"Grandi Emozioni" aus großen Opern Stuttgarter Gesangsklasse im Boller Kurhaus

Zehn Sängerinnen und zwei Sänger aus der Gesangsklasse von Prof. Ulrike Sonntag gaben im königlichen Festsaal des Kurhauses Bad Boll Zeugnis davon ab, dass es um den Nachwuchs gut bestellt ist.

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Die jungen Säger nutzten die tragende Akustik des Tonnengewölbes im Festsaal, um große, bisweilen erschütternde Emotionen in Opernarien von Händel bis Bernstein aufkommen zu lassen. Das ging oft bis an technische und dynamische Grenzen: Man durfte zeigen, was man "draufhat" und füllte die Rolle mit Leben. Unüberhörbar und unübersehbar ist das Ziel der jungen Künstler: die Opernbühne!

Reizvoll war auch in diesem dritten Konzert dieser Art die Vielfalt der Musik und Temperamente. Monika Abel-Lazar schwelgte in der Arie der Marzelline von künftiger Liebe zu Fidelio. Johannes Fritsche genoss in seiner sprühenden Arie des Leporello aus Mozarts "Don Giovanni" sichtlich das Agieren auf der Bühne. Lena Spohn setzte in der seelisch hochgespannten Arie des Idamante ein Gegengewicht dazu und wurde der Zerrissenheit von König Idomeneos Sohn gerecht. Außer sich vor Ärger über die weit verbreitete Benachteiligung der Frauen sang Johanna Pommranz die Arie der Sandrina aus Mozarts "La finta giardiniera" und zog dabei alle Register. Mit bezwingender Gelassenheit beeindruckte Seda Amir-Karayan in dem Liebesgeständnis der Dalila aus "Samson et Dalila" von Camille Saint-Saëns die Zuhörer.

Erste Bravos (selten in Bad Boll!) erntete danach Alice Chinaglia mit ihrem kraftvollen und dramatischen Auftritt aus "Lucia di Lammermoor" von Donizetti. Große Variabilität bewies schließlich Dafne Boms in der Arie der Kunigunde aus "Candide" von Leonard Bernstein, in der es um den Zwiespalt zwischen käuflicher Liebe und verlorener Ehre geht. Ihr gelang es besonders gut, zu singen, zu spielen und sich dem Publikum zuzuwenden.

Den Saal zum Beben brachte im zweiten Teil des Konzerts Alice Fuder mit der Arie der Linda aus der selten zu erlebenden Oper "Alice di Chamonix" von Donizetti. Souverän meisterte danach Lisbeth Juel Rasmussen die anspruchsvollen Koloraturen in der Arie des Ariodante in der gleichnamigen Händel-Oper. Selbstsicher und mit Leidenschaft sang sich der Tenor Tianji Lin als Duca durch seinen dramatischen Auftritt aus Verdis "Rigoletto".

Vor Verblüffung zunächst und dann vor Vergnügen blieben die Münder der Zuhörer offen bei dem köstlichen Automatenauftritt der Puppe Olympia (Jeanne Seguin) in "Les contes d'Hoffmann" von Jacques Offenbach. Da stimmte alles: Perfektion, Karikatur und Ironie! Ebenso gekonnt setzte Alice Chinaglia als Stubenmädchen Adele aus der "Fledermaus" von Johann Strauss ihre unfreiwillig komischen Rollenversuche in Szene und beherrsche die Bühne und die Lachmuskeln des Publikums.

Einen bemerkenswerten Kontrast dazu setzte Minyoung Catharina Lee zuvor mit dem Lied der Nixe Rusalka (Antonin Dvorák), in dem der Schmerz über die Hoffnungslosigkeit der Liebe zu einem Menschen aufbricht. Hier zeigte sich wie an anderen Stellen die fein durchdachte Konzeption des Konzerts, durch die die geballte Wucht der doch ein wenig anstrengenden "Emozioni" zum Genuss wurde.

Nicht unterschlagen werden darf die stets einfühlsame, rücksichtsvolle und dennoch aufmunternde Klavierbegleitung von Doriana Tchakarova.

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