dem Haus der Familie und der Lebenshilfe Göppingen statt. Kontakt: Haus der Familie: Tel: (07161) 96051 - 10, E-Mail: info@hdf-gp.de. Die Homepage lautet www.hdf-gp.de.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Frischzellenkur für Notare

Am 1. Januar tritt die Notariatsreform in Kraft: Für Bürger ändert sich einiges. Die Grundbücher werden nun zentral in Ulm verwaltet. weiter lesen