„I dät den Kerle glei wieder heiraten“

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Blicken auf 65 glückliche Ehejahre zurück: Gerda und Erich Bässler in ihrer Wahlheimat Bad Boll.  Foto: 

„I dät den Kerle glei wieder heiraten“: Auf 65 glückliche Ehejahre blicken Gerda und ­Erich Bässler in Bad Boll zurück. Kennengelernt haben sie sich am Ostermontag 1948, bei einem Ausflug der neuapostolischen Kirche für die Jugend im ganzen Raum Göppingen-Geislingen. War‘s am Wasserberg oder am Grünenberg, Erich Bässler ließ seine Jacke liegen und Gerda Beißwenger hob sie für ihn auf. „Ich hab ihn schon im Blickfeld gehabt“, erzählt sie. Es hat gefunkt. Und so fuhr der 17-Jährige fortan öfter als sonst mit dem „Töfftöffle“ nach Geislingen, wo sie wohnte und als Schneiderin arbeitete. Wie gut, dass es dort eine Nagelfabrik gab, die die Zimmerei brauchte, die sein Vater zusammen mit ihm gegründet hatte. „Warum musst du so oft Nägel holen?“, wunderte sich sein Vater.

Mit dem Heiraten hat sich Gerda Beißwenger, die aus Schlat stammt, Zeit gelassen. Sie wollte die Unabhängigkeit ungern aufgeben, die ihr der Beruf als Herrenschneiderin mit einem guten Salär bot. „Ich hatte 1,23 Mark Stundenlohn, so viel wie ein Zimmerer-Geselle.“ Sie haben dann gewartet, bis er volljährig war, mit 21, da brauchte man keine Unterschrift mehr vom Papa, und zogen bei Erich Bässlers Eltern in Holzheim ein. Die junge Ehefrau gab ihren Beruf auf, so war damals die Zeit, und kümmerte sich um das leibliche Wohl des Familienbetriebs. „Wir waren zu sechst am Tisch, mit Gesellen.“ Sie schrieb auch Rechnungen.

Bungalow-Siedlung gebaut

Das Paar bekam drei Kinder. Mit Schulden fingen sie an, die Maschinen waren teuer, und bauten den Betrieb auf. Es herrschte ein Bauboom, die Bässlers hatten in der Landsiedlung einen starken Auftraggeber, und der Zimmerer- und Schreinermeister war von unternehmerischem Genius beseelt. Er stieg in den Fenster- und Rollladenbau ein, gründete ein Zweigwerk in Lauingen an der Donau, und wurde selbst Bauunternehmer. Er kaufte Bauplätze und zog Häuser hoch. In Boll baute er mit Architekt Walter Baur die Flachdachsiedlung am Ortsrand Richtung Pliensbach, heute noch ein städtebaulicher Akzent. Er baute in Heiningen, auch mit Baur, in Jebenhausen und Göppingen. Selbst haben sie sich 1963 ein Haus im Gewerbegebiet Holzheim gebaut und dem Platzhirsch Wackler noch Land verkauft.

Sie stellten dort in den 80er Jahren sogar eine Tennishalle mit vier Plätzen hin, im Vertrauen auf das ausgebrochene Tennisfieber, und da kam sogar mal Boris ­Becker vorbei, damals schon ein Sternchen, aber noch kein Wimbledonsieger. Gerda Bässler erinnert sich noch gut an den blonden Jungen mit Sommersprossen, der da auftrumpfte.

Landung in Berlichingen

Ihr Mann fand seinen Ausgleich für die 60- und 70-Stundenwoche, die sie beide hatten, im Segel- und auch Motorfliegen. Mit der Folge, dass seine Frau ihn regelmäßig von langen Segelflügen irgendwo im Land abholen musste. Sie tat es gern, weil es ihm guttat. „Er war danach ein anderer Mensch.“ Einmal ist Bässler beim Grafen von Berlichingen runtergekommen und wurde dort fürstlich bewirtet. Der Holzheimer schloss sich den Fliegern in Aalen-Ellwangen an, am Flugplatz bauten sie sich ein Ferienhaus und machte Furore mit Langstreckenflügen. Mehrmals kam er in der Zeitung.

Bis 79 war Erich Bässler Senior­chef in der Firma, dann musste er gesundheitlich kürzer treten. Die Söhne Dieter und Roland führen die Werke mit gut 50 Beschäftigten in Holzheim und Lauingen weiter, Tochter Birgit die Tennishalle.

Gerda Bässler hat mit 88 noch ihre Freude an ihrem Garten in einem der Bungalowhäuser in Boll, wohin sie im Ruhestand gezogen sind. Sie konnten es zurückkaufen und haben jetzt, was für ein Zufall, dieselbe Adresse in der Frühlingstraße in Bad Boll wie vorher in Holzheim.

Verständnis, Respekt und Treue sind für Gerda Bässler die Eckpfeiler eines langen Eheglücks, und gefeiert wird die Eiserne Hochzeit am Sonntag in acht Tagen im Kreis der drei Kinder, sieben Enkel und zwei Urenkel.

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