Höhenfreibad in Ebersbach braucht Pflege

Die Gäste sind mit dem Dienstleister, der sich dieses Jahr erstmals um das Höhenfreibad in Ebersbach kümmert, zufrieden. Doch ob die Firma den Auftrag in der nächsten Saison erneut bekommt, steht in den Sternen.

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Ein Junge springt vom Drei-Meter-Brett ins kühle Nass des Waldhöhenfreibads in Ebersbach. Nach dem Weggang des Betriebsleiters im vergangenen Jahr konnte es die Stadt nur dank eines Dienstleisters diese Saison öffnen.  Foto: 

Wenn das Freibad zumacht, stirbt Ebersbach“, sagt Sieglinde Wrede. Die 78-Jährige kommt fast täglich ins Ebersbacher Waldhöhenfreibad. Braungebrannt im Bikini und mit großer Sonnenbrille sitzt sie gut gelaunt auf den Betonstufen, die an heißen Tagen so schön warm werden. Wie die anderen Stammgäste, die vor allem vormittags Sonne, Wasser und die Ruhe genießen, ist sie froh, dass das Freibad pünktlich zu Saisonanfang öffnete.

Das war lange nicht klar. Nachdem der langjährige Betriebsleiter Uwe Sepeur in den Ruhestand ging, fand die Stadt zunächst kein Betreuungspersonal. Hilfe kam aus dem fränkischen Schwabach. Die Firma Bädercoach bietet Dienstleistungen rund ums Bad und sorgt für den Betrieb des Freibads im Dickneweg.

Die Bädercoach-Mitarbeiter Steffi Förste und Nils Tischer kümmern sich um Wasser, Liegewiesen und Gäste wie Sieglinde Wrede. Und die sind zufrieden: „Die machen das richtig gut. Alle sind freundlich, es ist wirklich super“, sagt Wrede. Vor allem die neu eingerichtete Schnellschwimmbahn im Schwimmerbecken gefällt ihr. Auch Rolf Schuler, ein Jährchen älter als Wrede und wie sie Dauergast, nickt zustimmend, bevor er zum Becken eilt und seine Bahnen zieht.

Förste, für viele der Stammkunden „die Steffi“, ist das Gesicht des Freibads. Die blonde 29-Jährige hat als Bademeisterin ein Auge auf ihre Gäste im Becken und als Technikern ein Händchen für die Schwimmtechnik „der alten Dame“. So nennt sie liebe- und auch ein bisschen respektvoll das Waldhöhenfreibad. Das ist mit seinen 63 Jahren zwar deutlich jünger als viele Stammgäste, aber lange nicht so fit wie Wrede oder Schuler. Die „alte Dame“ ist mitunter etwas widerspenstig und hat so ihre Eigenarten, „sie braucht Pflege“, sagt Förste. Vieles an der Anlage ist noch aus den siebziger Jahren, auch die Schaltschränke. „Da dauert die Filterreinigung doppelt so lange wie in einem modernen Bad. Und oft geht etwas kaputt.“

Im Ebersbacher Rathaus hat man das Problem erkannt. „Die Technik im Bad ist störanfällig, immer wieder musste und muss etwas repariert werden“, sagt Hauptamtsleiter Günther Pfeiffer. Zu Saisonbeginn war die Solaranlage, die Energie für die Heizung liefert, defekt. Sie läuft wieder, jetzt ist aber ein Teil der Gaszusatzheizung kaputt. Eine Fachfirma sucht fieberhaft nach passenden Ersatzteilen für die alte Anlage, damit zum Ende der Saison die Becken die gewohnte Temperatur von 24.5 Grad Celsius halten können. Die Leute von Bädercoach seien mit Sachverstand und großem Einsatz bei der Sache, aber Pfeiffer weiß: „Das 1954 eröffnete Waldhöhenfreibad ist in die Jahre gekommen, es muss saniert werden. Immer wieder ist etwas verändert und erneuert worden, aber nur in Teilbereichen. Jahrelang wurde die Generalsanierung verschoben, jetzt wird es Zeit.“ Er hofft, dass im kommenden Jahr die nötigen Finanzmittel da sind. Die Kosten für die „kleine Lösung“, mit der die komplette Schwimmtechnik modernisiert werden könnte, schätzt er grob auf eine Million Euro. Die „große Lösung“ kostet das doppelte, dann wäre auch eine große Rutsche dabei.

Neben der noch nicht gesicherten Sanierung gibt es eine weitere Unsicherheit: Der Vertrag mit Bädercoach gilt nur für die laufende Saison. Zwar sind Gäste und Hauptamtsleiter Pfeiffer bisher sehr zufrieden mit Förste und ihrem Team. „Aus rechtlichen Gründen müssen wir die Vergabe aber neu ausschreiben. Dann kann sich natürlich auch die Firma Bädercoach wieder bewerben“, sagt Pfeiffer. Im Rathaus wird allerdings überlegt, den nächsten Vertrag gleich für mindestens zwei Saisons abzuschließen. Wie ihre Stammgäste hätte auch Steffi Förste nichts dagegen, 2018 ihre „alte Dame“ weiter zu pflegen. Denn die gefällt der Bad-Expertin: „Ich habe selten ein so schönes Freibad gesehen.“

Ein KOMMENTAR von Tobias Flegel: Geglückte Notlösung

Die Stadt Ebersbach scheint mit dem Dienstleister, der sich diese Saison um den Betrieb des Waldhöhenfreibads kümmert, einen Glücksgriff getan zu haben. Stammgäste loben die Bademeisterin und ihren Kollegen für ihr freundliches Auftreten, und der Hauptamtsleiter attestiert ihnen Fleiß sowie Sachverstand. Solches Personal aufzutreiben, war nach dem Weggang des früheren Betriebsleiters, der sich fast 25 Jahre mit Herzblut um die Technik der Anlage und das Wohlbefinden der Gäste kümmerte, keine Selbstverständlichkeit.

Der Glücksgriff sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass er zugleich ein Notbehelf ist. Weder hat die Stadt Fachkräfte für den Badbetrieb im nächsten Jahr sicher, noch hat sie die Weichen für die längst überfällige Sanierung gestellt. Zwischen ein bis zwei Millionen Euro schlägt diese schätzungsweise zu Buche. Ob der Haushalt für nächstes Jahr dieses Geld hergibt, ist ungewiss.

Die Stadt ist gut beraten, diese Unwägbarkeiten bald auszuräumen. Obgleich betagt, hat das Freibad hoch über der Stadt einen Reiz, den viele Menschen schätzen und der auch der neuen Bademeisterin nicht verbogen geblieben ist: Sie hält das Waldhöhenbad für eine seltene Schönheit. Der Erhalt eines solchen Juwels sollte der Stadt sowohl das nötige Geld als auch gutes Personal wert sein.

Aquafit Zweimal wöchentlich, montags von 11 bis 11.45 Uhr und freitags von 15 bis 15.45 Uhr, legt Bademeisterin Steffi Förste für ihre Gäste Musik auf. Dann gibt es Wassergymnastik im Schwimmerbecken des Waldhöhenfreibads.

Sauna Wem die warmen Sonnenstrahlen nicht reichen, kann in der mobilen Sauna dem Schweiß freien Lauf lassen. Bitte früh genug melden, der Ofen braucht 45 Minuten, dann heizt er den Gästen in der Sauna auf der Liegewiese bei rund 75 Grad Celsius so richtig ein.

Spielenachmittag Spannende Spiele in den Becken und auf den Freiflächen für Kinder und Jugendliche. Samstags von 14 bis 17 Uhr.

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