"Darauf einen streunenden Hund"

Matthias Holtmann hat die Zuhörer auf eine amüsante wie nachdenkliche Zeitreise mitgenommen, die sich um Porsche, Pop und Parkinson drehte.

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Servierte Amüsantes und Berührendes: Matthias Holtmann. Foto: Inge Czemmel

Einmal das Gesicht zur Stimme sehen - als der Radiomoderator sich am Samstag in Heiningen anschickte, aus "Holtmanns Erzählungen" zu lesen, wurde im Bistro Amadeus kurzerhand die Scheibe zum Außenbereich geöffnet. Die Zahl der Zuhörer übertraf bei Weitem die der Sitzplätze des Lokals. Also lauschten viele, in wärmende Decken gehüllt im Freien, interessiert den Kostproben aus 345 Seiten der Biografie des Radiomannes, die von der Kindheit bis ins Heute reicht. Eine Kindheit, die wie der Autor verriet, reich an Irrtümern und Missverständnissen war. "So glaubte ich, eine Autobahnkapelle sei eine Band, die auf einem Rastplatz spielt und ich war mir sicher, ich müsste nur die Augen fest zukneifen, um selbst ganz und gar unsichtbar zu werden." "Fürchterlich diese Vierzylinder", nahm Holtmann geistesgegenwärtig die Störung durch ein lautes Motorengeräusch von der Straße zum Anlass, um vom Grundig 14L zum Thema "Auto" überzuleiten. Rund 50 Stück davon besaß er im Laufe seines Lebens - anfangs langsame, dann nur noch schnelle. Zu einigen gibt es amüsante Geschichten, die er zur Freude der Zuhörer zum Besten gab. Zudem machte er anhand von Hits deutlich, dass Autos und Musik absolut affine Themen sind. Musikalische Einlagen wie "Oh Lord, wont you buy me a Mercedes Benz?" inbegriffen. In die Tasten griff Holtmann noch öfter, um seine Erzählungen musikalisch zu unterstreichen. "Dont think twice, its allright", erinnert ihn an eine Ohrfeige seines Vaters, scheint aber im Hinblick auf seine Krankheit auch ein Stück Lebensmotto zu sein. Berührend berichtete Holtmann über Verdrängungsversuche, die Diagnose Parkinson und den Schritt aus der Anonymität ins Spotlight. Und über den Entschluss, sich den Spaß nicht verderben zu lassen, statt sich eine Grütze aus Selbstmitleid aufzukochen. Keinesfalls verkriechen damit niemand glotzt, sondern unter Leute gehen ist seine Devise.

Festgestellt, dass etwas bei ihm nicht stimmt, hat Holtmann 2006 während der WM. Und er weiß auch, warum Deutschland damals nicht Weltmeister wurde: "Schuld war Xavier Naidoo! Dieser Weg wird kein leichter sein, wen soll das denn motivieren?" Darauf einen "streunenden Hund". Am Ende der Lesung lud Holtmann alle auf einen solchen ein und ließ in kleinen Becherchen Waldmeistersirup mit Wodka und Tabasco servieren.

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