INTERVIEW mit Sepp Vogler vor Verabschiedung

Bürgermeister Sepp Vogler wird am Donnerstagabend offiziell verabschiedet und blickt im Interview auf seine Amtszeit zurück.

|
Hat viel angepackt und scheute sich nicht vor klaren Worten: Sepp Vogler. Jetzt geht der Ebersbacher Bürgermeister in den Ruhestand.  Foto: 

Am Donnerstagabend wird der Ebersbacher Bürgermeister Sepp Vogler offiziell verabschiedet. Die Feier in der Aula des Raichberg-Schulzentrums sollte auf seinen eigenen Wunsch eigentlich „ganz klein, maximal eine Stunde lang“ werden: „Die Gäste sollen nicht stundenlange Reden anhören müssen“, sagte er zur Begründung. Doch so groß das Bemühen des Organisators, Hauptamtsleiter Günther Pfeiffer, auch war, anderthalb bis zwei Stunden werden es wohl doch werden.

Herr Vogler, was überwiegt? Vorfreude auf den Ruhestand oder leise Wehmut?

Sepp Vogler: Also, wenn ich ganz ehrlich bin, ist es die Vorfreude auf den Ruhestand. Und ich bin sehr daran interessiert, dass es kein Unruhestand wird. Was natürlich nicht heißt, dass ich das ein oder andere nicht ehrenamtlich machen werde, zum Beispiel  mehr Bürgerbus fahren oder Organisationen zur Verfügung stehen wenn es beispielsweise darum geht, etwas zu moderieren oder zu strukturieren, weil das etwas ist, was ich in der Zeit, bevor ich Bürgermeister war, häufig gemacht habe und gut kenne.

Nicht zu vergessen, die kulturelle Benefizveranstaltung, die sie im Frühjahr organisieren wollen . . .

Ja, genau. Obwohl ich die Wette (beim diesjährigen Stadtfest, Anm. der Red.) gewonnen habe, ist es so, dass ich von allen Beteiligten gebeten wurde, ob ich diese Veranstaltung nicht trotzdem organisieren möchte. Wenn es soweit ist, werde ich auf die entsprechenden Mitarbeiter zugehen, vor allem auf Herrn Vogl bei der Stadtverwaltung und den Leiter der Musikschule. 2015 hatten wir hier im Zuge der Städtepartnerschaft einen musikalischen Bummel in der Stadt veranstaltet. Etwas in diese Richtung könnte ich mir ganz gut vorstellen. Die Vorbereitungen werden aber erst im neuen Jahr beginnen.

Wenn Sie Ihre Amtszeit in einem einzigen Satz zusammenfassen müssten, wie würde der lauten?

Der würde lauten: „Ich möchte es nicht missen, dass ich Ebersbacher Bürgermeister sein durfte.“ Denn das war für mich eine große Ehre, aber auch eine große Verpflichtung. Mich damals als Quereinsteiger zur Wahl zu stellen, war durchaus mit Risiken verbunden.

Wenn Sie Ihre achtjährige Amtszeit Revue passieren lassen, welches waren Ihre größten Erfolge? Wo konnten Sie am meisten bewegen?

Ich glaube, die städtebauliche Entwicklung in diesen acht Jahren war prägend. Angefangen mit dem Kauffmann-Areal. Wir hatten eine weitere große Investition mit dem Feuerwehrmagazin. Diese beiden großen Projekte haben enorm viel Zeit, Energie, Koordination und Verhandlungen benötigt.  Wir haben 2009 bis 2017 Investitionen in Höhe von 65 Millionen Euro gestemmt, das ist schon der Hammer.  Das Kauffmann-Areal ist für die Stadt eine unglaublich wichtige Maßnahme. Der zweite Punkt sind unsere Bemühungen im Bereich „BEBiE“. Wir hatten 2010 eine Prognose des Statistischen Landesamtes, dass wir bis 2030 zehn plus x Prozent Einwohner verlieren. Fakt ist, dass wir seit 2011 stetig wachsen. Das muss weiter unser aller Ziel bleiben.

Sie haben bei den Finanzen  immer für die Schwarze Null bis 2016 gekämpft. Das ist nicht erreicht worden. Wie ist Ihre persönliche Bilanz bei dem Thema?

Ich habe vor zwei Jahren im NWZ-Interview gesagt, ich möchte nicht als Schuldenbürgermeister in die Annalen eingehen. Seit 2014 dränge ich den Gemeinderat, wir müssen jetzt anfangen mit einer Haushaltskonsolidierung, weil wir dann Zeit haben, die Themen sehr gründlich, sehr tief und ohne Zeitdruck anzugehen. Ich habe leider nicht die volle Rückendeckung meiner gesamten Verwaltung gehabt und auch nicht die des Gemeinderats. Und dass ich das angesprochen und kommentiert habe, war einer der Aufreger beim Neujahrsempfang 2017. Wir haben in den letzten Jahren dann sehr wenig Schulden gemacht.

Was heißt das konkret?

Als ich 2009 übernommen habe, hatte die Stadt eine Rücklage von circa 6 Millionen Euro. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat das auf einen Schlag aufgesogen. In unserer Klausur 2009 hatten wir ein Verschuldungsziel gesetzt bis 2013, das lautete 7,5 Millionen Euro. Heute haben wir einen Schuldenstand von 5,5 Millionen.

Sie sind ja auch Chef der Rathausverwaltung. Im Gemeinderat wurde immer wieder thematisiert, dass die Rathausmitarbeiter mit zuviel Arbeit überlastet sind.

Ich werde mich in meiner Abschiedsrede ganz explizit für die außerordentliche Unterstützung  und Loyalität der städtischen Mitarbeiter bedanken. Wir haben große Investitionen getätigt, die sind eigentlich mit dieser Mannschaftsstärke nicht zu leisten, außer man gibt Vollgas. Aber man kann nur für begrenzte Zeit Vollgas geben, sonst zeigen sich Verschleißerscheinungen.

Beschließt der Gemeinderat mehr Vorhaben, als die Verwaltung bewältigen kann?

Nein, das Problem ist anders gelagert. Wenn wir einen Haushalt aufstellen, werden die Ämter und Sachgebiete beauftragt, ihre Haushaltsanträge zu stellen. Die Mitarbeiter sagen natürlich, bevor ich irgendetwas vergesse, und hinterher kein Geld habe, beantrage ich lieber alles, was mir einfällt. Dann gibt es regelmäßig hier am Tisch in meinem Büro sogenannte Streichkonzerte. Wenn aber Bereiche sagen, wir wollen das unbedingt und können das auch leisten, dann sage ich doch nicht: Ihr dürft nicht. Dieses Thema ist ein bisschen auch hausgemacht. Ich bin eher derjenige, der sagt: Nehmt euch weniger vor. Oder holt euch externe Unterstützung, wenn es nötig ist.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger Eberhard Keller als Ratschlag mit auf den Weg?

Ich werde ihm keine Ratschläge geben, denn auch Ratschläge sind Schläge. Er ist ja seit einigen Wochen regelmäßig mittwochs bei unseren Leitungsteamrunden dabei und bleibt dann auch den ganzen Tag da. Er arbeitet sich gemeinsam mit mir in wichtige Themen ein.  Und diese Zukunftsthemen sind Bildung, Stadt­­-
entwicklung, Wohnen und Arbeiten, Finanzen und personelle Ressourcen. Er kennt all diese Themen und ich wünsche ihm, dass er mit der großen Kompetenz, die hier im Hause vorhanden ist, und ich kann das aus eigener Erfahrung sagen, denn ich bin ja als kommunalpolitischer Quereinsteiger hierhergekommen und habe mich am Anfang  sehr auf diese Kompetenz verlassen müssen, dass er genauso unterstützt wird, wie ich vor acht Jahren unterstützt worden bin.

Es heißt ja, Ruheständler haben nie Zeit. Womit haben Sie die Zeit nach dem 13. August verplant?

Ich werde mich sicher viel mehr bewegen als heute. Und ich werde Zeit haben für mich, für meine Frau, für die Themen, die mir und uns wichtig sind. Für meine Kinder, für meine Enkel. Es ist für mich ein ganz großes Glück, dass ich drei Enkel habe. Wir haben schon den ganz konkreten Auftrag, in der zweiten Septemberhälfte für mindestens zwei Wochen in Berlin zu sein. Mein Sohn lebt mit seiner Familie dort. Dann wird meine jüngste Enkelin, die Wilma, in die Krippe eingewöhnt, und da sind die Großeltern gefragt. Ich war ja als Bürgermeister oder früher als Berater häufiger in Berlin, aber da hat man immer nur geschaut, wann geht der letzte Flieger hin und wann der erste wieder zurück. Wir werden jetzt viel Zeit haben, uns Berlin genauer anzuschauen. Ich freue mich auch total darauf, mehr von Deutschland kennenzulernen. Und es wird sicher die eine oder andere Reise geben, die uns über die Landesgrenzen hinausführt.

Sie werden also nicht Kommunalberater wie etliche Ihrer Kollegen?

Nein. Ich war 20 Jahre lang Berater. Aber anders als meine Kollegen bin ich kein kommunaler Fachberater. Was ich gemacht habe, war Teamentwicklung und Prozessberatung. Organisationsveränderungen scheitern häufig daran, dass die Menschen zu wenig mitgenommen werden. Aber wenn  Büros, mit denen ich früher intensiv zusammengearbeitet habe, sagen: „Schön, Sepp, dass du im Ruhestand bist. Wir haben da ein großes Projekt, hättest du Zeit, den einen oder anderen Workshop zu machen?“, da werde ich sicherlich nicht nein sagen. Aber das muss absolute Nebensache bleiben. Ruhestand ist angesagt.

Amtszeit: Sepp Vogler ist 67 Jahre alt und seit acht Jahren Bürgermeister von Ebersbach. Nachdem er nicht mehr zur Wiederwahl antrat, endet seine Amtszeit am 13. August. Heute Abend wird er um 19 Uhr in der Aula des Raichberg- Schulzentrums offiziell verabschiedet.

Berufsleben: Er hat mit 17 Jahren eine Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst  begonnen und nach deren Abschluss in Konstanz Verwaltungswissenschaften mit Schwerpunkt Personal und Organisation studiert. Er war in der Industrie tätig und selbständig als Trainer, Berater und Coach.

Familie: Sepp Vogler ist verheiratet, hat zwei Kinder und drei Enkel. Seit 1982 wohnt er in Roßwälden.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Göppinger „Brezeltaste“ gerät schon in die Kritik

Das Kurzparken in der Hauptstraße ist kurz nach der Einführung bereits wieder ins Gerede gekommen. Außerdem sind nächtliche Verkehrsrowdys vielen in Dorn im Auge. weiter lesen